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merkzettel

Türkei: Deutsche Vertretungen zu Steinmeier: "Konkrete Hinweise" auf Anschläge

VideoAnkara im Terror-Visier
Die deutsche Botschaft in Istanbul

Nach den Terror-Anschlägen der jüngsten Zeit rücken offenbar deutsche Einrichtungen in das Fadenkreuz von Terroristen. Über die Schließung der deutschen Botschaft in Ankara berichtet Roland Strumpf.

(17.03.2016)

VideoAnschlag erschüttert Ankara
Trauernde Menschen nach dem Selbstmordanschlag in Ankara.

Der Terror in Ankara hält weiterhin an. Nach einem Selbstmordanschlag im Zentrum der Hauptstadt am Sonntag, gibt es mittlerweile 37 Tote. Die Regierung vermutet kurdische Extremisten als Täter.

(14.03.2016)

VideoTerror in der Türkei
Bewaffnete Polizei in der Türkei

Im Südosten der Türkei herrscht Bürgerkrieg. Ankara fährt Panzer auf und die Kurden setzen sich ähnlich brutal zur Wehr. Trägt die türkische Politik zu den aktuellen Ereignissen bei?

(12.01.2016)

Wegen akuter Terrorgefahr hat Deutschland seine Botschaft und Konsulate in der Türkei geschlossen. Außenminister Steinmeier sprach von "sehr konkreten Hinweisen". Wie das ZDF aus Diplomatenkreisen erfuhr, kommt die Terrorwarnung "weniger aus der kurdischen Ecke als aus der islamistischen". Auch der IS als Drahtzieher wird nicht ausgeschlossen. 

"Die Sicherheitslage ist seit einigen Tagen sehr, sehr angespannt", berichtet ZDF-Korrespondent Roland Strumpf. "Es hat immer wieder Hinweise gegeben nach diesem Anschlag in Ankara. Und diese Hinweise werden auch hier vor Ort in Istanbul sehr, sehr ernst genommen." Warum die deutsche Botschaft und Konsulate in der Türkei nun ins Visier des Terrors geraten, ist Strumpf zufolge noch offen. "Darüber kann man zur Stunde nur spekulieren. Von türkischen Sicherheitsbehörden ist bislang überhaupt nichts zu vernehmen", berichtet er.

Hintergrund der Terror-Drohung unklar

Laut ZDF-Informationen kommen die Terrorwarnung gegen die deutschen Einrichtungen "weniger aus der kurdischen Ecke als aus der islamistischen". Demnach wird es für möglich gehalten, dass die deutschen Vertretungen im Visier der Terrormiliz Islamischer Staat sind. ZDF-Korrespondent Strumpf zufolge ist es zudem möglich, dass Deutschlands Rolle als Partner der Türkei in der Flüchtlingskrise eine Rolle spielt. Ziel von Terrorvereinigungen, die gegen das System Erdogan gerichtet sind, könne es sein, sich gegen Verbündete zu wenden, so dass die Regierung Erdogan immer mehr isoliert wird, weil sie im Fokus des Terrors steht, erklärte Strumpf.

Die Schließungen der deutschen Vertretungen begründete Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) damit, dass es "einige sehr konkrete und sehr ernstzunehmende Hinweise" gegeben habe, "dass terroristische Attentate gegen unsere deutschen Vertretungen innerhalb der Türkei vorbereitet seien". Die Schließung sei deshalb eine "notwendige Maßnahme, weil der Schutz der deutschen Staatsbürger und der in den Einrichtungen arbeitenden und lernenden Menschen jetzt Vorrang haben muss". Die Schutzvorkehrungen an diesen Einrichtungen sollen jetzt erhöht werden. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Türkischer Botschafter: "Es kann von allen Richtungen kommen"

Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslıoğlu, zeigte Verständnis für die Botschaftsschließung: "Wir haben es auch letzte Nacht erfahren", sagte der Diplomat dem ZDF. Auf Bitten der Deutschen hätten die türkischen Sicherheitskräfte zusätzlichen Schutz vor die Vertretungen geschickt. Über den Hintergrund der Terrorgefahr wollte Karslıoğlu nicht spekulieren: "Es kann von allen Richtungen kommen". Sowohl der IS als auch die PKK seien in letzter Zeit für Anschläge in der Türkei verantwortlich gewesen.

Das Auswärtige Amt (AA) riet auf seiner Homepage zu erhöhter Vorsicht in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten der Türkei. Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen sowie der Aufenthalt nahe Regierungs- und Militäreinrichtungen sollten gemieden werden. Die deutsche Botschaft hatte Bundesbürger bereits am Dienstag vor neuen Anschlägen in der türkischen Hauptstadt gewarnt.

Attentat als Vergeltung für "Massaker in Kurdistan"

Im Goethe-Institut im Zentrum Istanbuls wurde wegen des Terroralarms der laufende Deutsch-Unterricht abgebrochen. Das deutsche Kulturinstitut, das nahe der Istiklal Caddesi in der Innenstadt seinen Sitz hat, schloss daraufhin vorübergehend.

In Ankara waren am Sonntag bei einem Anschlag 37 Menschen getötet worden. Am Donnerstag bekannte sich die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zu dem Attentat.
Die Tat sei eine Vergeltung für die "Massaker in Kurdistan", teilte die Gruppe auf ihrer Website mit und kündigte zugleich neue Anschläge an. "Die, die in der Türkei leben, sollen wissen, solange die faschistische Diktatur nicht dem Erdboden gleichgemacht wird, ist kein Menschenleben sicher", hieß es.

Die Gruppe bedauerte, dass es in Ankara zu zivilen Opfern gekommen sei. Der Anschlag hätte demnach eigentlich Sicherheitskräften gelten sollen. Die Polizei habe jedoch "interveniert", daher seien Zivilisten getroffen worden. "Wir bekunden unsere Trauer", hieß es. Wie genau die Polizei eingegriffen haben soll, erklärte die Gruppe nicht.

Immer wieder Anschläge in der Türkei

Weitere Links zum Thema

Bei dem Anschlag am Sonntag im Zentrum Ankaras starben hauptsächlich Zivilisten. Die türkische Regierung hatte die PKK und deren bewaffneten syrischen Ableger YPG für das Attentat verantwortlich gemacht. Die TAK bestritt in ihrem Bekennerschreiben jedoch, dass die Selbstmordattentäterin Verbindungen nach Syrien gehabt habe.

Die TAK ging 2004 aus der PKK hervor und verübte Anschläge in Städten. Die Gruppe hatte sich schon im Februar zu einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara bekannt. In der Türkei kommt es immer wieder zu Anschlägen. In Istanbul hatte im Januar ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Tat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugerechnet.

Tödliche Anschläge in der Türkei

Chronologie

Anschlag in Ankara
  • März 2016: In Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier Menschen mit in den Tod. Die Regierung macht den IS dafür verantwortlich. In Ankara werden bei einem Anschlag 37 Menschen getötet. Wenige Tage danach bekennt sich die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zu dem Attentat.
  • Februar 2016: Bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im Regierungsviertel von Ankara sterben 30 Menschen, darunter der Selbstmordattentäter. Später bekennt sich die TAK zu der Tat. Die türkische Regierung macht die PKK und ihren syrischen Ableger YPG für den Anschlag mitverantwortlich.
  • Januar 2016: Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkischen Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.
  • Oktober 2015: Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht den IS verantwortlich.
  • September 2015: Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.
  • August 2015: Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.
  • Juli 2015: Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen den IS verantwortlich, der sich allerdings nie zu der Tat bekennt.
  • Juni 2015: Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben.
  • Mai 2013: Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.
  • September 2011: Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

(Quelle: dpa)

17.03.2016, Quelle: dpa, ZDF
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