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merkzettel

Autonomes Fahren Die Zukunft der Mobilität?

BildAutonomes Fahren
Autonomes Fahren und Selbstfahrende Autos

In Garching bei München soll ein Testfeld für hochautomatisiertes Fahren entstehen.

(Quelle: imago)

VideoDaimler testet Autopilot für Lkw
selbstfahrende lkw von daimler.

Schon seit Jahren wird daran gearbeitet, selbstfahrende LKW zu entwickeln. Ziel dieser ferngesteuerten und autonomen Fahrweise ist der Gewinn an Sicherheit. Daimler testet aktuell eine neue Variante.

(21.03.2016)

VideoFahren per Autopilot
Grafik wer haftet

Ein selbstfahrender LKW könnte so manchen Spediteur entlasten. Doch mit neuer Technik kommen auch neue Fragen auf. heute+ hat einige davon gesammelt und dem Rechtsexperten Eric Hilgendorf vorgelegt.

(02.10.2015)

von Michael Kniess

Das Auto als Ersatzwohnzimmer: Ein Fahrer, der dem Lenkrad den Rücken zukehrt und mit den Kindern Karten spielt. Realität statt Traum: Mit einem Testfeld in Bayern soll ein entscheidender Beitrag dafür geleistet werden, dass autonomes Fahren in absehbarer Zeit keine Vision mehr ist. 

Eine Denkfabrik um den ehemaligen Oberbürgermeister Erlangens, Siegfried Balleis, hat ein ambitioniertes Ziel: Ein Testfeld in Bayern für autonomes Fahren. Die Idee: auf einer Fläche von rund einem Quadratkilometer in Garching vor den Toren Münchens alle Verkehrssituationen im Echtbetrieb abbilden und simulieren. Es geht um die größte Herausforderung für völlig autonomes Fahren: dem Verkehr jenseits der Autobahnen.

Anders als auf den Fernstraßen, wo das automatisierte Fahren vergleichsweise einfach umzusetzen ist, müssen die Rechner der Zukunft im Alltagsverkehr in vielerlei Hinsicht interagieren: mit Fußgängern, die plötzlich die Fahrbahn betreten, mit anderen Fahrzeugen, die entgegenkommen oder mit Ampeln, deren Grünphasen es abzuschätzen gilt.

Denkfabrik mit renommierten Experten

Genau das soll das geplante Testfeld inmitten des Hochschul- und Forschungsgeländes möglich machen: Angedacht ist ein Rundkurs mit Stadtcharakter, auf dem sich ohnehin täglich über 20.000 Personen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto bewegen.

Ethisches Dilemma und Synergieeffekte

Das ethische Dilemma, dass beim autonomen Fahren im Zweifel ein Algorithmus über Leben und Tod entscheidet, wollen dessen Befürworter nicht gelten lassen.

Führende Juristen sind sich darin einig, dass man dieser großen Herausforderung mittels eines installierten Zufallsgenerators begegnen kann. Denn auch heute reagiere jeder Mensch, der in einer solchen Situation am Steuer eines Fahrzeugs sitzt, ebenfalls instinktiv und in letzter Konsequenz willkürlich.

Experten betonen vielmehr, dass auf diese Weise die Verkehrssicherheit immens erhöht werde. Daneben seien durch diese intelligenten Systeme Kraftstoffeinsparungen, ein besser fließender Verkehr und eine Entlastung der Parkplatzproblematik in den Städten zu erwarten.

Eine realistische Probelandschaft für jene Herausforderungen, die das autonome Fahren im Alltag bewältigen muss: Bremst das Auto rechtzeitig, hält es den richtigen Abstand, fährt es nicht zu ruckartig an.

Für den Siegfried Balleis wäre das Testfeld ein wichtiger Schritt, um im Wettbewerb um die Mobilität der Zukunft nicht den Anschluss zu verlieren: "In den USA gibt es bereits mindestens vier solcher Testfelder, in Europa dagegen ist mir kein einziges wirklich funktionierendes bekannt", sagt der CSU-Politiker.

Technisch realisierbar in maximal drei Jahren

Vorangetrieben wurde die Idee durch die Entscheidung des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU), den Abschnitt der Autobahn A9 zwischen München und Ingolstadt in den nächsten Jahren zu einem "Digitalen Testfeld" auszubauen. Die Straße soll mit intelligenten Fahrsystemen in neuen Autos kommunizieren können und so automatisiertes und autonomes Fahren ermöglichen.

"Rein von technischer Seite wäre ein solches Testfeld in maximal drei Jahren realisierbar", sagt Balleis. Die größeren Hürden: die einzelnen Partner zusammenzuführen und langwierige Planungs- und Entscheidungsprozesse.

"Ein großes Puzzle"

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Um den hohen finanziellen Aufwand stemmen zu können - nach ersten Schätzungen würden sich die Kosten auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag Euro belaufen - wäre für Balleis das Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft das Mittel der Wahl. Konkrete Entscheidungen gibt es noch nicht. Erste vielversprechende Gespräche mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Technischen Universität München sowie dem Ersten Bürgermeister Garchings, Dietmar Gruchmann (SPD), hat es jedoch bereits gegeben. "Unser Hochschul- und Forschungsgelände bietet sich hierfür als optimaler Standort geradezu an", sagt dieser.

Zum einen aufgrund der direkten Nähe zur A9. Zum anderen würden das dort vorhandene wissenschaftliche Umfeld und die großen Automobilhersteller in direkter Nachbarschaft weitere Synergieeffekte ermöglichen. Auch die Tatsache, dass sich große Flächen für ein solches Testfeld im Eigentum des Freistaats befinden, wertet Balleis als vielversprechendes Teil "eines großen Puzzles, welches es zusammenzufügen gilt".

Autobauer haben Angst vor Konkurrenten

Problematischer sei es, die großen Automobilunternehmen mit ins Boot zu bekommen. "Man befürchtet, dass durch eine vorwettbewerbliche Zusammenarbeit dem jeweiligen Konkurrenten Betriebsgeheimnisse offenbart werden könnten", sagt Balleis.

Und dann ist da noch die Akzeptanz des Käufers: Sind Autofahrer in ausreichender Zahl wirklich bereit, das Fahren aufzugeben?

Autonomes Fahren

Sensoren und Kameras

Grafik wer haftet

Die Technologie von selbst fahrenden, autonomen Autos basiert vor allem auf Sensoren und Kameras, die die Umgebung erfassen und die Daten in Sekundenschnelle verarbeiten. Einparkhilfen oder Stauassistenten funktionieren bereits so. Autobauer setzen bei dieser Technologie vor allem auf Luxusfahrzeuge, die zumindest mit teilautomatisierten Elementen noch in diesem Jahrzehnt auf dem Markt erwartet werden.

Drei Stufen von autonomem Fahren

Der Automobilverband VDA unterscheidet bei selbstfahrenden Autos drei Stufen: Beim "teilautomatisierten Fahren" muss der Fahrer die Assistenzsysteme ständig überwachen, also weiter aktiv mitfahren. Das "hochautomatisierte Fahren" soll den Autofahrer weiter entlasten. Das System warnt den Fahrer dann rechtzeitig, wenn es selbst nicht mehr reagieren kann und er eingreifen muss. Das "vollautomatisierte Fahren" entspricht dagegen dem landläufigen Verständnis eines Autopiloten. In dieser Stufe könnte der Fahrer auch auf dem Rücksitz Platz nehmen. Damit rechnen die Hersteller aber erst in ferner Zukunft.

Regeländerung für Fahren ohne Fahrer

Bevor das Auto komplett die Kontrolle übernehmen darf, muss das Wiener Übereinkommen über den Verkehr aus dem Jahr 1968 geändert werden. Denn dort ist festgeschrieben, dass jedes Fahrzeug einen Fahrer haben soll. Aus diesem Grund müssen Autofahrer bislang immer wieder das Lenkrad berühren, wenn das Auto - zum Beispiel beim Stauassistenten - schon heute übernommen hat.

(Quelle: dpa)

29.03.2016
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