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Diplomatischer Eklat Saudis verbieten deutschen Kulturbeitrag

VideoSteinmeier in Teheran und Riad
Bundesaußenminister Steinmeier sitzt in Riad in Saudi-Arabien bei der Eröffnung des Janadriya-Festivals zwischen den Gästen.

Bundesaußenminister Steinmeier vermittelt bei einem umstrittenen Besuch in Riad zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Der Streit der beiden Länder soll die Friedensgespräche für Syrien nicht gefährden.

(03.02.2016)

VideoSchwieriges Verhältnis zu Saudis
Frank-Walter Steinmeier in Saudi-Arabien (Archivbild)

47 politisch Gefangene hat Saudi-Arabien Anfang 2016 hingerichtet. Außenminister Steinmeier besucht das Land dennoch. Auch Waffen liefert Deutschland weiterhin nach Riad - ist das richtig?

(31.01.2016)

von Andreas Kynast

Auf dem größten Kulturfestival Saudi-Arabiens wollte Außenminister Steinmeier zeigen, "wie wir Demokratie organisieren". Aber dann zensieren die Saudis das deutsche Programm. Das Auswärtige Amt protestiert. 

Es gibt viele Sachen, die die Nationalgarde in Saudi-Arabien nicht lustig findet. Frauen, die Auto fahren. Männer, die tanzen. Alkohol, Jeans und Musikinstrumente, die die Bevölkerung verstören könnten. Auf dem Janadryiah-Festival, dem größten Kulturfest des Landes, sind es Gitarren, die den Unwillen der Sittenwächter wecken. Sie gehören dem deutschen Rap- und Reggae-Künstler Mellow Mark und seinen Musikern. Deutschland ist das Gastland des Festivals.

Keine Gitarren, sagen die Herren von der Nationalgarde. Aber die Musiker brauchen Gitarren, sagen die Deutschen. Keine Gitarren, beharren die Saudis. "Es wurde verhandelt, verhandelt, verhandelt", berichtet Mellow Mark, aber es hilft nichts: "Wir sind an die Grenzen gestoßen". Der Auftritt des Musikers wird verboten.

Kritik am "lustigen Fest in der Wüste"

Das Janadriyah-Fest ist eine Art saudische Expo. Alle Regionen des Landes präsentieren sich. Außerdem ist jedes Jahr ein Gastland dabei. Nach China, Frankreich oder Südkorea darf in diesem Jahr Deutschland einen Pavillon füllen. Der interessierte Saudi trifft darin auf Volkswagen, Allianz und die Lürssen-Werft. Texttafeln zitieren das Grundgesetz ("Männer und Frauen sind gleichberechtigt"). Ein Stand ist deutschen Wissenschaftlerinnen gewidmet. Von außen ist der deutsche Pavillon mit Fototapete beklebt und soll historisch aussehen. Mittelalter. Passt.

Dass die deutsche Teilnahme am Janadriyah-Festival ein Risiko ist, war Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) von Anfang an klar. Aus Opposition und CDU war die Reise heftig kritisiert worden. Spätestens nach den Hinrichtungen von 47 Gefangenen hätte Steinmeier das "lustige Fest in der Wüste" (Armin Laschet, CDU) absagen müssen. Aber als Steinmeier das Festival gemeinsam mit König Salman eröffnet, betont er die Chancen. In Riad könne Deutschland in vielfältiger Weise zeigen, "was eine selbstbewusste Zivilgesellschaft ist".

"Ein Kulturboykott trifft immer die falschen."

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Nur leider zeigen die Saudis, kaum ist Steinmeier abgereist, was eine selbstbewusste Monarchie ist. Das Auftrittsverbot für Mellow Mark widerspricht nicht nur allen Abmachungen. Es ermöglicht auch einen kurzen Blick ins Innere eines Systems, das Berliner Diplomaten rätseln lässt. Signale einer vorsichtigen Öffnung wechseln sich ab mit Bestrafungen von archaischer Strenge. Dem ZDF teilt das Auswärtige Amt mit, es habe die Hinderung "zum Anlass genommen, bei der saudischen Regierung zu protestieren". Das Königshaus habe die Kritik angenommen. Die Absage an Mellow Mark sei der einzige Fall von Zensur geblieben.

Trotz seiner negativen Erfahrung findet es Mellow Mark richtig, dass sich Deutschland auf das Risiko Saudi-Arabien eingelassen hat: "Ein Kulturboykott trifft immer die falschen." Und aufschlussreich war die Reise auch so. "Unsere Musik ist ja durchaus kritisch", sagt der Sänger, der nur im deutschen Pavillon auftreten durfte. Mellow Mark grinst: Von den Ausstellern und Industrievertretern "haben wir auch kein besonders gutes Feedback bekommen."

Dem Autor auf Twitter folgen: @andikynast

19.02.2016
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