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Duell Mensch gegen Maschine Go: Erster Computer-Sieg gegen Meister-Hirn

BildBrettspiel Go
Der südkoreanische Go Großmeister Lee Sedol mit dem von Google entwickelten Supercomputer Alphago in Seoul, Südkorea, am 09.03.2016

(Quelle: dpa)

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(03.01.2016)

Im Schach ist der Mensch dem Computer längst unterlegen. Im alten chinesischen Spiel Go war das bislang noch anders. Go war zu komplex für Maschinen, der Spielverlauf enthielt zu viele potenzielle Entwicklungen. Eine Google-Software trat jetzt den Gegenbeweis an. 

Die nächste Bastion menschlichen Intellekts wackelt. Im Fünf-Spiele-Match errang die Software AlphaGo bereits einen Sieg gegen den weltbesten Go-Spieler Lee Sedol. Der bezwang Europameister Fan Hui im vergangenen Herbst mit 5:0. Bis zum 15. März soll das außergewöhnliche Match entschieden sein.

Historischer Meilenstein wie "Deep Blue" gegen Kasparow?

Experten streiten darüber, wie das Kräftemessen mit Lee Sedol ausgehen wird, der als bester Spieler unserer Zeit gilt. Es geht um ein Preisgeld von einer Million Dollar. Aber viel wichtiger ist, dass das Match ab diesem Mittwoch in Seoul ein ähnlicher historischer Meilenstein werden dürfte, wie die beiden Begegnungen zwischen Schach-Weltmeister Garri Kasparow und dem IBM-Computer "Deep Blue" 1996 und 1997.

Damals gewann Kasparow den ersten Durchgang mit 4:2. Auch wenn "Deep Blue" das Match am Ende verlor, waren seine beiden Siege die ersten einer Maschine gegen einen amtierenden Schach-Champion. Bei der Revanche 1997 setzte sich "Deep Blue" nach drei Remis mit 3,5 zu 1,5 Punkten durch. Und seitdem haben menschliche Spieler im Schach auch nicht mehr wirklich eine Chance gegen die künstliche Intelligenz.

Software ahmt menschliche Spieler nach

Go hat auf den ersten Blick einfachere Regeln: Die Spieler platzieren abwechselnd ihre Steine in weiß und schwarz auf einem Brett. Es geht darum, mehr Fläche als der Gegner zu erobern. Doch Go, das vor mehr als 2.000 Jahren in China entstand, war bis zuletzt zu komplex für Software - es gibt zu viele potenzielle Entwicklungen des Spielverlaufs, als dass selbst die mächtigsten Computer sie zu jedem Zug durchrechnen könnten.

Computer gegen Mensch

Lee Sedol (links) nimmt die Herausforderung an.

Go-Champion Lee Se-Dol und der CEO von Googles Deepmind Demis Hassabis.

Go-Champion Lee Sedol und der CEO von Googles Deep Mind, Demis Hassabis.

Die Entwickler des Programms AlphaGo bei der von Google gekauften britischen Firma Deep Mind versuchen deshalb gar nicht erst, alle Möglichkeiten auszuwerten. Stattdessen ahmt ihre Software den Menschen nach - und wendet dieses Verständnis im  Match gegen Lee Sedol an.

Champion zeigt sich zuversichtlich

In die Maschine wurden zunächst 30 Millionen Spielzüge von Experten eingespeist. Danach habe sie den nächsten Zug des Menschen in 57 Prozent der Fälle vorhersagen können. Danach spielte AlphaGo gegen sich selbst, um besser zu werden. Das Programm habe dabei selbst Dinge gelernt, "so dass es erstaunlich ist zu sehen, welche Fähigkeiten es sich angeeignet hat", sagte Deep-Mind-Mitgründer Demis Hassabis dem Magazin "Nature".

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Ob das für einen Sieg gegen Lee Sedol reicht, bleibt die spannende Frage. Der Champion selbst war vor dem Match zuversichtlich und schloss auch nicht aus, jedes der fünf Spiele zu gewinnen.

Auch einige Experten für künstliche Intelligenz aus Korea sahen ihn im Vorteil. Während AlphaGo ausgezeichnet bei der kurzfristigen Strategie sei, schwächele die Software noch, wenn es darum gehe, weit nach vorn zu denken, argumentiert etwa Jeong Jaesung vom KAIST-Institut für Wissenschaft und Technologie. Lee habe deshalb die besseren Chancen, sagte er der Nachrichtenagentur Yonhap. Zugleich schränkte sein Kollege Kim Daeshik ein, dass auch ein Sieg des Menschen nicht viel über den Ausgang eines Matchs in einigen Jahren aussagen werde.

Entwickler sieht Chancen auf Sieg

Hassabis selbst glaubt, dass AlphaGo durchaus eine Chance auf den Sieg habe. Der bezwungene Europameister Fan Hui ist jetzt ein Berater. Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, wird Google die fünf Partien live über die Videoplattform YouTube übertragen.

Wie ein Computer eine US-Rateshow gewann

Bereits vor vier Jahren kam es zu einem ähnlich spektakulären Duell zwischen Mensch und Maschine. Damals trat der IBM-Computer "Watson" in der US-Rateshow "Jeopardy" gegen zwei menschliche Mitspieler an. Das Besondere an "Jeopardy": Der Quizmaster gibt Stichworte, aus denen die Spieler die korrekte Frage konstruieren müssen. Wer zuerst drückt und richtig antwortet, gewinnt mehrere hundert Dollar.

Zwar tat sich "Watson" zunächst schwer, konnte sich nicht absetzen und antwortete auch ein paar Mal falsch. Doch in der dritten und letzten Partie führte er seine menschlichen Konkurrenten vor, drückte mit seinem Roboterarm schneller und hatte sehr oft die richtigen Fakten parat.

Vor dem Duell hatte der US-Computergigant IBM drei Jahre lang an "Watson" gebastelt und nach Schätzungen von Experten etwa 100 Millionen Dollar investiert. Wie viel der Computer wirklich gekostet hat, verriet die Firma nicht. "Watson" verfügte über die Rechenleistung von 2.800 durchschnittlichen Computern und 15 Terabyte RAM-Speicher (Random Access Memory). Das ergab einen Zugang zu mehr als 200 Millionen Seiten Inhalt. Internet-Anschluss hatte er nicht.

09.03.2016, Quelle: von Andrej Sokolow, dpa
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