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merkzettel

Soziale Netzwerke Zwitscherstar soll Twitter pushen

BildTwitter sucht Anschluss
Lose USB- und Ethernet-Kabel hängen vor einem Twitter-Logo

Für Twitter sehen die Nachrichten nicht gut aus. Zwar konnte das Unternehmen mit neuen Werbeformen deutlich mehr Umsatz machen, doch das beruhigt die Anleger nicht.

(Quelle: reuters)

VideoVi Bots statt User

Der Wissenschaftler Simon Hegelich beschäftigt sich an der Uni Siegen mit "Social Bots", programmierten Scheinprofilen in Sozialen Netzwerken, mit denen im Netz kräftig Meinungsmache betrieben wird.

(05.02.2016)

VideoNRW feiert Catcontent
Mann mit iPhone neben Twitter-Grafik

Das Wissen der Welt: dank des Webs zugänglich für Jedermann. Aber es ist auch Sammelplatz für Catcontent jeder Art. Die Katzenvideos haben es jetzt sogar ins Museum geschafft…

(19.02.2016)

von Torsten Kleinz

Twitter steht vor einer Zerreißprobe: Einerseits ist der Dienst zur unverzichtbaren Nachrichten-Schaltstelle geworden, andererseits verlangen die Anleger ein Wachstum wie bei Facebook. Der Kurznachrichtendienst strampelt - und feiert seit Neuestem den "Twitterstar". 

Der deutsche "Twitterstar" des Jahres 2016 heißt "Bibi". Die 23-jährige Kölnerin Bianca Heinicke hat sich am Wochenende mit über 2,2 Millionen Tweets ihrer meist jugendlichen Fans gegen den Konkurrenten Liont knapp durchgesetzt.

Der Beliebtheitswettbewerb ist eigentlich ein schöner Erfolg für Twitter: Der Dienst hat ein Problem, sich in der jungen Zielgruppe gegen neuere und hippere Programme wie Snapchat zu behaupten. Doch gleichzeitig zeigt der Wettbewerb eine Schwäche Twitters: Weder Bibi noch Liont noch die anderen Nominierten sind vor allem als Twitter-Nutzer bekannt. Sie verdienen ihr Geld als YouTube-Stars und nutzen den Kurznachrichtendienst lediglich als Zwischendurch-Medium, um die Fans zwischen ihren Videos und Livestreams zu bespaßen.

Nachrichtenzentrale für die Welt

Wer hingegen die Nachrichten verfolgt, kommt man an Twitter kaum vorbei. Ob Trumps neuste Beleidigungen für seine Konkurrenten, Statements des deutschen Justizministers Heiko Maas zu den Vorfällen in Clausnitz, oder die neusten Enthüllungen von Wikileaks – Politiker und Organisationen auf der ganzen Welt nutzen das Medium dafür, ihre Sichtweisen und Neuigkeiten zu verbreiten. Und Medien greifen die Tweets begeistert auf. So landete das Video, dass Barack Obamas Team vom Besuch einer 106-jährigen Frau im Weißen Haus auf Twitter veröffentlichte, prompt auch in vielen deutschen Medien.

Für Twitter selbst sehen die Nachrichten derzeit aber weniger gut aus. So musste das Unternehmen kürzlich negative Zahlen bekannt geben. Im Schlussquartal 2015 waren monatlich 305 Millionen Menschen bei dem Kurznachrichtendienst aktiv - zwei Millionen weniger als noch im Sommer. Zwar konnte das Unternehmen mit neuen Werbeformen deutlich mehr Umsatz machen, doch das kann die Anleger nicht beruhigen. Dass das in San Francisco ansässige Unternehmen drei Jahre nach dem Börsengang immer noch Verluste macht, kann toleriert werden. Dass es jedoch nicht mehr wächst, klingt für viele wie ein Todesurteil.

Investoren wollen zweites Facebook

"Von Investoren wird an Twitter die Erwartung gestellt, dass es die Erfolgsgeschichte von Facebook wiederholt", erklärt Professor Oliver Hinz von der Technischen Universität Darmstadt. Der Wirtschaftsinformatiker hat Twitter und die anderen sozialen Netzwerke in den letzten Jahren beobachtet.

Das Unternehmen befindet sich in einer Zwickmühle. Denn die Fans des Kurznachrichtendienstes wollen ganz explizit kein zweites Facebook, sondern bestehen darauf, die Eigenheiten des Dienstes zu erhalten. Als vor wenigen Wochen das Gerücht kursierte, dass Twitter die Nachrichten künftig nach Wichtigkeit sortieren wolle, wie der Konkurrent Facebook, reagierten viele Nutzer mit einem Shitstorm unter dem Hashtag #RIPTwitter – in Deutsch: "Ruhe in Frieden, Twitter". Dass der Dienst gar Nachrichten mit mehr als 140 Zeichen zulassen könnte, wäre laut vielen überzeugten Nutzern das Todesurteil für das Medium.

Nachrichtenstrom versiegt langsam

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Doch auch das nachrichtenaffine Publikum wendet sich langsam von Twitter ab. Wie Hinz und seine Kollegen von den Universitäten in Darmstadt und Dresden in einer Studie festgestellt haben, werden Artikel deutscher Medien auf Twitter mittlerweile deutlich weniger geteilt als in den Jahren zuvor. Gerade beim technikinteressierten Publikum, wie den Lesern des IT-Nachrichtendienstes heise.de, zeigt sich der Wandel: Wurden 2012 noch 57 Prozent der Nachrichten über Twitter weitergereicht, waren es 2015 gerade noch fünf Prozent. Viele Nutzer laufen über zu Facebook und teilen ihre Nachrichten dort. Die Forscher errechneten einen Marktanteil von inzwischen 94 Prozent für den Social-Media-Giganten auf dem deutschen Markt. "Auf Facebook findet man die breite Masse, Twitter ist hingegen in Deutschland ein Nischenprodukt", fasst Hinz die Ergebnisse zusammen.

Wie die Beispiele StudiVZ oder MySpace zeigen, verläuft der Abstieg von sozialen Netzwerken geradezu erdrutschartig, wenn sie erst einmal als nicht mehr relevant betrachtet werden. Für die junge Zielgruppe veranstaltet das Unternehmen deshalb Twitterstar-Wahlen, experimentiert mit neuen Emojis und integriert eine neue GIF-Suche, die es vereinfacht, lustige Kurzfilme zu seinen Twitter-Nachrichten zu finden.

Twitter versteckt sich

Gleichzeitig entzieht sich das Unternehmen auch ein Stück der Erfolgskontrolle, indem es beispielsweise in den allgegenwärtigen "Twitter-Buttons" nicht mehr anzeigt, wie oft ein Artikel geteilt wurde. "Dass Twitter diese Information nun erst gar nicht mehr anzeigt, ist kein gutes Zeichen", sagt Hinz im Gespräch mit heute.de. Dass Twitter in Deutschland im Vergleich zu Facebook aufholen kann, erwartet der Wirtschaftsinformatiker nicht. Wenn das Unternehmen aber ein profitables Geschäftsmodell finde, das mit seiner Kernzielgruppe funktioniere, habe es eine dauerhafte Existenzberechtigung.

24.02.2016
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