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Video mit Instagram-Fotos Social-Media-Klischees in 2:20 Minuten

VideoDer soziale Einheitsbrei im Netz
Harrison Feind macht ein Selfie mit einem Schneemann vor dem Weißen Haus am 23.01.2016

Wie originell wir im sozialen Netz sein wollen und letztlich sind, zeigt ein aus 2.000 Foto-Posts bestehendes Video. Es ist der Renner im Netz - und wird damit schon wieder ein Klischee.

(28.01.2016)

VideoWarum sind wir so #likegeil?

Gefakte Urlaubsfotos und tausend Versuche für das perfekte Selfie. Warum machen wir das und was machen Likes mit uns?

(20.11.2015)

von Miriam Steimer

Kein Sonnenuntergang ohne, kein Kaffee ohne, kein Konzert ohne. Schnell noch ein Foto machen und mit der Welt teilen - soziale Medien machen es möglich. Jeder will damit etwas Besonderes sein, doch eigentlich posten wir alle das Gleiche. Bittere Erkenntnis eines Internet-Videos. 

Eigentlich wollte der Künstler Hiérophante aus Lyon nur seine Musik promoten. Heraus kam: ein virales Internet-Video. "Die Musik ist ein Klischee, ich habe verschiedene Elemente benutzt, die nicht von mir stammen. Genauso habe ich auch das Video dazu gestaltet: Da benutze ich Bilder, die nicht von mir sind", sagt Valentin Mermet-Bouvier, Elektro-Künstler aus Lyon.

Zu besonders populären Hashtags wie #selfie, #elevator oder #latte, hat er sich frei zugängliche Instagram-Fotos zusammen gesucht - und sehr schnell hintereinander geschnitten. Der Effekt: überraschend. Wir sehen alle gleich aus.

Gemeinschaft von Leuten, die individuell sein wollen

Selfie neben Selfie, immer dieselben Posen. Damit müllen wir das Internet zu. Das Video zeigt in 2:20 Minuten unsere belanglosen Alltags-Bilder, mit denen wir uns selbst darstellen wollen. "Ich habe gemerkt, dass wir eigentlich alle die gleichen Dinge posten. Wir machen das, um zu zeigen, wie individuell wir sind. Genau das wollte ich nutzen, um uns alle in einer Gemeinschaft darzustellen", sagt Hiérophante im heute.de-Interview.

In der Social-Media-Gemeinde will jeder Einzelne total individuell sein. Was dabei herauskommt, ist genau das Gegenteil: ein Einheitsbrei. "Gerade weil wir uns bemühen, individuell zu sein, schaffen wir eine Gemeinschaft von Leuten, die sich sehr ähnlich sind. Wir wollen alle originell sein und so sind wir alle gleich, weil wir eben alle originell sein wollen", sagt Hiérophante.

2.000 Fotos, zwei Monate, ein Video

2.000 Fotos hat er per Hand hintereinander geschnitten, zwei Monate hat der Motion-Designer dafür gebraucht.
Weitere Links zum Thema
Sixpack hinter Sixpack, Tattoo hinter Tattoo, Salatteller hinter Salatteller.

Was als Kritik an unserer immer gleichen Selbstdarstellung in sozialen Medien verstanden wird, hat Hiérophante eigentlich gar nicht so gemeint: "Ich wollte zeigen, dass wir alle dazu tendieren, dieselben Sachen zu machen. Aber das ist für mich nicht negativ. Es ist doch sehr positiv, dass wir alle ein ähnliches Verhalten haben und so eine Gemeinschaft sind."

Fast schon wieder ein Klischee ...

Es sei nicht möglich, dass jeder Einzelne originell ist, diese gleichen Vorlieben würden doch eine Verbindung zwischen den Leuten schaffen und das findet der 30-Jährige gut. "Die Leute, die Fotos gemacht haben, sind ja nicht doof. Jeder, der ein Selfie macht, weiß natürlich, dass es schon Tausende Selfies gibt."

Sein Video ist eigentlich schon zwei Monate alt. Richtig oft angeschaut wurde es erst, nachdem es die Videoplattform Vimeo als Empfehlung des Tages präsentierte. Und auch bei diesem Video hat die Social-Media-Gemeinde einen einheitlichen Geschmack: Mehr als 800.000 Mal wurde es angeklickt, plus 250.000 Mal auf Youtube: Ein Video über Klischees im Internet, das viral geht, das ist ja fast schon wieder ein Klischee.

28.01.2016
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