31.05.2016
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merkzettel

Elektromobilität Elektroautos in der Warteschleife

VideoElektroautos im Praxistest
Elektroauto von Mercedes

Gehört den Elektroautos wirklich die Zukunft? In Stuttgart ist die Infrastruktur für Elektroautos vorbildlich ausgebaut, doch in vielen Teilen Deutschlands sieht es da ganz anders aus.

(02.02.2016)

InteraktivE-Moblität im Vergleich
VideoGabriel: Kauf von E-Autos fördern
Beispiel eines Elektroautos.

Wirtschaftsminister Gabriel will eine Kaufprämie für E-Autos einführen. Das soll die Deutschen dazu bewegen die teuren Elektroautos zu kaufen. Und das trotz der niedrigen Benzinpreise.

(15.01.2016)

VideoÖkobilanz: Elektro-Autos
Grafikvideo: Wie umweltfreundlich sind Elektro-Autos?

Fahren ohne Abgase, das ist doch gut für die Umwelt - oder nicht? Wir werfen einen Blick auf die Ökobilanz von Elektro-Autos.

(14.09.2015)

Eine Million Elektroautos sollen 2020 auf Deutschlands Straßen fahren. Die Bundeskanzlerin versprach Förderungen, bisher ist jedoch wenig passiert. Wie sich das Projekt "Elektromobilität" noch retten lässt, erklärt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management im heute.de-Interview. 

heute.de: Vor rund zehn Jahren waren weniger als 2.000 Elektroautos in Deutschland zugelassen. Heute sind es etwa 30.000 – ein Erfolg?

Stefan Bratzel: So würde ich es nicht nennen. Insbesondere in Relation zu den 40 Millionen Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren, sind 30.000 Elektroautos wenig. Auf der Käuferseite ist Deutschland bisher weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe. Ich nenne sie die R.I.P.-Probleme.

heute.de: Wofür steht R.I.P?

Prof. Stefan Bratzel ist ...
Stefan Bratzel

... ist Politikwissenschaftler und Direktor des Center of Automotive Management (CAM), ein wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung sowie für strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Zu den Kunden des Instituts zählt die Automobil- und Mobilitätswirtschaft.

Bratzel:
Im Englischen steht R.I.P. für "Rest in Peace" (Ruhe in Frieden). Ein treffender Ausdruck. Denn wenn Politik und Industrie nichts unternehmen, ist das Projekt E-Mobilität gestorben, bevor es richtig begonnen hat. Ich meine mit R.I.P jedoch eigentlich Reichweite, Infrastruktur und Preis. Die Batterien der gängigen Modelle müssen nach etwa 150 Kilometern aufgeladen werden. Eine Reichweite, von mindestens 300 bis 500 Kilometern, ist aber sinnvoll. Zudem ist die Infrastruktur der Ladestationen ein Problem: Es gibt schlicht zu wenig Ladepunkte. E-Autos sind nicht ökologisch, wenn man große Umwege fahren muss, um eine Ladestation zu finden. Zudem müssen vor allem mehr Schnellladestationen her, die innerhalb von 20 Minuten 80 Prozent der Batterie laden. Bisher ging es deutschlandweit nur 100 Schnelladestationen – mehrere Tausend wären nötig. Und zuletzt der Preis: 50-100 Prozent mehr kosten Elektrowagen, im Vergleich zu modellähnlichen Autos mit einem Verbrennungsmotor.

heute.de: In China läuft es für strombetriebene Autos deutlich besser. Die Verkaufszahlen von E-Autos haben sich von 2014 bis Ende 2015 mehr als verdreifacht. Was machen die Chinesen besser?

Bratzel: In Chinas Metropolen ist die Luftverschmutzung deutlich zu spüren, weshalb Neuzulassungen von den Behörden stark begrenzt werden. Für ein Elektroauto bekommt man schneller eine Zulassung. Auch finanzielle Anreize spielen eine Rolle: Die Regierung auf Bundes- und Lokalebene investiert nicht nur in Ladesysteme, sondern subventioniert auch den Autokauf. Je nach Region steuert der Staat 5.000 bis 7.500 Euro pro Autokauf bei.

heute.de: Wenn es nach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ginge, würden E-Autos kostenlos parken und auf Busspuren fahren. Auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will den Deutschen das E-Auto mit einer Kaufprämie schmackhaft machen. Welche Anreize halten Sie für die richtigen?

Bratzel: Das Bundeskabinett hat den Kommunen bereits freigestellt, für Elektroautos Busspuren zu öffnen oder ihnen kostenfrei Parkplätze anbieten können. Insbesondere in Städten ist das Parken ein riesen Problem – und damit auch ein großer Hebel, den die Politik nutzen kann und sollte. Die Busspuren auch für Elektroautos freizugeben, halte ich allerdings schon für problematischer. Denn auch die Plug-in-Hybrid-Wagen der Luxusklasse, wie etwa der Porsche Panamera E-Hybrid, gehören zu den Elektroautos, die dann auf der Busspur vorbeiziehen dürften. Grundsätzlich muss man mit solchen Maßnahmen vorsichtig sein. Denn wenn der Markt erst einmal boomt, wie derzeit etwa in Norwegen, muss man diese Vorteile wieder zurückfahren.

heute.de: Eine Million strombetriebene Autos sollen im Jahr 2020 auf Deutschlands Straße fahren. Halten Sie dies für ein erreichbares Ziel oder ist es reines Wunschdenken?

Bratzel: Ich halte das Vorhaben für völlig unrealistisch. Das ist ein politisches Ziel, für das die Politik bisher aber viel zu wenig getan hat. Es müssen notwendige Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Elektroautos attraktiver zu machen. Diese zu entwickeln und zu implementieren, dauert. Bei einer sinnvollen Nutzung von Elektromobilität, sollte außerdem die Nachhaltigkeit im Fokus stehen – denn darum geht es schließlich. Nachhaltig kann Elektromobilität nur sein, wenn man der Strom an den Ladestationen langfristig aus regenerativen Energien kommt. Zudem muss in Deutschland eine erfolgversprechende Batteriezellforschung und -produktion etablieren werden. Sonst bestimmen künftig andere über die Zukunft der E-Autos in Deutschland.

Elektromobilität in Deutschland

Wo die Elektromobilität in Deutschland steht

Ein Elektroauto wird an einer Stromtankstelle aufgeladen

Bisher fehlt in Deutschland noch ein klares Konzept, wie auch die Nachfrage nach Elektroautos gestärkt werden kann. Batteriegetriebene Autos haben eine geringe Reichweite, sind vergleichsweise teuer und das Netz der Ladestationen muss verdichtet werden. "Der Durchbruch der Elektromobilität wird nur dann gelingen, wenn Industrie und Politik zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln", sagt Prof. Nejila Parspour, Leiterin des Institutes für Elektrische Energiewandlung an der Universität Stuttgart.

Für wen sich ein Elektroauto eignet

Elektroautos an Ladestation

Ein Elektroauto kann ein herkömmliches Auto mit Verbrennungsmotor bisher nicht vollständig und für alle Zwecke ersetzen. Insbesondere für Autobahnfahrten oder Urlaubsreisen, sind Elektroautos noch nicht geeignet, sagt Nejila Parspour. "Viele Menschen nutzen ihr Auto aber nur für kurze Strecken, wofür sich ein Elektroauto hervorragend eignet." Familien besäßen oft zwei Fahrzeuge, von denen eines nur für kurze Strecken benötigt wird und somit auch ein E-Auto sein könnte, während ein herkömmliches Auto für lange Strecken genutzt werden kann.

Was ein Elektroauto kostet

Elektroauto

Die Bundesregierung will den Kauf von Elektroautos mit 4.000 Euro Prämie unterstützen. Vorreiter in dieser Beziehung ist Norwegen. Dort steuert der Staat – abhängig vom Modell – tausende, manchmal sogar zehntausende Euro pro Autokauf bei. Hierzulande kostet ein Elektroauto zwischen 50 und 100 Prozent mehr, als ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor. Im Jahr 2014 lag der durchschnittliche Preis eines Elektroautos (Kompaktklasse) rund 8.000 Euro über dem eines Benziners.

(Quelle: von Jana Sepehr)

heute.de: Seit langem hofft die Autoindustrie auf Unterstützung von der Bundesregierung, damit der Verkauf von Elektroautos endlich ins Rollen kommt. Nun will sich Angela Merkel am heutigen Dienstag mit den Vorstandschefs der deutschen Autobauer – was kann man von dem Treffen erwarten?

Bratzel: Das Thema Elektromobilität muss breit und nachhaltig angefasst werden. Eine solch bedeutende Entscheidung, trifft nicht ein einzelner Minister, sondern die gesamte Bundesregierung. Dass nach dem Treffen etwas passieren wird, ist sicher. Wie genau das weitere Vorgehen aussehen wird, ist allerdings ungewiss.

Das Interview führte Jana Sepehr

02.02.2016
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