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Filmfestspiele Der Bär ist los: Die Berlinale-Eröffnungsgala live

VideoDieter Kosslick im Interview
Screenshot

Wie geht es im Moment den Kulturschaffenden in Iran? Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat das Land mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und einer Kulturdelegation besucht. Ein Interview ...

(28.10.2015)

Stars wie Julianne Moore und George Clooney bringen den Glamour, und im Wettbewerb läuft der längste Film der Festivalgeschichte. Die 66. Berlinale rollt den roten Teppich aus. Heute ist Eröffnung. 

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Es ist das größte Publikumsfestival der Welt: Die Berlinale feiert Eröffnung. 434 Filme werden bei den 66. Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt, weitere 700 sind beim European Filmmarket für professionelle Filmeinkäufer zu sehen. Die internationale Jury unter Vorsitz der dreifachen Oscar-Gewinnerin Meryl Streep entscheidet über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären. In der siebenköpfigen Jury sitzt auch Theater- und Filmschauspieler Lars Eidinger.

Ins Bären-Rennen gehen 18 Filme aus aller Welt - unter anderem aus Tunesien, dem Iran, Großbritannien, den USA, Frankreich, Portugal, Kanada und Polen. Erstmals nach vielen Jahren hat es nur ein originär deutscher Film in den offiziellen Wettbewerb geschafft: "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached.

"Ein sehr intensiver Film"

Julia Jentsch spielt in "24 Wochen" eine im 6. Monat schwangere Kabarettistin. Als sie und ihr Mann - Bjarne Mädel - erfahren, dass das ungeborene Kind das Down-Syndrom und einen Herzfehler hat, erwägt das Paar eine Abtreibung. "Ein sehr intensiver Film", wie Berlinale-Direktor Dieter Kosslick findet.

Auch zwei deutsche Koproduktionen haben Bären-Chancen: Im Rennen ist die Fallada-Verfilmung "Alone in Berlin"  - deutscher Titel: "Jeder stirbt für sich allein" - des Schweizers Vincent Perez. In der Geschichte um den Widerstand eines Berliner Ehepaars gegen die Nazis spielen die Stars Daniel Brühl, Emma Thompson und Brendan Gleeson.

Die Jury der Berlinale 2016 
  • Meryl Streep

    Meryl Streep (66) Präsidentin der Jury. Ihre Karriere begann die Schauspielerin noch während des Studiums, damals im Theater. Heute ist sie eine der -wenn nicht die - am häufigsten ausgezeichnete Schauspielerin ihrer Generation. Sie hat allein drei Oscars im Regal stehen und wurde bislang 19 mal für den Oscar nominiert, unter anderem auch für "Der Teufel trägt Prada" (2006), in dem sie die egomanischen Chefredakteurin Miranda Priestly spielte. Dafür erhielt sie einen ihrer acht Golden Globes - für diesen Preis der Hollywood Foreign Press Association wurde sie 29 mal nominiert.

  • Lars Eidinger

    Lars Eidinger (40): Der Film- und Theaterschauspieler ("Tatort", "Hamlet") hatte sich zunächst als Ensemble-Mitglied der Berliner Schaubühne einen Namen gemacht. Mit dem Film "Alle anderen" von Maren Ade gewann er 2009 den Silbernen Bären. Für die ARD-Produktion "Verhältnisse" wurde er 2010 als bester Hauptdarsteller für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

  • Clive Owen

    Clive Owen (51): Der Brite ("Inside Man", "The International", "King Arthur") begann seine Karriere als Theaterschauspieler in London, wo er in einigen Shakspeare-Stücken mitwirkte. Dort verliebte er sich als Romeo tatsächlich in seine Julia, Sarah-Jane Fenton, mit der er mittlerweile verheiratet ist. Owen bekam einen Golden Globe für die Rolle des brutal-subtilen Larry in der Verfilmung von "Hautnah".

  • Brigitte Lacombe

    Brigitte Lacombe: Die französiche Fotografin lebt in New York. Ihre Bilder sind unter anderem in Promi- und Modezeitschriften wie "Vanity Fair" oder "Vogue", aber auch in "The Financial Times" und "The New York Times Magazine" zu sehen. Lacombe fotografiert auch regelmäßig die Dreharbeiten von Regisseuren wie Martin Scorsese ("Wolf of Wall Street") oder Alejandro González Iñárritu ("The Revenant").

  • Alba Rohrwacher

    Alba Rohrwacher (36): Die Tochter eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter gab 2004 mit dem italienischen Film "L’amore ritrovato" von Carlo Mazzacurati ihr Leinwanddebüt. Rohrwacher wurde zweimal mit dem italienischen Filmpreis David di Donatello ausgezeichnet, als European Shooting Star wurde sie 2009 auf der Berlinale geehrt.

  • Malgorzata Szumowska

    Malgorzata Szumowska (42): Die polnische Filmemacherin ist Preisträgerin mehrerer internationaler Auszeichnungen. Sie gewann für ihre Regiearbeit in "33 Szenen aus dem Leben" den Silbernen Leoparden beim Filmfestival in Locarno in der Schweiz. Bei der Berlinale war sie bereits mit zahlreichen Filmen wie "Das bessere Leben" oder "Body", vertreten.

  • Nick James

    Nick James: Der Brite ist Filmkritiker, Autor und Kurator aus Großbritannien. Seit 1997 ist er Redakteur des Filmmagazins "Sight & Sound". Seine Artikel zu Film, Kunst und Literatur erschienen unter anderem in englischen Zeitungen wie "The Guardian" oder "The Observer". 2002 veröffentlichte er mit "Heat" sein Buch über den gleichnamigen Film von Michael Mann.

Acht-Stunden-Film von den Philippinen

"Soy Nero", der neue Film des aus dem Iran stammenden Filmemachers Rafi Pitts, entstand ebenfalls mit deutscher Beteiligung. Doris Dörrie zeigt ihren Film "Grüße aus Fukushima" in der Reihe Panorama Special. In der Generation-Reihe für Jugendliche wird die Weltpremiere von Hans Steinbichlers Film "Das Tagebuch der Anne Frank" mit Lea van Acken, Martina Gedeck und Ulrich Noethen gefeiert.

Der mit mehr als acht Stunden längste Wettbewerbsfilm der Festivalgeschichte kommt von den Philippinen: Regisseur Lav Diaz erzählt in "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" vom Kampf seines Landes gegen die spanische Kolonialmacht Ende des 19. Jahrhunderts.

Brisantes aus dem Iran

Auch der Iran, der im vergangenen Jahr mit "Taxi Teheran" von Jafar Panahi den Goldenen Bären holte, ist wieder im Wettbewerb. Anders als der regimekritische Panahi, der nicht nach Deutschland reisen durfte, wird Regisseur Mani Haghighi zur Vorstellung seines Films "A Dragon Arrives!" in Berlin erwartet.

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Ein brisanter Film aus dem Iran läuft auch in der Panorama-Reihe: "Lantouri" von Reza Dormishian erzählt basierend auf einer wahren Begebenheit vom Säure-Attentat auf ein junges Mädchen - und dem in den islamischen Gesetzen verankerten Recht des Opfers auf direkte Vergeltung am Täter.

Politisches Festival

Die elftägige Berlinale gilt als das politischste der drei großen Filmfestivals Berlin, Cannes und Venedig. Aber erstmals rufen die Berliner Filmfestspiele die Kinogänger jetzt direkt zur Hilfe für Flüchtlinge auf. Die Berlinale bittet nach den Worten von Kosslick zum ersten Mal in ihrer Geschichte um Spenden - für eine Initiative, die sich um traumatisierte Folteropfer kümmert.

Auch im Wettbewerb spiegelt sich das Leid der Flüchtlinge. "Viele Filmemacher suchen nach den Ursachen der Flüchtlingsströme", sagt Festivalchef Kosslick. Ganz nah dran an den Schicksalen der Geflüchteten ist Gianfranco Rosi mit "Fuocoammare". "Der italienische Regisseur lebte mehrere Jahre auf Lampedusa, um diesen Film zu drehen", sagt Kosslick. "In einer Mischung aus Dokumentation und inszenierten Szenen erzählt Rosi von dem dramatischen Flüchtlingselend und parallel dazu von einem kleinen Jungen, der auf Lampedusa lebt."

Doch auch Glanz, Glamour und Unterhaltung kommen nicht zu kurz. US-Filmemacher Spike Lee zeigt außer Konkurrenz "Chi-Raq" mit Wesley Snipes und Samuel L. Jackson. In der Bären-Konkurrenz ist "Genius" mit Colin Firth, Jude Law und Nicole Kidman. Und zur Festivaleröffnung mit "Hail, Caesar!" wurden auf dem roten Teppich die US-Regiebrüder Ethan und Joel Coen samt Hauptdarsteller George Clooney erwartet.

Wettbewerb um den Goldenen Bären

Berlinale 2016

Nadine Krüger

Die Berlinale ist für Kinogänger das größte Publikumsfestival der Welt. Jedes Jahr werden etwa 300.000 Eintrittskarten verkauft. Wichtigster Preis ist der Goldene Bär für den besten Film im Wettbewerb. Die Jurypräsidentin der 66. internationalen Filmfestspiele in Berlin ist Hollywood-Star Meryl Streep ("Jenseits von Afrika", "Der Teufel trägt Prada"). Im Wettbewerb konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Weitere Werke laufen außer Konkurrenz und in der Special-Reihe. 19 Filme erleben ihre Weltpremiere auf dem Festival.

Die Filme im Wettbewerb

Bären
  • "Alone in Berlin" (Jeder stirbt für sich allein) von Vincent Perez (Deutschland, Frankreich, Großbritannien)
  • "Boris sans Béatrice" (Boris without Béatrice) von Denis Côté (Kanada)
  • "Cartas da guerra" (Letters from War) von Ivo M. Ferreira (Portugal)
  • "Ejhdeha Vared Mishavad!" (A Dragon Arrives!) von Mani Haghighi (Iran)
  • "Fuocoammare" (Fire at Sea) von Gianfranco Rosi (Italien, Frankreich)
  • "Genius" von Michael Grandage (Großbritannien, USA)
  • "Hele Sa Hiwagang Hapis" (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) von Lav Diaz (Philippinen, Singapur)
  • "Kollektivet" (The Commune) von Thomas Vinterberg (Dänemark, Schweden, Niederlande)
  • "L’avenir" (Things to Come) von Mia Hansen-Løve (Frankreich, Deutschland)
  • "Midnight Special" von Jeff Nichols (USA)
  • "Quand on a 17 ans" (Being 17) von André Téchiné (Frankreich)
  • "Smrt u Sarajevu / Mort à Sarajevo" (Death in Sarajevo) von Danis Tanović (Frankreich, Bosnien und Herzegowina)
  • "Zjednoczone Stany Miłosci" (United States of Love) von Tomasz Wasilewski (Polen, Schweden)
  • "Zero Days" von Alex Gibney (USA)
  • "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached (Deutschland)
  • "Chang Jiang Tu" (Crosscurrent) von Yang Chao (China)
  • "Inhebbek Hedi" von Inhebbek Hedi (Tunesien, Belgien, Frankreich)
  • "Soy Nero" von Rafi Pitts (Deutschland, Frankreich, Mexiko)

Außer Konkurrenz

Berlinale
  • "Mahana" (The Patriarch) von Lee Tamahori, mit Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Jim Moriarty, Regan Taylor, Maria Walker (Neuseeland)
  • "Saint Amour" von Benoît Delépine und Gustave Kervern, mit Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Céline Sallette (Frankreich, Belgien)
  • "Chi-Raq" von Spike Lee, mit Nick Cannon, Wesley Snipes, Teyonah Parris, Jennifer Hudson, Angela Bassett, John Cusack, Samuel L. Jackson (USA)
  • "Des nouvelles de la planète Mars" (News from planet Mars) von Dominik Moll, mit François Damiens, Vincent Macaigne, Veerle Baetens, Jeanne Guittet, Tom Rivoire (Frankreich, Belgien)
  • "Hail, Caesar!" von Joel und Ethan Coen, mit George Clooney, Scarlett Johansson, Channing Tatum, Josh Brolin, Jonah Hill, Doph Lundgren, Robert Picardo (USA / Großbritannien)

Berlinale Special

65. Berlinale
  • "A Quiet Passion" von Terence Davies, mit Cynthia Nixon, Jennifer Ehle, Keith Carradine, Jodhi May, Catherine Bailey, Emma Bell, Duncan Duff (Großbritannien, Belgien)
  • "Creepy" von Kiyoshi Kurosawa, mit Hidetoshi Nishijima, Yuko Takeuchi, Teruyuki Kagawa, Haruna Kawaguchi, Masahiro Higashide (Japan)
  • "Den allvarsamma leken" (A Serious Game) von Pernilla August, mit Sverrir Gudnason, Karin Franz Körlof, Liv Mjönes, Michael Nyqvist, Mikkel Boe Følsgaard (Schweden, Dänemark, Norwegen)
  • "Miles Ahead" von Don Cheadle, mit Don Cheadle, Ewan McGregor, Emayatzy Corinealdi, LaKeith Lee Stanfield, Michael Stuhlbarg (USA)
  • "National Bird" (Dokumentarfilm) von Sonia Kennebeck (USA)
  • "The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble" (Dokumentarfilm) von Morgan Neville (USA)
  • "Where To Invade Next" (Dokumentarfilm) von Michael Moore (USA)
  • "The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger" (Dokumentarfilm) von Colin MacCabe, Christopher Roth, Bartek Dziadosz, Tilda Swinton (Großbritannien)

Eine kleine Berlinale-Chronologie

Berlinale

Die Berlinale feiert ihre 66. Ausgabe. Sie entwickelte sich vom "Schaufenster des Westens" im Nachkriegsdeutschland zu einem der wichtigsten Filmfestivals der Welt.

  • 1951: Start im Titania-Palast mit Alfred Hitchcocks "Rebecca".
  • 1970: Erstmals in der Berlinale-Geschichte wird der Wettbewerb abgebrochen. Auslöser ist der Film "o.k." des deutschen Regisseurs Michael Verhoeven. Es geht um die Vergewaltigung eines Mädchens durch US-Soldaten - das erhitzt zu Zeiten des Vietnamkriegs die Gemüter.
  • 1986: Jury-Präsidentin Gina Lollobrigida versucht vergeblich, die Auszeichnung des RAF-Films "Stammheim" von Reinhard Hauff mit dem Goldenen Bären zu verhindern.
  • 2000: Die Berlinale zieht aus dem alten Westen an den Potsdamer Platz.
  • 2001: Dieter Kosslick folgt als Festivalchef auf Moritz de Hadeln. Kosslicks Vertrag wird 2014 bis 2019 verlängert.
  • 2004: Fatih Akin gewinnt mit "Gegen die Wand" den Goldenen Bären.
  • 2015: Der iranische Film "Taxi" von Jafar Panahi  wird mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Karten und Promis

Berlinale: Anstehen für Tickets

Mehr als 400 Filme werden an elf Tagen in Dutzenden Kinosälen gezeigt. Karten gibt es drei Tage vor den Vorstellungen etwa am Potsdamer Platz oder im Kino International, im Internet oder an den Tageskassen der Kinos. Sie kosten von vier Euro für das Kinderprogramm bis 14 Euro für den Wettbewerb. Etwa 100.000 Besucher werden in der Stadt erwartet, dazu noch 20.000 Fachbesucher.

Promi-Gucken geht am besten rund um den Potsdamer Platz. Selfie- und Autogrammchancen gibt es am roten Teppich vor dem Festivalpalast. Offen für jedermann ist auch die Lounge vor dem Berlinale-Palast: Auf der Gästeliste steht Filmprominenz wie Doris Dörrie, Jasmin Tabatabai, Senta Berger und Tom Schilling.

Soziale Berlinale

Berlinale: Solidarität mit dem iranischen Regisseur Panahi

Das Festival versteht sich als besonders politisch und setzt sich zum Beispiel für verfolgte Filmemacher in Iran ein. In der Reihe Kulinarisches Kino geht es traditionell nicht nur um gutes Essen, sondern auch um den Kampf für faire Lebensmittel. Erstmals wirbt die Berlinale um Spenden - für das Beratungszentrum für Folteropfer. Gemeinnützige Berliner Organisationen waren vom Festival eingeladen, Ehrenamtliche zu nennen, die als Paten zusammen mit Flüchtlingen Berlinale-Vorstellungen besuchen möchten.

11.02.2016, Quelle: dpa
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