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Hauptstadtflughafen BER-Start 2017 wohl auf der Kippe

BildFlughafen BER
Archiv: Gras wächst zwischen Gehwegplatten vor dem Hauptterminal des neuen Hauptstadtflughafens BER

(Quelle: dpa)

VideoDie größten Bauskandale
Sperrschild auf der Baustelle des Flughafens Berlin Brandenburg

Der Berliner Flughafen ist nicht das einzige Bauwerk, das den Beteiligten Kopfzerbrechen bereitete. Bei vielen heilte die Zeit alle Wunden, und aus den geschmähten Baustellen wurden Publikumsmagneten.

(17.01.2015)

Die Geschichte des Hauptstadtflughafens BER ist schon vor seiner Eröffnung eine schier unendliche: Schon viermal wurde der Start verschoben. Zuletzt war geplant, dass es 2017 losgeht. Doch möglicherweise wird auch daraus nichts. Nun ist von 2018 die Rede. 

Laut einem internen Papier, das dem ZDF vorliegt, hält Flughafen-Technikchef Jörg Marks Teile des Brandschutzkonzeptes für nicht genehmigungsfähig. Ein Flughafensprecher wollte sich nicht zu einer möglichen erneuten Verschiebung des Eröffnungstermins äußern. Man werde jetzt gemeinsam mit der Baubehörde prüfen, ob die geforderten Nachweise baubegleitend erbracht werden können.

Am Freitag befasst sich der Aufsichtsrat des Flughafens auf Wunsch des Bundes bei einer Sondersitzung mit dem Baugeschehen. Es geht um Knatsch rund um das Regierungsterminal und eine Einschätzung des Bundesrechnungshofs, der bereits im Januar erhebliche Terminzweifel geäußert hatte. Ursprünglich war die Sitzung einberufen worden, um den Standort des künftigen Regierungsterminals zu klären.

"Ein etwas höheres Restbausoll"

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte: "Wir erwarten, dass die Geschäftsführung des Flughafens ihren Ankündigungen, was die Eröffnung betrifft, nachkommt." Sie hatte sich auf das Ziel eines Starts im zweiten Halbjahr 2017 festgelegt. Etwa vier Monate dieses sechsmonatigen Zeitpuffers sind jedoch verbraucht. "Der Bund hat höchstes Interesse daran, dass der BER zügig in Betrieb geht."

In Marks' Schreiben heißt es: "Im Ergebnis der Nachsimulation könnte jetzt ein etwas höheres Restbausoll entstehen." Grundsätzlich gehe das Amt aber von einer Genehmigungsfähigkeit der Unterlagen aus, betont der Technikchef. Wie viel Verzug jetzt entstehen könnte, ist noch offen. Dazu liefen nun Gespräche, sagte ein Flughafensprecher. In der vergangenen Woche hatte Marks noch einen Start Ende Oktober 2017 für machbar erklärt.

SPD zuversichtlich - Grüne und CDU wollen Klarheit

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Die Eröffnung des künftig drittgrößten deutschen Flughafens war in den vergangenen Jahren wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Technikproblemen viermal verschoben worden. Ursprünglich sollte der Willy-Brandt-Flughafen im Oktober 2011 an den Start gehen.

Die Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) sagte: "Ich denke, dass die Zeitplanung Ende 2017 nach wie vor machbar ist." Die verlangten Nachbesserungen seien "nicht so ungewöhnlich". Die CDU-Opposition im Brandenburger Landtag fordert eine Sondersitzung des Flughafen-Ausschusses. Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop forderte, dass der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Aufsichtsratschef am Freitag für Klarheit sorge.

Verkehrsministerium: Kündigung des Regierungsterminals "inakzeptabel"

Der Flughafen hatte Mitte Februar mit mehrmonatiger Verspätung einen umfangreichen Nachtrag zum Bauantrag beim Bauordnungsamt eingereicht. Die Papiere regeln zahlreiche Umbauten im Terminal. Auf diese Unterlagen beziehen sich die Nachforderungen der Behörde. Marks hofft, nicht alle Änderungen bis zur Eröffnung abarbeiten zu müssen. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Behörde den Nachtrag im April genehmigt. Dann wollte er einen konkreten Eröffnungstermin nennen.

Im Streit um den Regierungsflughafen erneuerte der Bund am Freitag seine Kritik an Mühlenfeld. Der Manager hatte den Mietvertrag für einen Interimsstandort des Regierungsterminals gekündigt, den der Aufsichtsrat im vergangenen Jahr verworfen hatte. Das Verkehrsministerium beharrt jedoch darauf, dass die Kündigung überraschend und ohne Information der Gremien kam. "Dieses Vorgehen ist inakzeptabel", sagte der Sprecher.

Krisenprojekt Hauptstadtflughafen

Auf der Großbaustelle in Berlin-Schönefeld hat es schon eine Reihe von Verschiebungen gegeben: Im Jahr 2012 waren bereits Einladungen zur Eröffnung verschickt worden, zuletzt wurde 2017 als Starttermin angepeilt.

Gesellschafter und Eigentümer des Projekts sind die Länder Berlin (37 Prozent), Brandenburg (37 Prozent) und der Bund (26 Prozent). Durch die bisherigen Verzögerungen wird der Bau mit mindestens 5,4 Milliarden Euro mehr als doppelt so teuer wie ursprünglich geplant.

Der Flughafen "Berlin Brandenburg Willy Brandt" soll die deutsche Nummer drei hinter Frankfurt und München werden. Seine vorgesehene Kapazität wird allerdings schon 2017 nicht ausreichen, um den Flugverkehr der Hauptstadt abzuwickeln. Er ist für bis zu 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt, ein Ausbau auf bis zu 45 Millionen ist genehmigt. Die Ausbauplanung läuft.

Der Neubau ersetzt den bestehenden Flughafen Tegel und den geschlossenen Flughafen Tempelhof, später auch Schönefeld. Bauherren sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Die Kosten stiegen seit Baubeginn 2006 von 2,0 Milliarden Euro auf zuletzt 5,4 Milliarden Euro, teilweise wegen Projekt-Erweiterungen. Momentan streben die Verantwortlichen eine Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 an. (Quelle: dpa)

09.03.2016, Quelle: ZDF, dpa
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