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merkzettel

Steuern und Abgaben 2013 Etwas mehr Netto: Drei Cappuccinos sind drin

Grafik2013 bleibt etwas mehr vom Brutto übrig

von Michael Braun

2013 wird für Arbeitnehmer ein kleines bisschen besser als 2012 - zumindest auf dem Gehaltszettel. Denn der Staat lässt ihnen etwas mehr Netto vom Brutto. Zwar hat eine richtige Steuerreform nicht geklappt. Aber die Rentenversicherung wird so viel billiger, dass trotz steigender Kosten anderswo noch was übrig bleibt. 

Michael Braun schreibt für heute.de über Wirtschaftsthemen

Es ist nicht viel. Ein Musterarbeitnehmer, 30 Jahre alt, kinderlos und mit einem Monatslohn von 3.000 Euro ausgestattet, hat von Januar an 11,87 Euro mehr in der Tasche. Dafür lassen sich gut drei kleine Cappuccinos bei einer Kaffeehauskette in prominenter Innenstadtlage zum Preis von 3,10 Euro verzehren.

Wer weniger verdient, bekommt nur einen Cappuccino raus. Wer mehr einnimmt, kann sich fünf zusätzlich leisten. Es sei denn, er gehört schon zur Gruppe der Großverdiener mit 6.000 Euro Brutto-Monatsgehalt. Da bleibt kaum mehr Netto vom Brutto übrig: Die Steuerersparnis steigt zwar, aber die zusätzlichen Sozialversicherungsbeiträge durch steigende Beitragsbemessungsgrenzen fressen den Großteil der Steuerersparnis wieder auf.

Kalte Progression bleibt

An den Steuern hat der Staat wenig getan. Die Regierungsparteien hatten zwar geplant, die sogenannte kalte Progression dämpfen, also nur inflationsbedingt höhere Löhne nicht mit höheren Steuern zu belegen. Diese und andere Steuererleichterungen hatten aber im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat keine Chance. "Die Politik hat sich mit ihrer Steuergesetzgebung wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert", schimpfte Reiner Holznagel, der Präsident des Bundes der Steuerzahler.

Was durchging, war ein höherer Grundfreibetrag - den hatte das Bundesverfassungsgericht der Politik aber auch auferlegt. Der Steuerfreibetrag steigt 2013 um 126 auf 8.130 Euro im Jahr. Zusammen mit anderen Neuerungen - etwas höhere Altersvorsorgepauschalen zum Beispiel oder auf 450 Euro monatlich erhöhte Verdienstgrenzen für geringfügig Beschäftigte – ergibt sich eine gewisse Steuerersparnis. Bei einem Bruttolohn von 1.000 Euro im Monat kommen beim Mustermann aber nur 35 Cent weniger Steuern heraus.

Sozialversicherungen: Hier weniger, dort mehr

Dass er insgesamt 3,35 Euro mehr auf dem Konto vorfindet, liegt vor allem am niedrigeren Beitrag zur Rentenversicherung. Der sinkt zum 1. Januar um 0,7 Prozentpunkte von 19,6 auf 18,9 Prozent. Weil die Beiträge je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer bezahlt werden, teilen sie sich freilich auch die Entlastung.

Dafür werden andere Versicherungszweige teurer. So steigt im Zuge der Pflegereform der Beitragssatz von 1,95 auf 2,05 Prozent - Kinderlose zahlen 2,3 Prozent. Für Gutverdiener können auch Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung teurer werden: Zwar steigen die Beitragssätze nicht, aber die Basis, auf der sie berechnet werden, geht in die Höhe: die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze.

Maximal 9,23 Euro mehr für die Krankenkasse

In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt künftig eine bundeseinheitliche Beitragsbemessungsgrenze von 3.937,50 Euro im Monat statt bisher 3.825 Euro. Wer 3.937,50 Euro oder mehr im Monat brutto verdient, zahlt in neuen Jahr 9,23 Euro im Monat mehr für die gesetzliche Krankenkasse als 2012.

In der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze in den alten Bundesländern um 200 Euro auf 5.800 Euro monatlich. Für Ostdeutschland wurden die Werte um 100 Euro auf 4.900 Euro pro Monat erhöht.

Wer also zum Beispiel in Dresden arbeitet und 4.900 Euro monatlich verdient, zahlt in die Rentenversicherung künftig 463,05 Euro monatlich ein (18,9 Prozent von 4.900 Euro, geteilt durch zwei, weil die andere Hälfte der Arbeitgeber zahlt). Wäre die Beitragsbemessungsgrenze bei 4.800 Euro geblieben, hätte der Versicherte – auch wenn er 4.900 Euro verdient – nur 453,60 Euro in die Rentenkasse gezahlt (18,9 Prozent von 4.800 Euro, geteilt durch zwei).

Was sich am 1. Januar 2013 ändert

Steuern und Sozialabgaben

Mit dem Jahressteuergesetz hat der Bund einen ganzen Schwung Änderungen auf den Weg gebracht. Unternehmen und Freiberufler müssen ab 2013 ihre Belege nur noch acht Jahre aufheben. Arbeitnehmer dürfen jetzt einen Freibetrag - zum Beispiel Kinderfreibetrag - für zwei Jahre beim Finanzamt anmelden. Bislang musste man sich jedes Jahr melden. Außerdem müssen auf den Sold von freiwillig Wehrdienstleistenden und das Taschengeld, das die Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes bekommen, keine Steuern gezahlt werden.

Die Anhebung des Grundfreibetrags entlastet Arbeitnehmer ein wenig: Bis 2014 steigt er in zwei Stufen um 350 Euro. Eigentlich wollten Union und FDP auch die kalte Progression abbauen. SPD und Grüne stoppten das Vorhaben aber. Der Rentenbeitrag sinkt von 19,6 auf 18,9 Prozent und sorgt für eine Kleinigkeit mehr im Portemonnaie.

Pflegereform tritt in Kraft

Erleichterung für Menchen mit Demenz und deren Angehörige: Ihnen stehen künftig bessere Pflegeleistungen zu. Sie sollen zum Beispiel auch dann Pflegegeld und höhere Sachleistungen erhalten, wenn sie keiner Pflegestufe zugeordnet sind. Finanziert wird dies mit einer Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung: Er steigt zum 1. Januar 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent. Damit wird die Entlastung durch die Herabsenkung des Rentenbeitrags wieder teilweise aufgefressen.

Außerdem kommt der "Pflege-Bahr": Der Abschluss einer privaten Pflege-Zusatzversicherung wird jetzt mit fünf Euro im Monat gefördert. Dazu muss der Einzelne mindestens zehn Euro pro Monat in einen Vertrag einzahlen. Der Bund stellt insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung. 

Praxisgebühr fällt weg

Am Ende waren alle Abgeordneten dafür - eine Premiere im Bundestag. Alle 548 anwesenden Abgeordneten stimmten im November für das Ende der Praxisgebühr. Auch der Bundesrat gab Mitte Dezember grünes Licht für das Vorhaben. Ab 1. Januar 2013 fällt damit die Zehn-Euro-Abgabe weg, die Versicherte seit neun Jahren jedes Quartal beim Arztbesuch zahlen mussten.

Auf Drängen der FDP hatte sich die Koalition auf das Ende der Gebühr geeinigt. Die Union hätte es eigentlich besser gefunden, die Gebühr beizubehalten. Damit hätte das Gesundheitssystem Rücklagen bilden sollen. In einem Paket einigte sich die Koalition schließlich, die Praxisgebühr zu steichen und ab August 2013 das Betreuungsgeld einzuführen.

Minijob-Verdienstgrenze steigt

Minijobs sollen attraktiver werden. Die Verdienstgrenze wird deshalb von 400 auf 450 Euro angehoben. Die öffentlichen Kassen kostet die Reform durch Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben jährlich etwa 300 Millionen Euro.

Die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten, wie die Minijobber in der Statistik heißen, hatte 2011 einen Rekord von 7,5 Millionen erreicht. Ende März 2012 waren es noch knapp 7,3 Millionen. Jeder fünfte Job ist ein Minijob.

An dem Modell gibt es viel Kritik, weil Minijob-Kritiker bemängeln, dass Minijobs dazu beitragen, den Niedriglohnsektor zu festigen. Denn der Großteil der Minijobber (4,76 Millionen) geht keiner anderen Beschäftigung nach.

Hartz-IV-Satz steigt

Hartz-IV-Empfänger bekommen ab Januar 2013 acht Euro mehr pro Monat. Der Regelsatz für Langzeitarbeitslose steigt damit auf monatlich 382 Euro.

Um acht Euro wird auch der sogenannte Partnersatz auf dann 345 Euro angehoben. Über 25 Jahre alte Personen, die bei ihren Eltern oder in Wohngemeinschaften leben, bekommen künftig 306 Euro (plus sieben Euro). Die Sätze für Kinder und Jugendliche steigen um zwei bis fünf Euro.

Die Regelsätze für das Arbeitslosengeld II werden jährlich angepasst, und zwar anhand der Preis- und Lohnentwicklung. Die Preisentwicklung geht dabei zu 70 Prozent, die Lohnentwicklung zu 30 Prozent in den Index ein. Zusätzlich wird die ursprünglich festgesetzte Summe pro Jahr um 0,55 Prozent erhöht.

Strom wird teurer

Strom wird teurer: Das haben Millionen Haushalte in den vergangenen Wochen von ihrem Versorger schwarz auf weiß mitgeteilt bekommen. Grund für die Erhöhungen sind verschiedene Komponenten, aus denen sich die Strompreise zusammensetzen. Zu Buche schlagen unter anderem mehrere Umlagen, die zum Jahreswechsel angehoben oder eingeführt werden. 

So steigt die Ökostrom-Umlage um knapp 50 Prozent auf rund 5,3 Cent je Kilowattstunde. Bei den Netzentgelten kommen auf den Verbraucher Steigerungen von durchschnittlich zehn Prozent zu, die Netzentgelt-Umlage steigt von 0,151 auf 0,329 Cent pro Kilowattstunde. Auch die Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung wird erhöht. Neu eingeführt wird eine Offshore-Umlage. 

Insgesamt liegt der Preisanstieg bei vielen Stromanbietern im zweistelligen Prozentbereich. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden kommen schnell zusätzliche Belastungen in einer Größenordnung von 125 Euro zusammen.

Fernbuslinien starten

Die Bahn bekommt auch im Fernverkehr Konkurrenz. Ab 2013 sollen Reiseziele grundsätzlich auch mit dem Fernbus erreichbar sein. Dies war zum Schutz der Bahn bisher nur eingeschränkt möglich.Künftig soll eine Beförderung von Personen im Fernbuslinienverkehr nur noch dann unzulässig sein, wenn der Abstand zwischen zwei Haltestellen weniger als 50 Kilometer beträgt oder zwischen diesen Haltestellen von der Bahn ein Nahverkehr mit einer Reisezeit bis zu einer Stunde angeboten wird. Die Deutsche Bahn betreibt über ein Tochterunternehmen selbst Fernbuslinien.

Haushaltsabgabe wird eingeführt

Die Rundfunkgebühr wird nach fast 60 Jahren auf eine neue Grundlage gestellt. Künftig wird eine Abgabe pro Haushalt erhoben - egal ob der Haushalt über einen Fernseher, ein Radio oder einen internetfähigen Computer verfügt.

Für die meisten Bürger wird sich wenig ändern: Sie zahlen heute schon den Höchstbetrag von 17,98 Euro pro Monat. Allerdings dürften rund 1,5 Millionen Menschen auch ordentlich sparen: So müssen Wohngemeinschaften demnächst nur noch einmal zahlen, egal wie viele WG-Genossen gemeinsam unter einem Dach leben. Wie bisher gibt es Ermäßigungen und Befreiungen vom Rundfunkbeitrag – etwa für Schwerbehinderte und Hartz-IV-Empfänger.

Porto steigt

Der ganz normale Brief wird teurer: Das Porto steigt vom nächsten Jahr an von 55 auf 58 Cent. Die Post hatte den Antrag Mitte September unter anderem mit Kostensteigerungen und den sinkenden Briefmengen begründet.

Neben dem Standardbrief verteuert sich der Maxibrief von 2,20 auf 2,40 Euro und es gibt Preiserhöhungen bei internationalen Briefsendungen. Insgesamt liegt die Erhöhung der Preise nach Berechnung der Post bei durchschnittlich 2,8 Prozent. 55-Cent-Marken können für Briefe auch im nächsten Jahr weiter verwendet werden. Die Post legt rechtzeitig vor der Jahreswende 3-Cent-Ergänzungsmarken auf. Außerdem können 3-Cent- oder 58-Cent-Marken schon jetzt am Automaten gezogen werden.

Elektronische Lohnsteuerkarte kommt

Finanzamt

Nach einer zweijährigen Hängepartie soll die neue elektronische Steuerkarte 2013 an den Start gehen: Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale (ELStAM) heißen die Angaben dann. Es sind genau die, die bislang auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte eingetragen waren. 

Die Vorteile des papierlosen Verfahrens: Prozesse sollen so beschleunigt werden, Arbeitnehmer müssen die Karte nicht mehr bei ihrem Arbeitgeber abholen, wenn sie Änderngen vornehmen lassen wollen.

Für Millionen Arbeitnehmer bedeutet das aber auch: Die bisherigen Freibeträge verlieren ihre Gültigkeit. Wer auch 2013 monatlich mehr Netto auf dem Konto haben will, muss sie bei seinem Finanzamt von sich aus neu beantragen, und zwar möglichst bis zum Jahresende.

Neue Elterngeldberechnung

Vater mit Baby

Wer bekommt wie viel Elterngeld? Die Berechnung soll ab Januar vereinfacht werden, dürfte aber vielen Müttern und Vätern Nachteile bringen. Künftig wird nicht das Nettoeinkommen, sondern der Bruttolohn für Berechnung zugrunde gelegt. Die tatsächlichen Abzüge auf der Lohnabrechnung zählen nicht mehr.

Stattdessen zieht der Staat vom Brutto neue Pauschalsätze ab, insgesamt 21 Prozent für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Dieser Wert liegt aber um rund einen halben Prozentpunkt über den aktuellen Beitragssätzen. Die Folge: Das so berechnete Nettoeinkommen ist geringer - und damit auch das Elterngeld.

Höherer Freibetrag beim Unterhalt

Wer nach einer Trennung Unterhalt zahlen muss, darf ab kommendem Jahr mehr von seinem Geld behalten. So bleiben einem erwerbstätigen Unterhaltszahler mit Schulkindern bis 21 Jahren künftig mindestens 1.000 statt 950 Euro im Monat für seinen eigenen Bedarf. Wenn die Unterhaltspflicht für die eigenen Eltern besteht, etwa, weil diese pflegebedürftig sind und die Rente dafür nicht reicht, steigt der Selbstbehalt von 1.500 auf 1.600 Euro.

Die Unterhaltssätze der "Düsseldorfer Tabelle" für die Kinder getrennt lebender Eltern bleiben zwar unverändert. Trotzdem könnten durch den gestiegenen Selbstbehalt viele Kinder in die Sozialhilfe rutschen. Die Sätze für den Eigenbedarf wurden erhöht, weil auch der Hartz-IV-Satz steigt.

Schornsteinfeger-Monopol fällt

Zu Beginn des Jahres 2013 fällt auf Druck der EU das deutsche Kehrmonopol der Schornsteinfeger: Millionen Hausbesitzer haben dann erstmals seit 1935 ein Wörtchen dabei mitzureden, wer ihnen aufs Dach steigt - und zu welchem Preis. Die Arbeit wird aufgeteilt. Die Kontrolle der Feuerstätten, die Abnahme eines Kamins und ähnliche Aufgaben rund um die Brandsicherheit bleiben weiter beim amtlichen Schornsteinfeger. Seine Gebühren sind fix und sollen 2013 steigen.

Arbeiten wie das häufig jährliche Kaminkehren, Prüfen und Messen sind künftig aber vom Staat freigegeben – genauso wie die Preise. Die neue Wahlfreiheit bringt allerdings auch neue Pflichten für die Hausbesitzer. Sie können künftig nicht mehr warten, bis der Schornsteinfeger automatisch kommt, sondern müssen selbst aktiv werden und am Ende Nachweise bringen.

Zigaretten werden teurer

Für Raucher wird es im nächsten Jahr wieder teurer: Zigarettenpackungen kosten bis zu zehn Cent mehr. Die Hersteller geben zum einen die ab 2013 höhere Tabaksteuer an die Verbraucher weiter - das macht zwischen vier und acht Cent pro Packung aus. Hinzu kommt ein Ausgleich für die "höheren Einstandspreise" - die Preise für Rohtabak sind gestiegen.

2010 hatte die Regierung eine Erhöhung der Tabaksteuer in fünf Schritten beschlossen. Die erste Erhöhung trat am 1. Mai 2011 in Kraft, die zweite am 1. Januar 2012. Im Januar 2013 folgt der dritte Schritt, bis zum Jahr 2015 werden jeweils zum Jahreswechsel zwei weitere Steuererhöhungen fällig. Der Staatsanteil pro Packung liegt laut "Welt" derzeit bei 73 Prozent des Verkaufspreises, das sind 3,65 Euro.

27.12.2012
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