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Ex-Ministerpräsident von BaWü Lothar Späth ist tot

VideoNachruf auf Lothar Späth
Lothar Späth

Lothar Späth ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs.

(18.03.2016)

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth ist tot. Der CDU-Politiker starb im Alter von 78 Jahren. Zu seinen politisch besten Zeiten galt er als "Cleverle" - ausgestattet mit absoluter CDU-Mehrheit. Neugier, Wissensdurst und Lust am Disput zeichneten ihn aus. 

Späth war von 1978 bis 1991 fünfter Ministerpräsident des 1952 gegründeten Bundeslandes. Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1991 war er in der Öffentlichkeit und der Wirtschaft stets aktiv. In Thüringen hatte Späth sich mit dem Umbau und der Sanierung von Jenoptik befasst. Seit einigen Jahren äußerte er sich nicht mehr öffentlich. "Er hat sich ins Privatleben zurückgezogen", sagte eine CDU-Sprecherin unlängst im baden-württembergischen Wahlkampf. Späth wurde zuletzt in einem Pflegeheim betreut.

"Cleverle" mit absoluter CDU-Mehrheit 

In den Lebzeiten von Lothar Späth ist die Welt für die CDU in Baden-Württemberg noch in Ordnung gewesen. Die Partei stellte den Ministerpräsidenten, und an einen Grünen in der Stuttgarter Staatskanzlei war nicht zu denken. Dreimal hintereinander verteidigte das "Cleverle" in den 80er Jahren die absolute Mehrheit der CDU im Südwesten. Doch diese Vormacht ist dahin.

Über den grünen Regierungschef Winfried Kretschmann sagte er einst, dieser mache einen guten Job - "und versteht es, auf die Menschen zuzugehen". Nach seinem Abgang aus der Politik machte Späth noch Karriere in der Wirtschaft sowie im Fernsehen und betätigte sich mit seinen Kontakten hinter den Kulissen als Strippenzieher.

Rückzug ins Private

In den letzten Jahren war es um den CDU-Politiker ziemlich ruhig geworden. Er tauchte praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Im Frühjahr 2014 machte er noch einmal kurz Schlagzeilen als es um die Trennung von seiner Ehefrau Ursula ging. Eine Scheidung sei aber kein Thema, versicherte er.

Mit dem Rückzug ins Private mied Späth auch das Fernsehen. Er war einst ein Liebling der Talkshows, der zeitweise sogar eine eigene Sendung hatte. Jahrelang gab er als Experte Auskunft über die Wiedervereinigung. Denn als Späth 1991 seinen Hut in Stuttgart als Regierungschef nehmen musste, ging der Schwabe als Manager in die Wirtschaft nach Thüringen.

Über "Traumschiff-Affäre" gestolpert

Späth hatte 1978 Hans Filbinger als Ministerpräsident beerbt. Der Schwabe war damals der jüngste Regierungschef. Sein Vorgänger Filbinger war über seine Vergangenheit als NS-Marinerichter gestolpert. Gut zwölf Jahre später stürzte Späth, der sich als Vorstandschef der Baden-Württemberg AG verstand, seine Union erneut in eine tiefe Krise.

Hintergrund waren die Umstände seines Abgangs am 13. Januar 1991. Zuvor waren immer mehr Einzelheiten über Auslandsreisen bekanntgeworden. Es ging es um zahlreiche offizielle, halboffizielle und private Reisen auf Kosten der Wirtschaft. Das Wort "Traumschiff-Affäre" machte damals die Runde. "Käuflich oder nicht käuflich?", lautete die Frage.
Reaktionen auf Späths Tod 
  • Thomas Strobl (CDU-Landeschef)

    "Lothar Späth hat das Land Baden-Württemberg in einem modernen und zukunftsweisenden Sinne erfolgreich und positiv geprägt. Er war mir lange persönlich ein liebevoller und kluger Ratgeber."

  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) 

    "Er war ein Visionär im besten Sinne, weltoffen, mit Weitblick, mutig und bürgernah."

  • Günther Oettinger (CDU)

    "Ich bin sehr traurig über den Tod von Lothar Späth. Sein Tod ist ein Verlust für Deutschland, für Baden-Württemberg und auch für mich persönlich. Späth war einer meiner wichtigsten Ratgeber. Deutschland verliert eine herausragende Persönlichkeit und Baden-Württemberg einen wichtigen Vordenker, der viele innovative Projekte entwickelt hat, die für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes heute noch entscheidend sind."

  • Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke)

    "Späth war ein kraftvoll zupackender Aufbauhelfer, ein Pionier der Wendezeit, der vielen Thüringern eine Lebensperspektive gegeben hat."

  • Bundespräsident Joachim Gauck

    "Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat er konsequent die Interessen seiner Landsleute."

  • Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)

    "Er gestaltete mit seinen Ideen und Maßnahmen den beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes Baden-Württemberg entscheidend mit."

  • Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)

    "Mit Lothar Späth verliert Deutschland einen herausragenden Politiker von außergewöhnlichem Format und großem Wirtschaftsverstand. Mit seiner Person verbinden sich Jahre des wirtschaftlichen Wachstums und der zukunftsfähigen Gestaltung unseres Nachbarlandes."

  • Jenas OB Albrecht Schröter (SPD)

    "Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

  • Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU)

    "In den Aufbaujahren nach der Wiedervereinigung war er auch für die ostdeutschen Bundesländer ein wichtiger Ratgeber."

Neugier, Wissensdurst und Lust am Disput

Späth zog die Konsequenzen aus den Verdächtigungen und trat damals als dienstältester Ministerpräsident Deutschlands (1978-1991) zurück. Bei seinen Auftritten im fälligen Untersuchungsausschuss im Landtag wies er einen Zusammenhang von rund 500 Reisen auf Firmenkosten und politischen Gefälligkeiten als "unrealistisch" zurück. Und: "Abhängig habe ich mich nicht gefühlt." Eine greifbare Einflussnahme wurde in der Tat nicht nachgewiesen. Sein Nachfolger wurde Erwin Teufel.

Die Triebfedern von Späth waren Neugier, unbändiger Wissensdurst und die Lust am Disput. Der in Sigmaringen geborene Politiker, der in einem streng pietistischen Elternhaus aufgewachsen ist, hatte aus Ärger über seinen Vater als Zehntklässler das Gymnasium verlassen und stattdessen eine Ausbildung in der Verwaltung gemacht. Diesen Schritt hatte er später immer wieder bereut. Denn das Jurastudium, zu dem es ihn hinzog, blieb ihm verwehrt.

"Man kann, was man will"

Späth war während seiner Amtszeit als Regierungschef auch immer wieder auf der bundespolitischen Bühne vertreten. Er wurde in der Union damals auch als mögliche Alternative zu Kanzler Helmut Kohl (CDU) gehandelt. Beim Bremer Bundesparteitag der CDU 1989 wurde Späth abgestraft und schaffte nicht den Wiedereinzug in das CDU-Präsidium. Er galt als Anführer der parteiinternen Opposition gegen Kohl. Angetreten gegen Kohl ist Späth aber damals nicht. "Er hätte sich auf den Weg des Kanzleranwärters begeben können, besaß aber diesen Rebellenmut nicht", so Marlis Prinzing in der Späth-Biografie "Wandlungen eines Rastlosen".

Dass Späth aus jedem Tiefschlag scheinbar gestärkt hervorgeht und einen Neuanfang schafft, hat mit seinem Lebensmotto zu tun: "Man kann, was man will". Nach seinem Rückzug aus der Politik zog es ihn nach Thüringen. Dort befasste er sich mit dem Umbau und der Sanierung von Jenoptik. Doch anstatt in den Ruhestand zu gehen, stellte er sich mit 67 Jahren einer neuen Herausforderung: Im Mai 2005 berief ihn das Geldhaus Merrill Lynch zum Vorsitzenden der Geschäftsführung für Deutschland. Das war sein letzter Job in der Wirtschaft. Nach und nach gab Späth dann auch seine Ehrenämter ab.

18.03.2016, Quelle: dpa
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