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Ex-Weltbanker produziert Handtaschen Nähe Gutes

VideoHandtasche für den guten Zweck
Uli Zeisluft und zwei Arbeiter in der Werkstatt.

Uli Zeisluft war früher Manager bei der Weltbank, doch nach einer Entführung änderte er sein Leben. Heute verkauft er Handtaschen an die Reichen in Nairobi und finanziert damit Projekte für die Armen.

(22.03.2016)

WebdokuMission 2015

Die Armuts-Bilanz - Webdoku

(12.02.2016 Quelle: ZDF)

VideoVersagt die Entwicklungshilfe?
Solaranlage in Eritrea.

Immer mehr Menschen aus den armen Teilen der Erde wollen nach Europa. Sie fliehen vor Krieg, Armut oder auch Arbeitslosigkeit. Haben Jahrzehnte der Entwicklungshilfe überhaupt etwas gebracht?

(10.12.2015)

VideoAfrikas Entwicklungschancen
Screenshot

Afrikas Wirtschaft ist immer noch zu stark vom Rohstoffexport abhängig, sagt Entwicklungsökonom Robert Kappel im Interview mit 3sat-makro. Politische Instabilität und Willkür verhindern eine nachhaltige Entwicklung.

(25.09.2015)

Von Luise Binder, Nairobi

Als Weltbanker jettete Uli Zeisluft um den Planeten, führte ein Leben in Hotelzimmern. Dann überlebte er einen Überfall - und änderte sein Leben radikal. Heute produziert er in Nairobi Handtaschen für die Reichen und hilft damit den Armen. 

Noch vor wenigen Jahren jettete Uli Zeisluft um die Welt. Zwischen 200 und 300 Tage im Jahr schlief der Finanzmanager in Hotels. Als er 2009 einen Chefposten bei der Weltbank in Nairobi annahm, ahnte er noch nicht, dass die kenianische Hauptstadt sein Leben von Grund auf ändern würde.

Zunächst verlief alles wie gewohnt. Zeisluft sollte die finanzielle Infrastruktur in Subsahara-Afrika aufbauen. Der Manager verdiente gutes Geld und lebte sein Leben in der Fünf-Sterne-Welt der Luxushotels in der Hauptstadt Nairobi. "Ich komme immer wieder gerne hierhin, aber vor allem deswegen, weil ich mich daran erinnern möchte, warum ich diesen Wechsel vollzogen habe", sagt er, wenn er heute geschäftlich in den Hotels zu tun hat. Auch seine Lebensgefährtin, die technische Analystin Chebet Mutai, lernte er bei der Weltbank kennen. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne für die Zukunft, überlegten, ob sie sich etwas Eigenes aufbauen sollten.

"Der Anfang einer langen Reise"

Dann wendete sich das Blatt des erfolgreichen Deutschen: Gangster überfielen und entführten das Paar. Etwa fünf Stunden bangten die beiden um ihr Leben. "Das mag als nicht viel erscheinen", sagt Zeisluft. Für ihn aber änderte sich alles. "Das Ende der Entführung war nicht das Ende, sondern der Anfang einer langen Reise mit sehr vielen Tiefen“, sagt Zeisluft.

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Nachdem der Albtraum überstanden war, machte er sich Gedanken, was er mit seinem Leben anfangen will. Er kündigte seinen Job bei der Weltbank. Chebet tat es ihm gleich und stieg in eine neue Branche ein: Mode. Zu Beginn lag das Augenmerk der modebewussten Kenianerin auf Kleidung. Doch seit 2014 produziert das Paar unter dem Label Wazawazi vor allem Handtaschen. Der Name ist eine Kombination der beiden Swahili-Worte waza (denken) und wazi (offen) - Weltoffenheit.

Teile aus dem Slum

Chebet ist für das Design der Taschen zuständig, Uli für die Qualitätskontrolle. "Der wahrscheinlich deutscheste Zug von Uli ist sein Hang zur Perfektion", sagt Chebet. "Ein Millimeter ist für Uli eben nicht eineinviertel Millimeter oder ein Millimeter und etwas weniger als ein Viertel, es muss genau ein Millimeter sein." Zeisluft will Luxusartikel verkaufen und die erfordern erstklassige Qualität. Und die erwartet er auch von seinen Handwerkern.

Die Materialien für die Luxustaschen hat er nicht im Großhandel gefunden. Zeisluft fand sie im Kibera-Slum, Afrikas größtem Elendsviertel. Er will den Menschen hier eine Chance geben, so viele wie möglich beschäftigen. "Mit welcher Gelassenheit, mit welcher Sorgfalt und mit welcher Liebe diese Teile hergestellt werden, das finde ich schon toll“, sagt der deutsche Auswanderer über die Arbeit der Menschen in Kibera.

Schöne Dinge brauchen glückliche Mitarbeiter

"Eine Firma die Schönes herstellt, muss glückliche Mitarbeiter haben", sagt Zeisluft. Deshalb bezahlt er den Arbeitern einen überdurchschnittlich hohen Lohn, Krankenversicherung und Schulgeld für die Kinder. Außerdem erhalten sie regelmäßig Feedback zu ihrer Arbeit. Im Gegenzug erwartet Zeisluft hohe Qualität und pünktliche Lieferungen.

"Uli und Chebet sind tolle Kunden für mich", sagt etwa Francis Wasonga. Er fertigt Schnallen für die Taschen von Wazawazi. "Seitdem wir zusammen arbeiten, haben sich meine Lebensbedingungen deutlich verbessert, ich verdiene sehr gut mit ihnen." Fairer Handel und erstklassige Qualität - das sind die neuen Leitfäden des ehemaligen Finanzberaters. "Klasse statt Masse" ist jetzt sein Motto.

Mit dem Rad zum Handwerker

In seinem früheren Leben arbeitete er vor allem an Weltbank-Konzepten. "Wir haben natürlich ganz wichtige Meilensteine gesetzt, und da werden Dinge vorbereitet", sagt Zeisluft. "Aber es dauert sehr lange, bis das wirklich umgesetzt wird und bis der Bürger auf der Straße davon etwas hat." Mit Wazawazi ist das für ihn und seine Partnerin Chebet jetzt anders. Sie können selbst ausrechnen, welchen Nutzen sie für Kenias Wirtschaft haben und wie viele Arbeitsplätze sie schaffen.

Eine Verbindung zu seinem alten Leben bleibt dennoch bestehen: Denn die Taschen sind Luxusartikel für Reise und Geschäftsalltag, jedes Produkt im Wert zwischen etwa 100 und 200 Euro. Es passt perfekt in die Kreise, in denen sich Uli Zeisluft damals als Finanzberater herumtrieb. So ist er hier und da noch immer in der Fünf-Sterne-Welt zugegen. Doch danach schnappt er sich wieder sein Fahrrad, denn er ist sich sicher: "Das ist nicht mehr das Leben, das ich führen möchte." Dann radelt er durch Nairobi in den Slum und besucht seine Handwerker.

26.03.2016, Quelle: ZDF
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