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ExoMars Europa und Russland starten Marsmission

VideoVideo: ExoMars 2016
Grafikvideo: ExoMars 2016

Der Flug ist riskant, etliche Sonden schafften es in der Vergangenheit nicht bis an ihr Ziel: dem roten Planenten. Europa und Russland starten mit ExoMars 2016 heute erfolgreich eine neue Mission.

(14.03.2015)

VideoGibt es Leben auf dem Mars?
Mars und Sonde

Seit Jahrhunderten beschäftigt die Menschheit die Frage, ob es auf dem roten Planeten Leben gibt. Am Montag startet nun eine unbemannte Rakete zum Mars, die wertvolle Erkenntnisse bringen könnte.

(14.03.2016)

VideoLeben auf dem Mars - geht das?
Grafik Weltraum

Der Film "Der Marsianer" hat überall auf der Welt für großes Aufsehen gesorgt. Aber ist er auch realistisch? Wie wäre es, wenn man auf dem Mars leben müsste?

(03.02.2016)

VideoKolonien im All
Grafik: Siedlung auf Mars

Die Besiedelung des Weltalls ist längst kein bloßer Gedanke der Science-Fiction mehr, sondern nahe Realität. Wie weit sind wir mit dem Vorhaben, eine menschliche Kolonie auf dem Mars zu gründen?

(03.08.2015)

Zwei..., eins..., Zündung! ExoMars ist zum Mars gestartet. Wie kaum ein anderer Himmelskörper regt der rote Nachbar der Erde die Fantasie der Menschen an. Erstmals wollen die Raumfahrtbehörden ESA und Roskosmos gemeinsam nach Spuren von Leben auf dem Mars suchen - in politisch schwieriger Zeit. 

Pünktlich um 10.31 Uhr MEZ hob die russische Proton-Rakete ab. Selten hatte ein Raketenstart vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur solch eine Strahlkraft. Voller Spannung erwarteten Europas Raumfahrtagentur ESA und ihr russischer Partner Roskosmos heute den Countdown für ihre erste gemeinsame Mission zum Mars. Das Milliarden teure Projekt ExoMars soll in zwei Etappen Spuren von aktuellem oder vergangenem Leben auf dem Roten Planeten suchen.

Baikonur ...

... ist eine Stadt in Kasachstan. 20 Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das Kosmodrom - der größte russische Weltraumbahnhof. Seit 1957 starten von dort aus sowjetische beziehungsweise russische Weltraum-Missionen.

"Wenn es jemals eine Mission gegeben hat, die eine echte Chance hatte, Hinweise auf Leben auf dem Mars zu finden, dann ist das ExoMars", sagt Jorge Vago von der ESA. Der 53-jährige Wissenschaftler aus Argentinien treibt das als ambitioniert geltende Projekt, an dem sich Roskosmos maßgeblich beteiligt, seit den ersten Überlegungen der ESA 2002 mit voran.

Beispielhaftes Ost-West-Projekt

Das gemeinsame Vorhaben kommt in einer politisch brisanten Zeit. Die Ukraine-Krise und Russlands Intervention im Syrien-Konflikt stellen die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen auf die größte Belastungsprobe seit dem Ende des Kalten Krieges.

"Gerade in Zeiten irdischer Krisen ist die Raumfahrt als Brückenbauer aktiv", hatte ESA-Direktor Jan Wörner kürzlich gesagt. Roskosmos-Vize Sergej Saweljew lobt ExoMars als einzigartiges Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Ost und West in der Weltraumforschung. Russland war erst 2013 in das Projekt eingestiegen, nachdem die US-Behörde NASA 2011 wegen Finanzproblemen einen Rückzieher gemacht hatte. Dennoch steuert die NASA einzelne Instrumente bei. Zwar steht inzwischen auch Roskosmos wegen der schweren Wirtschaftskrise in Russland finanziell unter Druck, doch bleibt die Marsforschung zunächst vom Rotstift verschont.

Nachweis von Methan erwartet

Vollgepackt mit Hightech soll die erste von zwei Proton-M-Raketen nun zum Nachbarplaneten fliegen. Nach dem siebenmonatigen Flug soll die Sonde TGO (Trace Gas Orbiter) bis mindestens 2022 als Wissenschaftssatellit um den Mars kreisen und unter anderem die Atmosphäre auf Spuren von Methan untersuchen, das der ESA-Satellit Mars Express 2004 entdeckt hatte. "Ich erwarte, dass wir Methan nachweisen und besser verstehen, wie es entsteht", erklärt Vago.

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Das Testmodul "Schiaparelli", benannt nach dem italienischen Astronom Giovanni Schiaparelli (1835-1910), soll nach der Abkopplung vom TGO - planmäßig am 19. Oktober 2016 - am Fallschirm zur Marsoberfläche hinabsegeln. "Es ist das erste Mal, dass wir auf dem Mars landen", sagt Vago. "Schiaparelli" solle wertvolle Erfahrungswerte sammeln für die zweite Etappe von ExoMars: ein technikbeladenes Landemodul mit einem Rover. Dessen Start vom Kosmodrom Baikonur ist für 2018 geplant.

Leben auf dem Mars?

Frühere Marsmissionen fanden bereits Hinweise auf Wasser. Mehr als 40 Raumschiffe sind in rund 50 Jahren Forschung zum Roten Planeten geflogen. Zwar scheiterten viele Projekte, aber die USA konnten mehrere Rover landen. Wozu braucht es eine neue Marsmission?

Der Rover sei das Herzstück des Großprojekts, erklärt Vago. "Wir müssen nicht nur auf der Oberfläche nach Leben suchen, sondern dafür sehr tief gehen" - sozusagen in die dritte Dimension. Der Rover kann bis zu zwei Meter tief bohren. Der US-Rover "Curiosity", der seit 2012 im Einsatz ist, kommt gerade mal wenige Zentimeter tief. "Vielleicht haben wir total Glück und finden so tolle organische Proben, dass wir beweisen können, dass es Leben gab", meint Vago. "Aber das halte ich für nicht sehr wahrscheinlich."

Hoffen und Bangen bis zur Landung

Damit Rover und Sonde wie erhofft ihre Arbeit aufnehmen können, musste zunächst in Baikonur alles glattgehen. Proton-Raketen, die das teure Gerät ins All tragen, gelten als anfällig. Viel steht auf dem Spiel: Mehr als 1,3 Milliarden Euro hat allein die ESA in ExoMars investiert. Experten vermuten eine weitere Milliarde von Roskosmos.

In einer Halle in den Weiten der kasachischen Steppe setzten Spezialisten mit weißen Kitteln und Schutzhelmen mit Hilfe haushoher Kräne das Raumschiff zusammen. Drei massige russische Antonow-124-Transporter hatten die Einzelteile aus Turin, wo der Hauptpartner Thales Alenia Space Italy sitzt, nach Baikonur geflogen - sicher verpackt in Container.

Einer der gefährlichsten Teile der Mission ist nun geschafft: der Start der Proton-Rakete. Doch auch die Landung auf dem Mars gilt als heikel. "Auch wenn wir alles gut vorbereitet haben, wir werden auf unseren Stuhlkanten sitzen, bis wir wissen, dass "Schiaparelli" auf dem Mars gelandet ist", sagt Vago.

Fragen und Antworten zur Marsmission

Fakten zum Mars

Planet Mars

Der Mars verdankt seinen Namen seiner durch große Mengen Eisenoxid (Rost) hervorgerufenen Farbe. Wegen seines roten Schimmers benannten die Römer den Nachbarplaneten der Erde einst nach ihrem Kriegsgott. Die wichtigsten Zahlen zum Mars:

  • Durchmesser: 6.794 Kilometer (etwa die Hälfte des Erddurchmessers)
  • Schwerkraft: etwa 3,7 m/s² (etwa ein Drittel der Erdanziehung)
  • Dauer eines Tages auf dem Mars: 24 Stunden, 37 Minuten
  • Dauer eines Marsjahres: 669 Marstage oder 687 Erdentage
  • Durchschnittstemperatur: minus 55 Grad Celsius (zwischen minus 133 Grad und plus 27 Grad Celsius)
  • Marsatmosphäre: unter anderem rund 95 Prozent Kohlendioxid (Erde: 0,04), etwa 0,13 Prozent Sauerstoff (Erde: rund 21)
  • Distanz Erde-Mars: zwischen rund 56 Millionen und mehr als 400 Millionen Kilometern (aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeiten auf ihren Bahnen um die Sonne)
  • Mittlere Distanz zur Sonne: 228 Millionen Kilometer (etwa das 1,5-Fache des Abstandes zwischen Erde und Sonne)

Wie ist der Zeitplan für die Marsmission?

Mit hochmoderner Technik wollen die Europäische Raumfahrtagentur ESA und ihr russischer Partner Roskosmos den Mars erforschen. Die erste Rakete des ExoMars-Projekts soll am 14. März 2016 mit dem Forschungssatelliten TGO und dem Testlandemodul "Schiaparelli" vom russischen Kosmodrom Baikonur starten. Ein Rover soll 2018 zum Roten Planeten aufbrechen.

Was ist das Besondere an ExoMars?

Sowohl für die ESA als auch für ihr russisches Pendant Roskosmos ist ExoMars ein wichtiger Schritt in der eigenen Marsforschung. Hatten bislang nur die USA dauerhaft erfolgreich Sonden und Rover auf dem Roten Planeten landen lassen, wollen die Europäer nun nachziehen.

Das mehrere Milliarden teure Projekt soll ein Zeichen der Zusammenarbeit in einer von politischen Krisen überschatteten Zeit setzen. Angesichts der Spannungen zwischen Ost und West wegen der Konflikte in der Ukraine und Syrien will die Weltraumforschung Brücken bauen.

Was kann der Satellit Trace Gas Orbiter (TGO)?

Der 3,5 Meter große und rund vier Tonnen schwere Wissenschaftssatellit TGO hat eine Schlüsselrolle im ExoMars-Projekt. Bis mindestens 2022 soll er um den Roten Planeten kreisen und die Zusammensetzung der Atmosphäre erforschen. Die ESA hofft vor allem auf einen Nachweis von Methangas. Da auf der Erde Methan vor allem von Mikroorganismen gebildet wird, wäre dies auch auf dem Mars nicht ausgeschlossen.

Zudem befindet sich unter anderem ein Neutronendetektor auf dem TGO. Damit wollen die Forscher eine Karte von Eis unter der Marsoberfläche in einer Tiefe von bis zu einem Meter erstellen. Überdies soll der geplante ExoMars-Rover über den TGO den Kontakt zur Erde halten. Auch für Projekte anderer Raumfahrtagenturen könne der Satellit bei Bedarf für die Kommunikation genutzt werden, heißt es bei der ESA.

Welche Aufgabe hat das Landemodul "Schiaparelli"?

Wenn die kreisrunde Station planmäßig am 19. Oktober in der Mars-Region Meridiani Planum landet, hat sie ihre Aufgabe schon erfüllt. Die 600 Kilogramm schwere Sonde soll ESA und Roskosmos Erfahrungen mit Landungen auf dem Mars vermitteln. "Schiaparelli" hat nur eine geplante Lebensdauer von wenigen Tagen.

Was ist der Unterschied zu bisherigen US-Rovern?

Der ExoMars-Rover soll nach Spuren von möglichem Leben in der Frühgeschichte des Roten Planeten vor bis zu vier Milliarden Jahren forschen. "Wir müssen nicht auf der Oberfläche suchen, sondern sehr tief gehen", sagt ESA-Spezialist Jorge Vago. Dazu ist der Roboter in der Größe eines Golf-Buggys mit einem Bohrer ausgestattet, der zwei Meter tief ins Marsinnere vordringen kann - Vago zufolge ein Novum. Der US-Rover "Curiosity" kann nur wenige Zentimeter tief bohren.

Wie ist die Chance, Leben auf dem Mars zu finden?

Nach Experteneinschätzung ist das nicht sehr wahrscheinlich. In der bisherigen Marsforschung wurden zwar mehrfach Spuren von Wasser auf dem Roten Planeten nachgewiesen, aber keine Hinweise auf aktuelles Leben. Selbst wenn der ExoMars-Rover Indizien für organische Moleküle finden würde, müssten die Proben für eine präzise Analyse auf die Erde gebracht werden. "Das wäre ein nächster Schritt in der Forschungskette", sagt Vago. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg.

Auch eine Bestätigung von Methangas in der Atmosphäre wäre noch kein Beweis für Leben. Zwar entsteht Methan auf der Erde oft biologisch, aber auch andere Ursachen wie chemisch-geologische Reaktionen sind möglich. Experten halten letzteres auf dem Mars für wahrscheinlich.

Bringt ExoMars Erkenntnisse für bemannte Mission?

Nicht direkt. Im Vordergrund der beiden ExoMars-Missionen 2016 und 2018 steht die Suche nach Leben auf dem Mars. Indirekt könnten aber beispielsweise Karten von Eis unter der Oberfläche nützlich sein, die mit dem Neutronendetektor an Bord des TGO-Satelliten erstellt werden sollen. Diese Karten könnten helfen, einen Landeplatz für Astronauten auf dem Mars zu finden, an dem sie Trinkwasser produzieren können.

(Quelle: dpa)

14.03.2016, Quelle: Thomas Körbel, dpa
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