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merkzettel

Konflikt mit Iran "Geht Saudis um Innenpolitik"

Video"Deutliches Signal gegenüber dem IS"
Der Nahost-Experte Dr. Guido Steinberg

Der Nahost-Experte Dr. Guido Steinberg über Hinrichtungen als innenpolitische Maßnahmen, Sorgen bezüglich des IS und Verunsicherung durch die Lockerungen der Sanktionen gegenüber Iran.

(04.01.2016)

VideoTeheran und Riad: Spannungen
Der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir bei einer Pressekonferenz.

Saudi-Arabien hat seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen. Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien war die saudische Botschaft in Teheran verwüstet worden.

(04.01.2016)

VideoIran vs. Saudi-Arabien
Trauerfeier für den hingerichteten schiiten Al-Nimr.

Was zunächst ein Konflikt zwischen zwei Ländern war, droht immer mehr zum Flächenbrand für die gesamte arabische Welt zu werden. Jetzt brechen weitere sunnitische Staaten ihre Beziehungen zu Iran ab.

(04.01.2016)

VideoStreit um Kooperation mit Saudi-Arabien
Regierungssprecher Steffen Seibert bei einer Pressekonferenz.

Die wachsenden Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien sind auch in Berlin ein Thema. Die Bundesregierung setzt trotz Kritik an ihren Rüstungsexporten weiter auf Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien.

(04.01.2015)

Die Hinrichtungen in Saudi-Arabien sollten vor allem ein innenpolitisches Signal sein, erklärt Experte Guido Steinberg im ZDF, damit saudische Bürger keine Organisationen wie Al-Kaida oder den IS unterstützen. "Dabei haben die Saudis in Kauf genommen, dass die Beziehungen zu Iran geschädigt werden." 

Die saudi-arabische Islam-Interpretation sei weitgehend identisch mit der Ideologie des IS, erklärt der Experte von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Viele Saudis, die dieser Interpretation anhängen, seien nun der Meinung, dass derzeit eine Art Ideal-Staat in Irak und Syrien entstehe. "Davor hat die Regierung besonders große Angst und deswegen hat sie diese Botschaft an die eigene Bevölkerung abgesetzt." Am Wochenende hatte eine Massenhinrichtung politischer Gefangener in Saudi-Arabien internationale Proteste ausgelöst. Unter den 47 Getöteten war der oppositionelle schiitische Geistliche Nimr al-Nimr, was die Spannungen mit Iran verschärfte.

"Saudis entfachen Feuer"

Weitere Links zum Thema
Aber auch das Atomabkommen mit dem Iran ist Saudi-Arabien ein Dorn im Auge. Sie befürchten, dass die Iraner durch gelockerte Sanktionen wieder an Geld kommen, so Steinberg. "Und dieses Geld in eine zunehmend aggressive - zumindest aus saudi-arabischer Sicht - Regionalpolitik stecken." Das sei einer der Gründe für das momentane Verhalten Saudi-Arabiens. "Im Moment sind es vor allem die Saudis, die dieses Feuer zwischen Saudi-Arbien und Iran entfachen."

Das Verhältnis zwischen Iran und Saudi-Arabien war jahrzehntelang schwierig, die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert einen lange nicht erreichten Tiefpunkt. Vor fast 28 Jahren, 1988, hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zu Iran abgebrochen.

Konfliktgeladen: Saudi-Arabien und Iran

Dauerhaft gespanntes Verhältnis

Infokarte: Saudi-Arabien

Die Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien sind schon seit der Islamischen Revolution 1979 gespannt, auch wenn es gelegentlich Tauwetter im Verhältnis der beiden regionalen Rivalen gab. Nun hat Saudi-Arabien wegen Angriffen auf seine diplomatische Vertretung im Iran die diplomatischen Beziehungen gekappt. Dies markiert einen Tiefpunkt im Verhältnis beider Staaten.

Beziehungen vor der Revolution

Unter dem früheren iranischen Staatsoberhaupt Schah Mohammed Reza Pahlavi hatte der Iran ein schwieriges Verhältnis zu Saudi-Arabien. Doch verbesserten sich die Beziehungen gegen Ende seiner Herrschaft. Unter anderem gehörten beide Länder zu den Gründungsmitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).

Beziehungen nach der Revolution

Saddam Hussein

Nach dem Sturz des Schahs und der Besetzung der US-Botschaft in Teheran wurde Saudi-Arabien schnell zum wichtigsten Verbündeten Amerikas in der Region. Im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak in den 1980er Jahren unterstützte Saudi-Arabien den Irak - trotz Bedenken des Königreichs wegen des irakischen Diktators Saddam Hussein. In dem Krieg kamen eine Million Menschen ums Leben.

Hadsch-Unruhen 1987

Muslime zum Höhepunkt des "Hadsch" in Mekka

Bei der jährlichen muslimischen Pilgerfahrt zu heiligen Stätten des Islam in Saudi-Arabien kam es 1987 zu Blutvergießen, als Iraner eine politische Demonstration veranstalteten. Iranische Pilger lieferten sich später Kämpfe mit saudischen Bereitschaftspolizisten. Mindestens 402 Menschen kamen ums Leben. Nach iranischer Darstellung sollen sogar 600 seiner Pilger getötet worden sein. Die Polizei habe mit Maschinengewehren auf die Menschenmenge geschossen. In Teheran griffen Demonstranten die Botschaften Saudi-Arabiens, Kuwaits, Frankreichs und des Iraks an.

Abbruch der Beziehungen 1988

1988 kappte Saudi-Arabien die Beziehungen mit dem Iran - unter Verweis auf die Unruhen beim Hadsch im Vorjahr und iranische Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf. Die Iraner reagierten mit einem Boykott der muslimischen Pilgerfahrt in den Jahren 1988 und 1989. 1991 stellten die beiden Länder die diplomatischen Beziehungen wieder her.

Spannungsabbau

Der Kronprinz von Saudi-Arabien Abdullah bin Abdul Aziz al-Saud und der Iranaische Präsident Mohammad Khatami am 8.12.1997

Nach dem Amtsantritt des gemäßigten iranischen Präsidenten Mohammed Chatami 1997 verbesserten sich die bilateralen Beziehungen. Nach historischen Besuchen des saudischen Kronprinzen Abdullah in Teheran im Dezember 1997 und Chatamis in Saudi-Arabien im Mai 1999 wurde das Verhältnis noch besser.

Atomstreit

Mahmud Ahmadinedschad

In Saudi-Arabien setzten neue Bedenken ein, als gegen Teheran wegen seines umstrittenen Atomprogramms internationale Sanktionen verhängt wurden. Sorgen bereitete auch die zunehmend scharfe Rhetorik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Neues Misstrauen in Saudi-Arabien schürte das iranische Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland vom Sommer 2015. In den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen unterstützen Saudi-Arabien und der Iran gegnerische Seiten.

Hadsch-Katastrophe 2015

Zugedeckte tote Pilger liegen auf Tragen neben einem Rettungsfahrzeug

Am 24. September kam es bei der Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien zu einer Massenpanik. Nach Angaben des Königreichs wurden 769 Pilger getötet. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AP zufolge lag die Opferzahl jedoch bei über 2.400. Laut dem Iran kamen mindestens 464 iranische Pilger ums Leben. Das Land machte saudische "Inkompetenz" für die Todesfälle verantwortlich.

Hinrichtung eines iranischen Scheichs 2016

Anhänger von Scheich Nimr al-Nimr hält sein Porträt hoch (Archivbild)

Am 2. Januar richtete Saudi-Arabien den schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr und 46 weitere Personen hin. Al-Nimr war eine zentrale Figur bei Protesten der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien, die vom Arabischen Frühling inspiriert waren. Seine Hinrichtung löste im Nahen Osten Demonstrationen und Angriffe auf diplomatische Einrichtungen Saudi-Arabiens im Iran aus. Das Königreich kündigte daraufhin an, die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran abzubrechen.

Quelle: ap

04.01.2016, Quelle: ZDF, dpa, ap
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