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Europäische Zentralbank EZB weitet Geldflut aus - Leitzins auf Null

VideoEZB: Leitzins auf null Prozent
EZB-Chef Mario Draghi auf einer Pressekonferenz.

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins erstmals auf null Prozent gesenkt, um das Wachstum anzukurbeln. Gleichzeitig kauft die EZB mehr Anleihen von Staaten und Unternehmen auf.

(10.03.2016)

VideoDas EZB-Aufkaufprogramm
Richter im Bundesverfassungsgericht

2012 beschloss die Europäische Zentralbank, unbegrenzt Anleihen von kriselnden Staaten zu kaufen, damit diese zahlungsfähig bleiben. Dürfen sie das? Karlsruhe und Luxemburg urteilten verschieden.

(16.02.2016)

VideoEZB: Neuer 20-Euro-Schein
Der neue 20-Euro-Schein.

Ab morgen bekommen die Verbraucher in Europa einen neuen 20-Euro-Schein. Sicherheitsmerkmale wie das neue Hologramm-Fenster sollen das Risiko, gefälschte Noten in der Hand zu halten, weiter minimieren

(24.11.2015)

Europas Währungshüter stemmen sich mit aller Macht gegen Mini-Inflation und Wachstumsschwäche. EZB-Chef Draghi verschärft seinen Kurs noch drastischer als erwartet: Die umstrittenen Anleihenkäufe werden aufgestockt, der Leitzins sinkt auf null Prozent. Die Beschlüsse beflügelten den DAX zeitweise. 


Die Europäische Zentralbank kämpft mit allen Mitteln gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche: Die Währungshüter senkten überraschend den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent. Zugleich pumpt die Notenbank noch mehr Geld in den Markt und brummt Finanzinstituten, die Geld bei ihr parken, höhere Strafzinsen auf. Außerdem gibt es neue billige Langfristkredite für Banken.

Draghi: "Kein Währungskrieg"

ZITAT
Wir werden nicht vor der niedrigen Inflation kapitulieren.
EZB-Chef Draghi
Mit diesem bisher einmaligen Maßnahmenbündel will die EZB die Kreditvergabe im Euroraum ankurbeln und so Konjunktur und Inflation anschieben. "Wir werden nicht vor der niedrigen Inflation kapitulieren", betonte Draghi in Frankfurt. Zugleich verteidigte er die ultra-lockere Geldpolitik gegen Kritik, dass er einen Währungskrieg schüre. "Wir sind überhaupt nicht in diesem Krieg", so Draghi. Es gebe kein Rennen um den niedrigsten Zins weltweit.

Die EZB pumpt jetzt noch mehr Geld in den Markt. Seit einem Jahr steckt die Notenbank Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Die Maßnahme, die im Fachjargon "Quantitative Easing" oder kurz "QE" genannt wird, wurde erst im Dezember um ein halbes Jahr verlängert. Ab April will die EZB nun monatlich 80 Milliarden Euro investieren. Zudem werden weitere Papiere in den Korb aufgenommen. Das Programm soll bis mindestens Ende März 2017 laufen mit einem Gesamtvolumen von dann insgesamt 1,74 Billionen Euro.

Beschlüsse lösen Kursfeuerwerk aus

An der Börse sorgte die neue Geldflut für ein Kursfeuerwerk. Der Euro verbilligte sich zeitweise um mehr als einen US-Cent auf 1,0836 Dollar. Anschließend stieg er aber wieder über die Marke von 1,10 Dollar. Der DAX kletterte zeitweise um bis zu 2,7 Prozent auf ein Zweimonatshoch von 9.989 Punkten, gab danach aber seine Gewinne wieder ab.

Nochmals verschärft wurde der Strafzins für Bankeinlagen. Statt 0,3 Prozent müssen Geschäftsbanken künftig 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld kurzzeitig bei der EZB parken. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen - so die Theorie - bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen.

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Die Strafgebühr ist aber umstritten. Ökonomen befürchten, dass Institute die Kosten auf ihre Kunden abwälzen könnten, statt mehr Kredite zu vergeben. Dadurch könnten Sparer, die bereits unter den Niedrigzinsen der EZB leiden, noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Geldflut bisher ohne große Wirkung

"Mit dem heutigen umfassenden Paket geldpolitischer Entscheidungen liefern wir erhebliche Anreize, um den erhöhten Risiken für das EZB-Preisstabilitätsziel entgegenzuwirken", erklärte Draghi. "Die Zinsen werden für eine sehr lange Zeit niedrig bleiben."

Bislang kommt das viele billige Zentralbankgeld allerdings nicht im gewünschten Maß in der Wirtschaft an. Die Konjunktur im Euroraum erholt sich nur schleppend, die Inflation ist nach wie vor im Keller. Im Februar waren die Verbraucherpreise im Euroraum erstmals seit einem halben Jahr wieder gefallen. Die jährliche Teuerungsrate ging nach ersten Schätzungen wegen des erneuten Absturzes der Ölpreise auf minus 0,2 Prozent zurück. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Sehr niedrige Inflation in nächster Zeit "unvermeidlich"

Nach Einschätzung der Währungshüter wird die Inflation in diesem Jahr mit mageren 0,1 Prozent deutlich schwächer ausfallen als zuletzt erwartet. "Wegen der Ölpreisentwicklung sind sehr niedrige oder sogar negative Inflationsraten in den kommenden Monaten unvermeidlich", räumte Draghi ein.

Die EZB-Beschlüsse im Überblick

Leitzins

Der entscheidende Leitzins, zu dem sich Banken bei der EZB Zentralbankgeld beschaffen können, wird noch einmal gesenkt: Vom bisherigen Rekordtief von 0,05 Prozent auf jetzt 0,0 Prozent.

Strafzinsen

Wenn Banken Geld bei der EZB parken, mussten sie bisher der Notenbank 0,3 Prozent Zinsen zahlen; dieser Satz steigt jetzt auf 0,4 Prozent.

Anleihekäufe

Seit einem Jahr steckt die EZB 60 Milliarden Euro pro Monat in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Diese Summe wird ab April auf 80 Milliarden Euro aufgestockt.

Langfristkredite

Von Juni 2016 bis März 2017 legt die EZB ein neues Programm mit vierjährigen Krediten für Banken auf (TLTRO II).

2017 dürfte die Teuerungsrate dann auf 1,3 Prozent anziehen. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Zugleich haben sich die Konjunkturaussichten wegen der Abkühlung der Weltwirtschaft eingetrübt, wie Draghi erläuterte. Die Notenbank senkte daher auch die Wachstumsprognose für dieses Jahr und das kommende Jahr leicht.

Neue Langzeitkredite für Banken

Um die Kreditvergabe anzukurbeln, bietet die EZB Banken ab Juni zudem neue zielgerichtete Langzeitkredite mit vier Jahren Laufzeit (TLTRO) zu extrem günstigen Konditionen an. Banken, die besonders viel ausleihen, sollen geringere Zinsen zahlen und sogar über negative Zinsen davon profitieren. Zuletzt war die Nachfrage nach solchen Krediten verhalten.

Der EZB-Rat beschloss die bei Banken und Ökonomen umstrittenen Maßnahmen Draghi zufolge mit überwältigender Mehrheit. Einer der schärfsten Kritiker, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, durfte bei der Sitzung am Donnerstag allerdings nicht mit abstimmen. Grund ist ein Rotationsverfahren im Entscheidungsgremium der Notenbank. Es greift, seit Litauen zum 1. Januar 2015 das 19. Mitglied im Euro-Club wurde. Das Verfahren habe jedoch nichts grundsätzlich an der Diskussion im EZB-Rat geändert, versicherte Draghi.

10.03.2016, Quelle: dpa, reuters
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