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Diskussion um Bargeld EZB: So viel Falschgeld wie nie aus Verkehr gezogen

Bildfoto
Hologramme eines echten (l) und eines falschen (r) 50-Euroscheins

(Quelle: dpa)

VideoFalsche und echte Euro-Münzen
Christian Berkel zeigt, woran man eine falsche 2-Euro-Münze erkennt.

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VideoElektrischer Reporter: Bargeldlos
bezahlen per handy

Kein Portemonnaie mit Münzen, Scheinen und Plastikgeld mehr dabei haben sondern einfach mit dem Smartphone bezahlen - das klingt zunächst sehr praktisch. Jedoch sehen Kritiker darin eine Gefahr.

(08.10.2015)

Banknoten werden immer sicherer, trotzdem war im vergangenen Jahr so viel Falschgeld im Umlauf wie nie zuvor. Das heizt die Diskussion an, ob Bargeld überhaupt noch zeitgemäß ist. Einen ersten Schritt in Richtung bargeldloses Leben geht die Stadt Kleve - sie schafft schon mal Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab. 

Weltweit ist im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 899.000 gefälschten Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen worden. Das waren nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) gut 60.000 mehr als ein Jahr zuvor und fast 40.000 mehr als beim bisherigen Höchststand 2009 (860.000 Fälschungen). Besonders groß war der Anstieg in Deutschland - mit einem Zuwachs von 51 Prozent. "Der Anstieg der Falschgeldzahlen ist bedenklich, aber geeignete Maßnahmen sind bereits getroffen worden", erklärte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Der Großteil der Fälschungen waren 20- und 50-Euro-Scheine. Seit November ist ein neuer Zwanzig-Euro-Schein mit überarbeiteten Sicherheitsmerkmalen im Umlauf, der Fälschern das Handwerk erschweren soll.

Bargald ganz abschaffen?

Sollte man Bargeld ganz abschaffen? Dann wäre auch das Falschgeldproblem mit einem
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Schlag aus der Welt. Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern, sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos - und überraschte mit einer gewagten These: Bargeld werde in den nächsten zehn Jahren verschwinden. Denn: "Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient."

Doch gerade die Deutschen hängen an Schein und Münze. Während etwa Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor vor allem bar: Bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt.

Kleve schafft kleine Cent-Münzen ab

Einen ersten vorsichtigen Schritt weg vom Bargeld geht die Stadt Kleve in Nordrhein-Westfalen. Ab Februar schafft der Einzelhandel hier die 1- und 2-Cent-Euromünzen ab. Auf freiwilliger Basis. Die Beträge werden auf- oder abgerundet. Der Handel soll dadurch entlastet werden. "Wir haben mehr als 800 Unternehmen angeschrieben. Bei den Rückmeldungen haben wir etwa 85 Prozenz positive Antworten", beschreibt Ute Marks, Geschäftsführerin des Stadtmarketings, die Stimmung vor Ort. "Viele müssen wir noch persönlich ansprechen." Die Nähe zu den Niederlanden hat sie in ihren Überlegungen bestärkt: "Dort spielen die 1- und 2-Cent-Münzen schon lange keine Rolle mehr." Eine weitere Motivation für den Schritt weg vom Kleinstgeld ist, dass Banken seit Jahresbeginn die Möglichkeit haben, eine Servicegebühr für die Einzahlung von Münzen zu erheben.
Beispiel Schweden

In Schweden werden mehr als 70 Prozent aller Einkäufe bargeldlos bezahlt. Auch die Zahl der Geldautomaten wird immer geringer. Seit 2010 werden Bankfilialen umgerüstet. Dort gibt es kein Bargeld mehr. Auch Kleinstbeträge werden in Schweden wie selbstverständlich mit der Kreditkarte bezahlt. In Innenstädten gibt es zahlreiche Parkplätze, auf denen die Gebühr nur noch mit Kreditkarte beglichen werden kann.

Handelsverband glaubt nicht an Abschied vom Bargeld

Beim Handelsverband HDE glaubt man nicht an einen schnellen Abschied von Schein und Münze. "Ob und wann das Ende für das Bargeld kommt, entscheiden die Kunden. Der Handel nimmt derzeit noch mehr als die Hälfte seines Umsatzes per Bargeld entgegen", ließ HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf Nachfrage erklären. "Insofern ist ein Ende noch nicht absehbar, auch wenn die Umsätze mit Kartenzahlungen stetig aber langsam steigen."

Dass auch Plastikgeld Risiken birgt, kam erst diese Woche wieder ans Licht: Weil Kriminelle versuchten, an Daten von Kreditkarten zu kommen, tauschten mehrere Banken Zehntausende Karten vorsichtshalber aus.

Wie erkennt man Falschgeld?

Fühlen, sehen, kippen

Die Bundesbank empfiehlt, Banknoten nach dem Prinzip "Fühlen-sehen-kippen" zu prüfen. Verbraucher sollten nicht nur auf den Gesamteindruck schauen, sondern gezielt auf bestimmte Sicherheitsmerkmale achten: Auf der Vorderseite der Geldscheine sind zum Beispiel Teile des Druckbildes zu fühlen. Die Hologrammelemente verändern sich beim Kippen der Scheine, und das Wasserzeichen ist nur in der Durchsicht zu sehen.

Ersatz für Falschgeld?

Nein. Wer sich eine Blüte unterschieben lässt, bleibt auf ihr sitzen. Die Weitergabe von Falschgeld ist genau wie die Herstellung strafbar.

Was tun, wenn Falschgeld im Geldbeutel landet?

Grundsätzlich sollten Verbraucher bei falschen Banknoten die Polizei informieren. Bei gefälschten Münzen bittet die Bundesbank, sie in der zuständigen Filiale der Zentralbank einzureichen. Weitere Informationen dazu gibt die Bundesbank unter:

Sicherheitsmerkmale der neuen Scheinserie

Auf den neuen Noten findet sich ein Hologramm mit dem Porträt der Europa. Dieses Porträt erscheint im silbernen Streifen der Banknoten, wenn sie gekippt werden. Außerdem erscheinen in dem Streifen ein Symbol und der Nennwert der Scheine. Das Porträt der Europa erscheint ebenfalls als Wasserzeichen der Geldscheine. Zudem gibt es eine sogenannte Smaragdzahl, auf der sich beim Kippen ein Lichtbalken auf und ab bewegt. Die Zahl verändert ihre Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau.Der neue 20-Euro-Schein enthält zudem ein weiteres Sicherheitsmerkmal: Im Hologramm befindet sich ein sogenanntes Porträt-Fenster. Wird der Geldschein gegen das Licht gehalten, wird das Fenster durchsichtig. Das Europa-Porträt wird von beiden Seiten des Geldscheins aus sichtbar.

Werden noch weitere Banknoten überarbeitet?

Ja. Nach den Fünf-, Zehn und 20-Euro-Scheinen folgen schrittweise die Banknoten mit höheren Nennwerten, und zwar aufsteigend: 50, 100, 200 sowie 500 Euro. Zunächst sind alte und neue Noten parallel in Umlauf. Dann wollen EZB und nationale Notenbanken die alten Scheine Schritt für Schritt aus dem Verkehr ziehen. Die alten Noten behalten ihren Wert, verlieren aber den Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Wann dies geschieht, will die EZB noch bekanntgeben. Bei nationalen Notenbanken wie der Bundesbank können alte Noten aber jederzeit umgetauscht werden.

22.01.2016, Quelle: dpa, reuters, zdf
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