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Familienreport 2017 Immer mehr Kinder von Armut bedroht

BildDie Ungerechtigkeit wächst
Archiv: Ein kleines Mädchen spielt am 17.02.2013 an einem Klettergerüst auf einem Kinderspielplatz in Grossenwieden

(Quelle: dpa)

VideoKonzepte gegen Kinderarmut
Grundschulkinder mit Lehrerin in Dormagen

In Deutschland ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Die Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen hat inzwischen viel investiert, um Kinder vor den Folgen von Armut zu schützen. Mit einem engen Netz von Sozialarbeitern, Pädagogen, Sprachtrainern.

(06.09.2017)

In Deutschland steigt die Zahl der Familien, in denen Kinder von Armut und Bildungsdefiziten bedroht sind. Das geht aus dem Familienreport 2017 der Bundesregierung hervor, den das Ministerium vorstellte. 

Demnach gelten etwa 2,8 Millionen Kinder als armutsgefährdet, 1,5 Prozent mehr als im Vergleichsjahr 2010. Zudem beklagt der Bericht eine wachsende Ungerechtigkeit.

Gründe: Zuzug und Alleinverdienst

Grund für den Anstieg sei auch der Zuzug von Kindern aus Migrantenfamilien nach Deutschland, heißt es. Um die Chancen dieser Kinder auf Teilhabe zu verbessern, seien gute Ganztagsangebote notwendig, aber auch mehr frühkindliche Bildung und Betreuung. Diese werde auch in Migrantenfamilien besser angenommen. Bei Kindern bis zu drei Jahren sei die Betreuungsquote hier um sieben Prozentpunkte auf 21 Prozent gestiegen.

Der Report betrachtet auch die Zusammensetzung des Familieneinkommens bei Paaren: Meist trügen beide Partner in sehr unterschiedlichem Maße zum Einkommen bei. Die ungleiche Verteilung könne zu einem Armutsrisiko werden, wenn der Hauptverdiener ausfällt.

Familien, in denen der Mann Vollzeit arbeitet und Alleinverdiener ist, hätten im Monatsdurchschnitt 3.393 Euro netto zur Verfügung. Arbeite die Mutter zusätzlich 15 bis 28 Stunden, habe die Familie 1.000 Euro mehr. Arbeiteten beide Eltern 28 bis 36 Wochenstunden, brächten sie netto durchschnittlich 4.154 Euro heim. "Der beste Schutz vor Armut ist die Erwerbstätigkeit beider Elternteile", heißt es im Report. Gerade unter Jüngeren wachse zudem die Zustimmung zu partnerschaftlicher Arbeitsteilung.

Mehr Kinderbetreuung notwendig

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Die Chancen von Kindern seien nach wie vor ungleich verteilt, sagte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD). Der Staat erreiche zu viele Kinder nicht mit seinen Angeboten. "Das beste Mittel, um bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen, ist eine gute, verlässliche und kostenfreie Kinderbetreuung", sagt Barley, die sich zugleich für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder aussprach. Neben Alleinerziehenden, Kinderreichen und berufstätigen Müttern müssten zudem auch Väter stärker unterstützt werden. Ziel müsse es sein, das durchschnittliche Existenzminimum eines Kindes abzusichern.

Der Familienreport 2017 stellt die Lebenslagen und Einstellungen von Familien in Deutschland und die Maßnahmen, mit denen Familienpolitik sie unterstützt, umfassend dar. Neben aktuellen statistischen Daten zum Zusammenleben wird die wirtschaftliche Situation von Familien und deren Bedeutung für das Aufwachsen von Kindern beleuchtet.

Unterdessen forderte das Bündnis "Reichtum umverteilen" eine stärkere Besteuerung von Reichtum. Der Zusammenschluss von über 30 bundesweit aktiven zivilgesellschaftlichen Organisationen, Sozialverbänden und Gewerkschaften spricht sich für einen rigorosen steuer- und finanzpolitischen Kurswechsel aus und wirbt dafür mit einer Aktion vor dem Reichstag am Freitagmittag. Zu dem Bündnis gehören unter anderem der Zukunftsforum Familie und der Paritätische Wohlfahrtsverband.

15.09.2017, Quelle: KNA
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