01.07.2016

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Filmfestival in Berlin Berlinale-Finale: Es geht um die Bären

BildSilberner und Goldener Bär
Ein silberner und ein goldener Brlinale-Bär

Der wichtigste Berlinale-Preis, der Goldene Bär, ehrt den besten Film im Wettbewerb. Silberne Bären gibt es zum Beispiel für die Schauspieler, die Regie und das beste Drehbuch.

(Quelle: reuters)

VideoBerlinale Thema: Flüchtlinge
Berlinale Pressekonferenz

Die Flüchtlingskrise beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch Filmschaffende. Bei der 66. Berlinale werden gleich mehrere Filme gezeigt, die sich mit dem Schicksal von Flüchtlingen befassen.

(18.02.2016)

VideoDieter Kosslick im Interview
Screenshot

Wie geht es im Moment den Kulturschaffenden in Iran? Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat das Land mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und einer Kulturdelegation besucht. Ein Interview ...

(28.10.2015)

VideoBeginn der 66. "Berlinale"
George Clooney während der Eröffnung der

Zu Deutschlands größtem Filmfestival haben sich zahlreiche Prominente angesagt. Beispielsweise Frauenschwarm George Clooney, der in der Komödie "Hail, Caeser!" mitspielt.

(11.02.2016)

Blitzlichtgewitter, rote Teppiche und Filmstars - seit rund anderthalb Wochen ist Berlinale. Nun geht das Filmfestival zu Ende. Doch das Wichtigste kommt zum Schluss: die Verleihung des Goldenen und der Silbernen Bären. 

Insgesamt 18 Filme konkurrieren um die begehrten Bären. Inzwischen haben sich bei der 66. Berlinale einige Favoriten herauskristallisiert. Der erste Anwärter auf den Goldenen Bären ist die erschütternde Dokumentation "Fuocoammare" (übersetzt: Feuer auf See). Sie  beeindruckte sowohl Publikum als auch Kritiker. Der Italiener Gianfranco Rosi erzählt darin vom Alltag auf der italienischen Insel Lampedusa und vom Flüchtlingssterben im Mittelmeer.

Ebenfalls heiß gehandelt: "Soy Nero" (übersetzt: Ich bin Nero) des aus Iran stammenden Regisseurs Rafi Pitts ("Zeit des Zorns"). Er folgt in seinem Spielfilm dem jungen Mexikaner Nero, der in die USA flüchtet und dort ein neues Leben beginnen will. Dafür zahlt Nero einen hohen Preis. Er meldet sich bei den Amerikanern freiwillig zum Militärdienst, um schnell eine Green Card zu bekommen.

Viel Applaus erntete auch das Spätabtreibungsdrama "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached. Die Erfurter Regisseurin landete mit ihrem Abschlussfilm von der Filmhochschule gleich im Berlinale-Wettbewerb.

Ein achtstündiger Film mit geringen Chancen

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Geringere Chancen auf einen Goldenen Bären hat die neue Verfilmung von Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein". Der Schweizer Regisseur Vincent Perez hat die Geschichte um das Berliner Ehepaar Quangel, das mit einer Postkartenaktion Widerstand gegen die Nazis leistet, zwar prominent besetzt. Doch trotz der schauspielerischen Leistung von Brendan Gleeson, Emma Thompson und Daniel Brühl bleiben die Charaktere hölzern und die Szenerie kulissenhaft.

Auch Regisseur Lav Diaz sollte sich wohl keine allzu großen Hoffnungen auf einen Goldenen Bären machen. Sein Film "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" (übersetzt: Ein Wiegenlied für das schmerzhafte Geheimnis) ist mehr als acht Stunden lang. So ein ausufernd langes Werk wurde noch nie zuvor in der Geschichte der Berlinale im Rennen um den Goldenen Bären gezeigt. Neben viel Zeit müssen die Zuschauer auch einiges an Wissen über die philippinische Geschichte mitbringen. Wer sich weniger gut auskennt, der findet nur sehr schwer hinein in das oft rätselhafte, durch und durch stilisierte Geschehen auf der Leinwand. Das mag ein Grund sein, warum die ersten Zuschauer schon eine halbe Stunde nach Filmbeginn den Saal verließen.

Die Jury der Berlinale 2016 
  • Meryl Streep

    Meryl Streep (66) Präsidentin der Jury. Ihre Karriere begann die Schauspielerin noch während des Studiums, damals im Theater. Heute ist sie eine der - wenn nicht die - am häufigsten ausgezeichnete Schauspielerin ihrer Generation. Sie hat allein drei Oscars im Regal stehen und wurde bislang 19-mal für den Oscar nominiert, unter anderem auch für "Der Teufel trägt Prada" (2006), in dem sie die egomanischen Chefredakteurin Miranda Priestly spielte. Dafür erhielt sie einen ihrer acht Golden Globes - für diesen Preis der Hollywood Foreign Press Association wurde sie 29-mal nominiert.

  • Lars Eidinger

    Lars Eidinger (40): Der Film- und Theaterschauspieler ("Tatort", "Hamlet") hatte sich zunächst als Ensemble-Mitglied der Berliner Schaubühne einen Namen gemacht. Mit dem Film "Alle anderen" von Maren Ade gewann er 2009 den Silbernen Bären. Für die ARD-Produktion "Verhältnisse" wurde er 2010 als bester Hauptdarsteller für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

  • Clive Owen

    Clive Owen (51): Der Brite ("Inside Man", "The International", "King Arthur") begann seine Karriere als Theaterschauspieler in London, wo er in einigen Shakspeare-Stücken mitwirkte. Dort verliebte er sich als Romeo tatsächlich in seine Julia, Sarah-Jane Fenton, mit der er mittlerweile verheiratet ist. Owen bekam einen Golden Globe für die Rolle des brutal-subtilen Larry in der Verfilmung von "Hautnah".

  • Brigitte Lacombe

    Brigitte Lacombe: Die französiche Fotografin lebt in New York. Ihre Bilder sind unter anderem in Promi- und Modezeitschriften wie "Vanity Fair" oder "Vogue", aber auch in "The Financial Times" und "The New York Times Magazine" zu sehen. Lacombe fotografiert auch regelmäßig die Dreharbeiten von Regisseuren wie Martin Scorsese ("Wolf of Wall Street") oder Alejandro González Iñárritu ("The Revenant").

  • Alba Rohrwacher

    Alba Rohrwacher (36): Die Tochter eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter gab 2004 mit dem italienischen Film "L'amore ritrovato" von Carlo Mazzacurati ihr Leinwanddebüt. Rohrwacher wurde zweimal mit dem italienischen Filmpreis David di Donatello ausgezeichnet, als European Shooting Star wurde sie 2009 auf der Berlinale geehrt.

  • Malgorzata Szumowska

    Malgorzata Szumowska (42): Die polnische Filmemacherin ist Preisträgerin mehrerer internationaler Auszeichnungen. Sie gewann für ihre Regiearbeit in "33 Szenen aus dem Leben" den Silbernen Leoparden beim Filmfestival in Locarno in der Schweiz. Bei der Berlinale war sie bereits mit zahlreichen Filmen wie "Das bessere Leben" oder "Body" vertreten.

  • Nick James

    Nick James: Der Brite ist Filmkritiker, Autor und Kurator aus Großbritannien. Seit 1997 ist er Redakteur des Filmmagazins "Sight & Sound". Seine Artikel zu Film, Kunst und Literatur erschienen unter anderem in englischen Zeitungen wie "The Guardian" oder "The Observer". 2002 veröffentlichte er mit "Heat" sein Buch über den gleichnamigen Film von Michael Mann.

Die sieben Jurymitglieder, darunter Hollywoodstar Meryl Streep und der deutsche Schauspieler Lars Eidinger ("Was bleibt", "Tatort"), sind bei dieser ungewöhnlichen Filmvorführung nicht dabei. Sie haben das Mammutwerk bereits gesehen, heißt es. Das letzte Wort liegt bei Ihnen, wenn es heißt: Der Goldene Bär geht an ...

Wettbewerb um den Goldenen Bären

Berlinale 2016

Nadine Krüger

Die Berlinale ist für Kinogänger das größte Publikumsfestival der Welt. Jedes Jahr werden etwa 300.000 Eintrittskarten verkauft. Wichtigster Preis ist der Goldene Bär für den besten Film im Wettbewerb. Die Jurypräsidentin der 66. internationalen Filmfestspiele in Berlin ist Hollywood-Star Meryl Streep ("Jenseits von Afrika", "Der Teufel trägt Prada"). Im Wettbewerb konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Weitere Werke laufen außer Konkurrenz und in der Special-Reihe. 19 Filme erleben ihre Weltpremiere auf dem Festival.

Die Filme im Wettbewerb

Bären
  • "Alone in Berlin" (Jeder stirbt für sich allein) von Vincent Perez (Deutschland, Frankreich, Großbritannien)
  • "Boris sans Béatrice" (Boris without Béatrice) von Denis Côté (Kanada)
  • "Cartas da guerra" (Letters from War) von Ivo M. Ferreira (Portugal)
  • "Ejhdeha Vared Mishavad!" (A Dragon Arrives!) von Mani Haghighi (Iran)
  • "Fuocoammare" (Fire at Sea) von Gianfranco Rosi (Italien, Frankreich)
  • "Genius" von Michael Grandage (Großbritannien, USA)
  • "Hele Sa Hiwagang Hapis" (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) von Lav Diaz (Philippinen, Singapur)
  • "Kollektivet" (The Commune) von Thomas Vinterberg (Dänemark, Schweden, Niederlande)
  • "L’avenir" (Things to Come) von Mia Hansen-Løve (Frankreich, Deutschland)
  • "Midnight Special" von Jeff Nichols (USA)
  • "Quand on a 17 ans" (Being 17) von André Téchiné (Frankreich)
  • "Smrt u Sarajevu / Mort à Sarajevo" (Death in Sarajevo) von Danis Tanović (Frankreich, Bosnien und Herzegowina)
  • "Zjednoczone Stany Miłosci" (United States of Love) von Tomasz Wasilewski (Polen, Schweden)
  • "Zero Days" von Alex Gibney (USA)
  • "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached (Deutschland)
  • "Chang Jiang Tu" (Crosscurrent) von Yang Chao (China)
  • "Inhebbek Hedi" von Inhebbek Hedi (Tunesien, Belgien, Frankreich)
  • "Soy Nero" von Rafi Pitts (Deutschland, Frankreich, Mexiko)

Außer Konkurrenz

Berlinale
  • "Mahana" (The Patriarch) von Lee Tamahori, mit Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Jim Moriarty, Regan Taylor, Maria Walker (Neuseeland)
  • "Saint Amour" von Benoît Delépine und Gustave Kervern, mit Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Céline Sallette (Frankreich, Belgien)
  • "Chi-Raq" von Spike Lee, mit Nick Cannon, Wesley Snipes, Teyonah Parris, Jennifer Hudson, Angela Bassett, John Cusack, Samuel L. Jackson (USA)
  • "Des nouvelles de la planète Mars" (News from planet Mars) von Dominik Moll, mit François Damiens, Vincent Macaigne, Veerle Baetens, Jeanne Guittet, Tom Rivoire (Frankreich, Belgien)
  • "Hail, Caesar!" von Joel und Ethan Coen, mit George Clooney, Scarlett Johansson, Channing Tatum, Josh Brolin, Jonah Hill, Doph Lundgren, Robert Picardo (USA / Großbritannien)

Berlinale Special

65. Berlinale
  • "A Quiet Passion" von Terence Davies, mit Cynthia Nixon, Jennifer Ehle, Keith Carradine, Jodhi May, Catherine Bailey, Emma Bell, Duncan Duff (Großbritannien, Belgien)
  • "Creepy" von Kiyoshi Kurosawa, mit Hidetoshi Nishijima, Yuko Takeuchi, Teruyuki Kagawa, Haruna Kawaguchi, Masahiro Higashide (Japan)
  • "Den allvarsamma leken" (A Serious Game) von Pernilla August, mit Sverrir Gudnason, Karin Franz Körlof, Liv Mjönes, Michael Nyqvist, Mikkel Boe Følsgaard (Schweden, Dänemark, Norwegen)
  • "Miles Ahead" von Don Cheadle, mit Don Cheadle, Ewan McGregor, Emayatzy Corinealdi, LaKeith Lee Stanfield, Michael Stuhlbarg (USA)
  • "National Bird" (Dokumentarfilm) von Sonia Kennebeck (USA)
  • "The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble" (Dokumentarfilm) von Morgan Neville (USA)
  • "Where To Invade Next" (Dokumentarfilm) von Michael Moore (USA)
  • "The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger" (Dokumentarfilm) von Colin MacCabe, Christopher Roth, Bartek Dziadosz, Tilda Swinton (Großbritannien)

Eine kleine Berlinale-Chronologie

Berlinale

Die Berlinale feiert ihre 66. Ausgabe. Sie entwickelte sich vom "Schaufenster des Westens" im Nachkriegsdeutschland zu einem der wichtigsten Filmfestivals der Welt.

  • 1951: Start im Titania-Palast mit Alfred Hitchcocks "Rebecca".
  • 1970: Erstmals in der Berlinale-Geschichte wird der Wettbewerb abgebrochen. Auslöser ist der Film "o.k." des deutschen Regisseurs Michael Verhoeven. Es geht um die Vergewaltigung eines Mädchens durch US-Soldaten - das erhitzt zu Zeiten des Vietnamkriegs die Gemüter.
  • 1986: Jury-Präsidentin Gina Lollobrigida versucht vergeblich, die Auszeichnung des RAF-Films "Stammheim" von Reinhard Hauff mit dem Goldenen Bären zu verhindern.
  • 2000: Die Berlinale zieht aus dem alten Westen an den Potsdamer Platz.
  • 2001: Dieter Kosslick folgt als Festivalchef auf Moritz de Hadeln. Kosslicks Vertrag wird 2014 bis 2019 verlängert.
  • 2004: Fatih Akin gewinnt mit "Gegen die Wand" den Goldenen Bären.
  • 2015: Der iranische Film "Taxi" von Jafar Panahi  wird mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Karten und Promis

Berlinale: Anstehen für Tickets

Mehr als 400 Filme werden an elf Tagen in Dutzenden Kinosälen gezeigt. Karten gibt es drei Tage vor den Vorstellungen etwa am Potsdamer Platz oder im Kino International, im Internet oder an den Tageskassen der Kinos. Sie kosten von vier Euro für das Kinderprogramm bis 14 Euro für den Wettbewerb. Etwa 100.000 Besucher werden in der Stadt erwartet, dazu noch 20.000 Fachbesucher.

Promi-Gucken geht am besten rund um den Potsdamer Platz. Selfie- und Autogrammchancen gibt es am roten Teppich vor dem Festivalpalast. Offen für jedermann ist auch die Lounge vor dem Berlinale-Palast: Auf der Gästeliste steht Filmprominenz wie Doris Dörrie, Jasmin Tabatabai, Senta Berger und Tom Schilling.

Soziale Berlinale

Berlinale: Solidarität mit dem iranischen Regisseur Panahi

Das Festival versteht sich als besonders politisch und setzt sich zum Beispiel für verfolgte Filmemacher in Iran ein. In der Reihe Kulinarisches Kino geht es traditionell nicht nur um gutes Essen, sondern auch um den Kampf für faire Lebensmittel. Erstmals wirbt die Berlinale um Spenden - für das Beratungszentrum für Folteropfer. Gemeinnützige Berliner Organisationen waren vom Festival eingeladen, Ehrenamtliche zu nennen, die als Paten zusammen mit Flüchtlingen Berlinale-Vorstellungen besuchen möchten.

20.02.2016, Quelle: Elke Vogel und Peter Claus, dpa
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