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merkzettel

Filmfestspiele in Berlin Michael Moore findet sein Utopia in Europa

BildMichael Moore
Regisseur Michael Moore im Ziegfeld Theater am 13.12.2015 in New York

(Quelle: ap)

VideoBeginn der 66. "Berlinale"
George Clooney während der Eröffnung der

Zu Deutschlands größtem Filmfestival haben sich zahlreiche Prominente angesagt. Beispielsweise Frauenschwarm George Clooney, der in der Komödie "Hail, Caeser!" mitspielt.

(11.02.2016)

VideoDieter Kosslick im Interview
Screenshot

Wie geht es im Moment den Kulturschaffenden in Iran? Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat das Land mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und einer Kulturdelegation besucht. Ein Interview ...

(28.10.2015)

von Maya Dähne, New York

Europa hat es einfach besser, findet Filmemacher Michael Moore. Der notorische Amerikakritiker hat wieder zugeschlagen. Pünktlich zum Wahljahr in den USA macht er sich in seinem neuen Film "Where to invade next" auf die Suche nach dem amerikanischen Traum - und findet ihn in Europa. 

Rassismus, Umweltverschmutzung, Übergewicht, Amerika hat Riesenprobleme, meint Michael Moore, "Probleme, die keine Armee der Welt lösen kann". In Schmuddeljeans, Baseballkappe und mit überdimensionaler US-Flagge unterm Arm macht er sich für seinen neuen  Film als Ein-Mann-Armee auf die Suche nach dem verloren gegangenen amerikanischen Traum und findet ihn - ausgerechnet in Europa.

Gelobtes Land Europa

In Italien bewundert er die großzügigen Urlaubsregelungen. In Norwegen den humanen Strafvollzug. In Frankreich genießt er das "Drei-Sterne-Menü" in den Schulkantinen. Und die Deutschen lobt er für ihren Umgang mit der Vergangenheit.

"Wir haben diesen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen. Und sie haben was draus gemacht", sagt Michael Moore in einem Fernsehinterview. "Warum können wir nicht zur Abwechslung etwas von der alten Welt lernen?"

Die Jury der Berlinale 2016 
  • Meryl Streep

    Meryl Streep (66) Präsidentin der Jury. Ihre Karriere begann die Schauspielerin noch während des Studiums, damals im Theater. Heute ist sie eine der -wenn nicht die - am häufigsten ausgezeichnete Schauspielerin ihrer Generation. Sie hat allein drei Oscars im Regal stehen und wurde bislang 19 mal für den Oscar nominiert, unter anderem auch für "Der Teufel trägt Prada" (2006), in dem sie die egomanischen Chefredakteurin Miranda Priestly spielte. Dafür erhielt sie einen ihrer acht Golden Globes - für diesen Preis der Hollywood Foreign Press Association wurde sie 29 mal nominiert.

  • Lars Eidinger

    Lars Eidinger (40): Der Film- und Theaterschauspieler ("Tatort", "Hamlet") hatte sich zunächst als Ensemble-Mitglied der Berliner Schaubühne einen Namen gemacht. Mit dem Film "Alle anderen" von Maren Ade gewann er 2009 den Silbernen Bären. Für die ARD-Produktion "Verhältnisse" wurde er 2010 als bester Hauptdarsteller für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

  • Clive Owen

    Clive Owen (51): Der Brite ("Inside Man", "The International", "King Arthur") begann seine Karriere als Theaterschauspieler in London, wo er in einigen Shakspeare-Stücken mitwirkte. Dort verliebte er sich als Romeo tatsächlich in seine Julia, Sarah-Jane Fenton, mit der er mittlerweile verheiratet ist. Owen bekam einen Golden Globe für die Rolle des brutal-subtilen Larry in der Verfilmung von "Hautnah".

  • Brigitte Lacombe

    Brigitte Lacombe: Die französiche Fotografin lebt in New York. Ihre Bilder sind unter anderem in Promi- und Modezeitschriften wie "Vanity Fair" oder "Vogue", aber auch in "The Financial Times" und "The New York Times Magazine" zu sehen. Lacombe fotografiert auch regelmäßig die Dreharbeiten von Regisseuren wie Martin Scorsese ("Wolf of Wall Street") oder Alejandro González Iñárritu ("The Revenant").

  • Alba Rohrwacher

    Alba Rohrwacher (36): Die Tochter eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter gab 2004 mit dem italienischen Film "L’amore ritrovato" von Carlo Mazzacurati ihr Leinwanddebüt. Rohrwacher wurde zweimal mit dem italienischen Filmpreis David di Donatello ausgezeichnet, als European Shooting Star wurde sie 2009 auf der Berlinale geehrt.

  • Malgorzata Szumowska

    Malgorzata Szumowska (42): Die polnische Filmemacherin ist Preisträgerin mehrerer internationaler Auszeichnungen. Sie gewann für ihre Regiearbeit in "33 Szenen aus dem Leben" den Silbernen Leoparden beim Filmfestival in Locarno in der Schweiz. Bei der Berlinale war sie bereits mit zahlreichen Filmen wie "Das bessere Leben" oder "Body", vertreten.

  • Nick James

    Nick James: Der Brite ist Filmkritiker, Autor und Kurator aus Großbritannien. Seit 1997 ist er Redakteur des Filmmagazins "Sight & Sound". Seine Artikel zu Film, Kunst und Literatur erschienen unter anderem in englischen Zeitungen wie "The Guardian" oder "The Observer". 2002 veröffentlichte er mit "Heat" sein Buch über den gleichnamigen Film von Michael Mann.

Märchenhaftes Studentenleben in Slowenien

Zum Beispiel von Slowenien, "einem Märchenland irgendwo in Europa", dessen Namen kaum ein Amerikaner aussprechen kann. "Hier ist eine äußerst seltene Spezies zu Hause: Studenten ohne Schulden", erklärt Michael Moore. Studiengebühren, Kredite, Schulden? Matej Zebovec, Student an der Uni von Ljubljana, hat keine Ahnung, wovon der dicke Amerikaner spricht. "So etwas gibt es hier nicht." Glückliche Slowenen, die zum Nulltarif studieren können.

Davon können Collegestudenten in den USA nur träumen. Ein Studienjahr kostet mehrere zehntausend Dollar. Sieben von zehn Studenten müssen einen Kredit aufnehmen, um ihr Studium zu finanzieren und verlassen die Uni mit einem durchschnittlichen Schuldenberg von 32.000 Dollar. Derzeit stottern 42 Millionen Amerikaner mehr als 1,3 Billionen Dollar an Studienkrediten ab.

Freiheit statt Knast in Norwegen

Nächste Station: Norwegen. Dort besucht Moore ein Gefängnis, das an ein Hotel erinnert. Es gibt keine Zellen, sondern Zimmer. In der Küche hantiert ein verurteilter Mörder mit Messern. Moore erfährt, dass die Höchststrafe in Norwegen bei maximal 21 Jahren liegt. Selbst der Massenmörder Anders Breivik, der bei seinem Amoklauf 2011 77 Menschen getötet hat, wird nicht länger im Gefängnis sitzen - auch wenn er danach in Sicherheitsverwahrung muss. Michael Moore schaudert ein bisschen, fragt sich dann aber, wieso in seinem Land Jugendliche schon wegen des Besitzes von Marihuana im Knast landen.

Weitere Links zum Thema
Tatsächlich sitzen in den USA mehr Menschen hinter Gittern als irgendwo sonst auf der Welt. 2,2 Millionen sind es derzeit und einer von neun Insassen verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. "Wir könnten hier in den USA tatsächlich von dem norwegischen Modell des Strafvollzugs lernen", meint nicht nur Michael Moore, sondern auch Marc Mauer, ein Experte für Strafvollzugsreform und Direktor des Sentencing Projects. "Die Begrenzung von Haftstrafen auf maximal 20 Jahre wäre absolut sinnvoll. Wir geben für jeden Häftling jährlich bis zu 30.000 Dollar aus. Wenn wir dieses Geld stattdessen in Jugend-Programme investieren würden, könnten wir die Kriminalitätsrate wirkungsvoller senken."

Europa im US-Wahlkampf

Island, Finnland, Portugal - wohin Moore mit seiner US-Flagge kommt, findet er europäische Antworten auf amerikanische Probleme. Dass er die alte Welt durch eine rosarote Brille sieht und sowohl Flüchtlingskrise als auch Euroschwäche komplett ausblendet, ficht ihn nicht an. Das Gras ist einfach grüner in der alten Welt.

Damit steht er im Wahljahr 2016 nicht allein. Gerade erst hat Hillary Clinton Deutschland zu einer Supermacht im Bereich der erneuerbaren Energien erklärt. Und ihr Konkurrent im Präsidentschaftswahlkampf, Bernie Sanders, schwärmt von staatlicher Krankenversicherung und Gratis-Studium à la Schweden.

Amerika ist noch nicht verloren

Am Ende seines Films läuft Moore mit leuchtenden Augen an den Resten der Berliner Mauer entlang. "Wer hätte gedacht, dass diese Mauer jemals fällt. Und wer hätte gedacht, dass Amerika einmal einen schwarzen Präsidenten wählen und die Homo-Ehe legalisieren würde." Seine Botschaft: Amerika ist noch nicht verloren - auch wenn ein gewisser Donald Trump gerade angekündigt hat, eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen, sollte er US-Präsident werden.

Wettbewerb um den Goldenen Bären

Berlinale 2016

Nadine Krüger

Die Berlinale ist für Kinogänger das größte Publikumsfestival der Welt. Jedes Jahr werden etwa 300.000 Eintrittskarten verkauft. Wichtigster Preis ist der Goldene Bär für den besten Film im Wettbewerb. Die Jurypräsidentin der 66. internationalen Filmfestspiele in Berlin ist Hollywood-Star Meryl Streep ("Jenseits von Afrika", "Der Teufel trägt Prada"). Im Wettbewerb konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Weitere Werke laufen außer Konkurrenz und in der Special-Reihe. 19 Filme erleben ihre Weltpremiere auf dem Festival.

Die Filme im Wettbewerb

Bären
  • "Alone in Berlin" (Jeder stirbt für sich allein) von Vincent Perez (Deutschland, Frankreich, Großbritannien)
  • "Boris sans Béatrice" (Boris without Béatrice) von Denis Côté (Kanada)
  • "Cartas da guerra" (Letters from War) von Ivo M. Ferreira (Portugal)
  • "Ejhdeha Vared Mishavad!" (A Dragon Arrives!) von Mani Haghighi (Iran)
  • "Fuocoammare" (Fire at Sea) von Gianfranco Rosi (Italien, Frankreich)
  • "Genius" von Michael Grandage (Großbritannien, USA)
  • "Hele Sa Hiwagang Hapis" (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) von Lav Diaz (Philippinen, Singapur)
  • "Kollektivet" (The Commune) von Thomas Vinterberg (Dänemark, Schweden, Niederlande)
  • "L’avenir" (Things to Come) von Mia Hansen-Løve (Frankreich, Deutschland)
  • "Midnight Special" von Jeff Nichols (USA)
  • "Quand on a 17 ans" (Being 17) von André Téchiné (Frankreich)
  • "Smrt u Sarajevu / Mort à Sarajevo" (Death in Sarajevo) von Danis Tanović (Frankreich, Bosnien und Herzegowina)
  • "Zjednoczone Stany Miłosci" (United States of Love) von Tomasz Wasilewski (Polen, Schweden)
  • "Zero Days" von Alex Gibney (USA)
  • "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached (Deutschland)
  • "Chang Jiang Tu" (Crosscurrent) von Yang Chao (China)
  • "Inhebbek Hedi" von Inhebbek Hedi (Tunesien, Belgien, Frankreich)
  • "Soy Nero" von Rafi Pitts (Deutschland, Frankreich, Mexiko)

Außer Konkurrenz

Berlinale
  • "Mahana" (The Patriarch) von Lee Tamahori, mit Temuera Morrison, Akuhata Keefe, Nancy Brunning, Jim Moriarty, Regan Taylor, Maria Walker (Neuseeland)
  • "Saint Amour" von Benoît Delépine und Gustave Kervern, mit Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Céline Sallette (Frankreich, Belgien)
  • "Chi-Raq" von Spike Lee, mit Nick Cannon, Wesley Snipes, Teyonah Parris, Jennifer Hudson, Angela Bassett, John Cusack, Samuel L. Jackson (USA)
  • "Des nouvelles de la planète Mars" (News from planet Mars) von Dominik Moll, mit François Damiens, Vincent Macaigne, Veerle Baetens, Jeanne Guittet, Tom Rivoire (Frankreich, Belgien)
  • "Hail, Caesar!" von Joel und Ethan Coen, mit George Clooney, Scarlett Johansson, Channing Tatum, Josh Brolin, Jonah Hill, Doph Lundgren, Robert Picardo (USA / Großbritannien)

Berlinale Special

65. Berlinale
  • "A Quiet Passion" von Terence Davies, mit Cynthia Nixon, Jennifer Ehle, Keith Carradine, Jodhi May, Catherine Bailey, Emma Bell, Duncan Duff (Großbritannien, Belgien)
  • "Creepy" von Kiyoshi Kurosawa, mit Hidetoshi Nishijima, Yuko Takeuchi, Teruyuki Kagawa, Haruna Kawaguchi, Masahiro Higashide (Japan)
  • "Den allvarsamma leken" (A Serious Game) von Pernilla August, mit Sverrir Gudnason, Karin Franz Körlof, Liv Mjönes, Michael Nyqvist, Mikkel Boe Følsgaard (Schweden, Dänemark, Norwegen)
  • "Miles Ahead" von Don Cheadle, mit Don Cheadle, Ewan McGregor, Emayatzy Corinealdi, LaKeith Lee Stanfield, Michael Stuhlbarg (USA)
  • "National Bird" (Dokumentarfilm) von Sonia Kennebeck (USA)
  • "The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble" (Dokumentarfilm) von Morgan Neville (USA)
  • "Where To Invade Next" (Dokumentarfilm) von Michael Moore (USA)
  • "The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger" (Dokumentarfilm) von Colin MacCabe, Christopher Roth, Bartek Dziadosz, Tilda Swinton (Großbritannien)

Eine kleine Berlinale-Chronologie

Berlinale

Die Berlinale feiert ihre 66. Ausgabe. Sie entwickelte sich vom "Schaufenster des Westens" im Nachkriegsdeutschland zu einem der wichtigsten Filmfestivals der Welt.

  • 1951: Start im Titania-Palast mit Alfred Hitchcocks "Rebecca".
  • 1970: Erstmals in der Berlinale-Geschichte wird der Wettbewerb abgebrochen. Auslöser ist der Film "o.k." des deutschen Regisseurs Michael Verhoeven. Es geht um die Vergewaltigung eines Mädchens durch US-Soldaten - das erhitzt zu Zeiten des Vietnamkriegs die Gemüter.
  • 1986: Jury-Präsidentin Gina Lollobrigida versucht vergeblich, die Auszeichnung des RAF-Films "Stammheim" von Reinhard Hauff mit dem Goldenen Bären zu verhindern.
  • 2000: Die Berlinale zieht aus dem alten Westen an den Potsdamer Platz.
  • 2001: Dieter Kosslick folgt als Festivalchef auf Moritz de Hadeln. Kosslicks Vertrag wird 2014 bis 2019 verlängert.
  • 2004: Fatih Akin gewinnt mit "Gegen die Wand" den Goldenen Bären.
  • 2015: Der iranische Film "Taxi" von Jafar Panahi  wird mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Karten und Promis

Berlinale: Anstehen für Tickets

Mehr als 400 Filme werden an elf Tagen in Dutzenden Kinosälen gezeigt. Karten gibt es drei Tage vor den Vorstellungen etwa am Potsdamer Platz oder im Kino International, im Internet oder an den Tageskassen der Kinos. Sie kosten von vier Euro für das Kinderprogramm bis 14 Euro für den Wettbewerb. Etwa 100.000 Besucher werden in der Stadt erwartet, dazu noch 20.000 Fachbesucher.

Promi-Gucken geht am besten rund um den Potsdamer Platz. Selfie- und Autogrammchancen gibt es am roten Teppich vor dem Festivalpalast. Offen für jedermann ist auch die Lounge vor dem Berlinale-Palast: Auf der Gästeliste steht Filmprominenz wie Doris Dörrie, Jasmin Tabatabai, Senta Berger und Tom Schilling.

Soziale Berlinale

Berlinale: Solidarität mit dem iranischen Regisseur Panahi

Das Festival versteht sich als besonders politisch und setzt sich zum Beispiel für verfolgte Filmemacher in Iran ein. In der Reihe Kulinarisches Kino geht es traditionell nicht nur um gutes Essen, sondern auch um den Kampf für faire Lebensmittel. Erstmals wirbt die Berlinale um Spenden - für das Beratungszentrum für Folteropfer. Gemeinnützige Berliner Organisationen waren vom Festival eingeladen, Ehrenamtliche zu nennen, die als Paten zusammen mit Flüchtlingen Berlinale-Vorstellungen besuchen möchten.

12.02.2016
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