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merkzettel

Deutscher Fleischatlas 2016 Immer mehr Fleisch zu Dumpingpreisen

GrafikFleischatlas: Konsum in Ländern
Infografik: Die Essgwohnheiten der Deutschen

(Quelle: zdf)

VideoFleischverzehr in Deutschland
Menge des Fleischkonsums eines Deutschen im Durchschnitt.

Am liebsten essen die Deutschen Fleisch - durchschnittlich 60 Kilogramm im Jahr . Laut "Fleischatlas" ist die Verteilung im Westen und im Osten jedoch sehr unterschiedlich.

(13.01.2016)

VideoGequälte Tiere, spätes Verbot
Schwein in der Box

Seit Jahren wurden in den Betrieben des Schweinezüchters Straathof massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt - Frontal21 berichtete. Nun wurde ein Tierhaltungsverbot gegen ihn verhängt.

(16.12.2014)

80 Prozent der Deutschen sind bereit, für Fleisch aus besserer Tierhaltung mehr Geld auszugeben. Trotzdem wird hierzulande immer mehr Dumpingfleisch in immer mehr Megaställen produziert. Experten fordern eine Ende dieses Irrsinns. 

In Deutschland wird dem Fleischatlas 2016 zufolge immer mehr Schweine - und Geflügelfleisch zu Dumpingpreisen produziert. Zugleich gehe das Sterben der Bauernhöfe ungebremst weiter. Der Trend zu Megaställen mit Zehntausenden Tieren bei einem gleichzeitigen massiven Preisverfall für Fleisch sei ungebrochen, sagte Vorstand Barbara Umüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung bei der Vorstellung der Publikation in Berlin. Der zum dritten Mal erschienene Fleischatlas wird von der Stiftung gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) herausgegeben.

Die Produktion von Schweinefleisch stieg von 3,7 Millionen im Jahr 1994 auf heute 5,5 Millionen Tonnen. Beim Geflügelfleisch wuchs die Produktion zwischen 1994 und 2014 von 350.000 auf eine Million Tonnen. Die Zuwachs basiere ausschließlich auf Massenproduktion in Megaställen, kritisierte Unmüßig. Kleine Erzeuger könnten nicht mehr mithalten. "In den vergangenen 15 Jahren mussten bis zu 80 Prozent der Betriebe und Bauernhöfe die Tierhaltung aufgeben, während gleichzeitig bis zu 50 Prozent mehr Fleisch produziert wird", sagte Unmüßig. Ein Großteil davon gehe in den Export.

Betriebe werden immer größer

Massiv seien das Höfesterben, Konzentrationsprozesse und die zunehmende Industrialisierung vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen in der Rinder- und Schweinezucht. Doch auch in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg nehme zwar die absolute Zahl der Schweine- und Hühnerhaltungen ab, die Betriebe würden jedoch immer größer.

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"Wenn bei steigenden Produktionsmengen in Bayern fast 30.000 Betriebe und in Niedersachsen mehr als 13.000 Höfe die Schweinehaltung aufgeben, dann haben wir es mit einem tiefgreifenden Strukturwandel zu Lasten kleinbäuerlicher und mittelständischer Betriebe zu tun", kritisierte Unmüßig. Zugleich mache diese Landwirtschaft noch abhängiger von Futtermittelimporten aus dem Ausland, wo Sojamonokulturen bereits heute soziale und ökologische Verheerungen anrichteten.

Massentierhaltung gefährdet Trinkwasserversorung

"Wir haben einen Prozess, von dem alle betroffen sind und von dem zunehmend immer weniger profitieren", kritisierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. In Deutschland werde eine Tierhaltung betrieben, die die Tierquälerei fördere, gegen gängige Regeln verstoße und keine Existenzen mehr sichere.

Zentrum der Fleischproduktion sei neben Nordrhein-Westfalen vor allem Niedersachsen, wo Mitte 2015 bereits rund vier Millionen Mastschweine gezählt wurden. Nach Recherchen des BUND wurden zwischen 2012 und 2015 von den niedersächsischen Behörden trotzdem über 150.000 weitere Schweinemastplätze neu genehmigt. Im Kreis Vechta produzierten knapp 800 Schweinemäster mehr Tiere als in ganz Schleswig-Holstein oder Hessen. Dies gefährde die Trinkwasserversorgung und gehe oftmals mit einer Missachtung des Tierwohls einher, kritisierte Weiger. Eine ähnliche Entwicklung gebe es in der Geflügelfleischproduktion.

BUND: Politik in der Pflicht

Laut "Fleischatlas Deutschland Regional 2016" wächst die Fleischproduktion in jenen Bundesländern am stärksten, in denen bereits überdurchschnittlich viele Tiere gemästet werden. Neue Tierfabriken würden geplant, wo die Auswirkungen der Fleischindustrie bereits am deutlichsten zu spüren sei. So seien dort die Ammoniak-Emissionen aus den Ställen und die Nitratwerte im Grundwasser jetzt schon inakzeptabel hoch.

Zitat

"Wir produzieren Fleisch für den Export und die Scheiße bleibt hier!"

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger

Weiger sieht vor allem die Politik in der Pflicht, etwas zu verändern. Agrarsubventionen müssten künftig stärker an Kriterien wie der Leistung der Betriebe für das öffentliche Wohl gebunden werden, Tierhaltung dürfe nur genehmigt werden, wenn es eine eigene Futtergrundlage gibt. Sonst gebe es keine Chance auf Veränderung. Um gegenzusteuern helfe nur, "runter mit der Menge und rauf mit den Preisen", so der BUND-Vorsitzende.

13.01.2016, Quelle: epd
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