25.07.2016
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Flüchtlinge auf Lesbos Die bedrückende Routine mit den Flüchtlingen

BildFlüchtlingsboot vor Lesbos
Griechenland: Flüchtlingsboot vor Lesbos - Aufnahme vom 28.02.2016

(Quelle: ap)

VideoDe Maiziere: Zustand nicht tragbar
Thomas de Maizière in Berlin.

Bundesinnenminister de Maizière im Gespräch mit Christian Sievers über die Flüchtlingssituation in Idomeni. Die Notsituation könne sofort beendet werden. Die Politik des Durchwinkens sei vorbei.

(10.03.2016)

VideoÄgäis: Fünf Flüchtlinge ertrunken
Bei einem Bootsunglück vor der türkischen Küste sind fünf Flüchtlinge ums Leben gekommen, darunter ein Baby. Medienberichten zufolge war das Boot auf dem Weg zur griechischen Insel Lesbos gekentert.

Bei einem Bootsunglück vor der türkischen Küste sind fünf Flüchtlinge ums Leben gekommen, darunter ein Baby. Medienberichten zufolge war das Boot auf dem Weg zur griechischen Insel Lesbos gekentert.

(10.03.2016)

VideoSituation in Idomeni unverändert
Das Zeltlager der Flüchtlinge in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien.

Die Flüchtlinge in Idomeni harren weiter an der Grenze aus. Jedoch haben einige auch schon die Rückreise nach Athen angetreten. Bundeskanzlerin Merkel kritisiert die Schließung der Balkanroute.

(10.01.2016)

Die Balkanroute ist dicht. NATO-Schiffe patroullieren in der Ägäis. Trotzdem strömen weiter Tausende Flüchtlinge nach Griechenland - in der verzweifelten Hoffnung, doch noch nach Westeuropa zu gelangen. Auf der Insel Lesbos ist das Chaos längst verwaltete Routine. 

Die schlimmste Zeit erlebte Lesbos im vergangenen Oktober. Damals säumten so viele orangefarbene Rettungswesten das Nordufer der Ägäisinsel, dass die Küste bereits beim Anflug auf die Inselhauptstadt Mytilini grell umrissen leuchtete. Zu Höchstzeiten setzten täglich mehrere tausend Flüchtlinge über. Ungezählt sind jene, die in der nur wenige Kilometer schmalen Meerenge zur Türkei ihr Leben ließen. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile zurückgegangen; für die Flüchtlinge jedoch hat die Reise nichts von ihrem Schrecken eingebüßt.

Immer mehr Hilfsorganisationen vor Ort

Zielstrebig stampft die "Minden" durch Wind und Wellen. Die Besatzung des deutschen Seenotrettungskreuzers hat vor der Ostküste von Lesbos durch die Feldstecher ein Schlauchboot entdeckt. Kurze Zeit später werden 35 durchnässte Menschen an Bord geholt. 1.000 Euro hätten sie pro Person für die Überfahrt gezahlt, berichten sie - ein günstiger Preis wegen des schlechten Wetters. Zuvor waren sie 21 Tage lang unterwegs, die Türkei haben sie zum Großteil zu Fuß durchquert, um Geld für die Schleuser zu sparen.

Immerhin kommen diese Menschen heil auf Lesbos an. Viele andere vor ihnen konnten nur tot aus dem Meer geborgen werden. Davon zeugt der überfüllte Friedhof von Mytilini, der mittlerweile für Fotografen geschlossen ist. "Unbekannt", steht auf kleinen Tafeln, die dort aus frischen Erdhügeln ragen, oder auch "Baby, drei Monate alt". Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern wurden so beerdigt, dass ihre Gräber Richtung Mekka zeigen.

Die Zahl der Todesopfer in der östlichen Ägäis hat in den vergangenen Wochen abgenommen, weil immer mehr Hilfsorganisationen vor Ort sind. Neben der griechischen Küstenwache, der griechischen Marine und der "Minden" kreuzen Boote der Organisationen Greenpeace und Ärzte ohne Grenzen entlang der griechisch-türkischen Grenze. Und manche Schlauchboote schaffen es ja auch alleine bis zur Insel.

"Es scheint, Lesbos ist stärker als so manche große Nation"

Dann aber wollen die Menschen nur eines: Richtung Norden. "Nach Deutschland!", sagen zwei Afghanen, die am Hafen von Mytilini auf die Fähre warten. Auf den Einwand, die Balkanroute sei geschlossen, antworten sie: "Inschallah (so Gott will), alles ist möglich."
"Alles ist möglich" - das könnte auch das Motto von Spyros Galinos sein, dem Bürgermeister von Lesbos. Galinos war einer der ersten, die im vergangenen Jahr forderten, die Registrierung der Flüchtlinge in der Türkei anzusiedeln, damit die Menschen die gefährliche Reise nicht erst auf sich nehmen müssten. Er plädierte sogar für regulären Fährverkehr von der Türkei nach Lesbos - "alles, nur dass die Menschen nicht vor unserer Insel ertrinken!"

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Man bestrafe die Flüchtlinge zweimal, sagt er auch heute noch - einmal durch den Krieg in der Heimat und dann noch einmal, indem man sie den Menschenschmugglern ausliefere.
Galinos blieb ungehört, und nicht zuletzt deshalb gibt er bis heute nicht viel auf das, was international auf höchster politischer Ebene besprochen und gedealt wird. Ihm geht es um die Situation vor Ort. "Wir haben den Hotspot als einzige wie gewünscht rechtzeitig fertiggestellt. Wir haben außerdem fünf weitere Auffanglager eingerichtet. Im Moment beherbergen wir hier bis zu 6.000 Menschen und entlasten dadurch die Situation auf dem Festland. Die Flüchtlinge könnten hier sogar arbeiten, wenn es rechtlich die Möglichkeit gäbe", sagt er.

Entsprechend kann Spyros Galinos sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. "Wenn ich von europäischen Ländern höre, die ihre Grenzen schließen, weil sie 2.000 Flüchtlinge aufgenommen haben, dann kann ich nur lachen. Es scheint, Lesbos ist stärker als so manche große Nation."

Flüchtlinge kommen weiter

Galinos hat im Vergleich zu anderen auch deshalb schnell gehandelt, weil er die Wirtschaft der Insel retten will - Medien prophezeien Lesbos für den Sommer 2016 einen Buchungsrückgang von 90 Prozent. Zu Unrecht, sagen Besucher vor Ort. "Wenn man in Mytilini rumläuft, ist von Flüchtlingen nichts zu sehen", berichtet ein Deutscher. "Nur wenn die Fähren Richtung Festland abfahren, sieht man sie am Hafen. Oder wenn man morgens an die entsprechenden Strände hoch im Norden der Insel geht." Dort kommen sie weiterhin an - trotz Gipfeltreffen zwischen Türkei und EU und trotz der NATO-Präsenz in der Ägäis.

Hoffnungsanker Lesbos

Karte

Karte: Lesbos

Lesbos liegt nur neun Kilometer von der türkischen Küste entfernt, von der Schleuser täglich versuchen, Hunderte Flüchtlinge nach Europa zu bringen.

Lesbos: Wut auf die Schlepper

Verlassenes Schlepperboot auf Lesbos

Tag für Tag legen völlig überladene Boote mit Flüchtlingen von der türkischen Küste zur griechischen Insel Lesbos ab. Für viele endet die Hoffnung auf ein besseres Leben mit dem Tod. Bei Bewohnern und Flüchtlingen wächst die Wut auf die Schleuser.

Türkei: Warten auf die Chance

Ankunft von Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos.

Für hunderttausende Flüchtlinge startet der Weg nach Europa in der Türkei. Täglich kommen weitere Flüchtlinge in Ayvacik an und wollen über die gefährliche Seeroute nach Lesbos.

11.03.2016, Quelle: von Alexia Angelopoulou
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