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Hoaxmap entlarvt Falschmeldungen Flüchtlinge, die Kinder essen?

VideoFalsche Gerüchte über Flüchtlinge
Hoaxmap

Ob Sexueller Missbrauch oder Diebstahl - im Netz gibt es viele Gerüchte über angebliche Verbrechen von Flüchtlingen. Karolin Schwarz sammelt die Falschmeldungen auf der Internetplattform Hoaxmap.

(22.02.2016)

VideoFälschungen im Internet
Andre Wolf vom Verein Mimikama im Gespräch mit Andrea Ballschuh

In Bezug auf die Flüchtlingskrise wird im Internet viel diskutiert. Dabei werden auch oft Meldungen verbreitet, die gar nicht stimmen. Der Verein Mimikama ist diesen Falschmeldungen auf der Spur.

(01.02.2016)

VideoDauerhysterie im Netz?
Falschmeldungen im Iinternet

Gerüchte und Falschmeldungen sind so fiebrig wie ein Virus und genauso schwierig wieder einzufangen. Selbst Diplomaten geraten in den Infostrudel.

(29.01.2016)

VideoGerüchte über Flüchtlinge
Internetseite

Immer wieder kursieren in den sozialen Medien Falschmeldungen über Straftaten von Flüchtlingen. Was dran ist und wie die Polizei reagiert, zeigen drei Beispiele.

(21.01.2016)

Flüchtlinge, die Kinder essen? Oder sich für Versicherungsbetrug selbst verletzen? Solche Gerüchte verbreiten sich rasend schnell. Die Website hoaxmap.org hält die Fakten dagegen - mit einer interaktiven "Gerüchtelandkarte". 

Im Netz begegnet man immer mehr Gerüchten über angebliche Verbrechen von Flüchtlingen oder Asylbewerbern.  hoaxmap.org knöpft sie sich vor und rückt sie zurecht. Haben sich Flüchtlinge vor Autos geworfen, um Geld von der Versicherung zu kassieren? Gibt es für deutsche Kinder keine Kitaplätze mehr, weil sie an Flüchtlingskinder vergeben werden? Haben Flüchtlinge ein Pferd gestohlen und geschlachtet? Das Gerüchtespektrum ist breit und lässt kaum ein Thema aus.

Von A wie Aschaffenburg bis W wie Wuppertal

Und ein Gerücht kann gar nicht absurd genug sein, als dass es nicht jemanden gibt, der es glaubt, sagt Karolin Schwarz aus Leipzig, die das Konzept zu Hoaxmap entwickelt hat. Die Masse der Gerüchte, von der sie seit vergangenem Sommer während ihrer ehrenamtlichen Arbeit in einer Erstaufnahmeeinrichtung gehört hat, habe für sie den Ausschlag gegeben, die Website zu starten, erzählt die 30-Jährige. Und die Vehemenz, mit der sie sich verbreiten, nehme weiter zu.

Weitere Links zum Thema
"Als wir angefangen haben zu sammeln, hatte ich einen Google-Alert eingerichtet, Suchmaschinen benutzt und Twitter beobachtet." Inzwischen kommen viele Hinweise auf entsprechende Gerüchte aber auch per Mail oder Mitteilung an den Twitter-Account. Mehr als 230 Beispiele listet Hoaxmap bereits auf, aus ganz Deutschland von A wie Aschaffenburg bis W wie Wuppertal und darüber hinaus auch aus Österreich. Gerüchte über Einbrüche sind ebenso darunter wie solche über Plünderungen, Störung der Totenruhe, Tierquälerei oder versuchten Totschlag.

Widerlegt durch etablierte Medien

Ein Klick in die interaktive Googlemaps-Karte führt zu dem betreffenden Ort und dem Gerücht, das mit ihm in Verbindung steht. Ein Link leitet weiter zur Berichterstattung der regionalen Presse, die den Fall gecheckt hat oder zum Polizeibericht dazu. Dort lassen sich dann die Fakten nachlesen - die zeigen, dass an dem Gerücht nichts dran ist. Schließlich listet die Website ausdrücklich "hoaxes" auf, also Falschmeldungen. "Die Hoaxmap ist aus dem Wunsch entstanden, eine Ordnung in die Vielzahl gestreuter Gerüchte zu bringen", heißt es auf der Website. "Sämtliche ‚Auflösungen‘ sind etablierten Medien entnommen und verlinkt."

Nach der Beobachtung von Karolin Schwarz brodelt es in der Gerüchteküche seit Mitte 2015 noch deutlich mehr als vorher. Bei dem ersten Fall, an das sie sich noch erinnert, ging es um Flüchtlinge, die angeblich in Leipzig gerade einen Supermarkt geplündert hatten. Auch die wildesten Gerüchte können sie kaum noch beeindrucken. "Überraschend ist nur, dass sie sich wirklich so stark verbreiten", sagte Schwarz. Die Summe auf der Website wächst kontinuierlich. "Wir arbeiten auch noch Fälle aus 2015 nach", sagt Schwarz. Und: Hoaxmap erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, betonen die Organisatoren. "Ergänzungen gern an mail@hoaxmap.org oder  @hoaxmap auf Twitter."

Fakes auf der Spur

Mimikama

Screenshot der Website Mimikama

Eine zuverlässige Informationsquelle ist die österreichische Webseite mimikama.at. Hier werden Falschmeldungen sorgfältig geprüft. Die Seite gibt es seit März 2011. Mimikama ist Suaheli und bedeutet "Gefällt mir". Unter dem Dachverband Mimikama laufen mehrere Projekte, das größte ist ZDDK ("Zuerst denken dann klicken").

Der Gründer Tom Wannenmacher wurde damals selber Opfer eines Betrugs eines Online-Spiels bei Facebook. Um solche Schwindeleien aufzuklären und andere Menschen zu warnen, kam er auf die Idee von Mimikama. Mittlerweile arbeiten zwei hauptberufliche und 25 ehrenamtliche Mitarbeiter in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Mimikama ist auch auf Facebook aktiv.

Bilder genau nachrecherchieren

Screenshot

Die umgekehrte Bildersuche bei Google oder beim Bildersuchdienst tineye.om kann solche Manipulationen aufdecken. Zuerst wird das fragliche Bild auf die eigene Festplatte kopiert. Dann zieht man das Foto mit der Maus in die Eingabezeile der Bildersuche. Anschließend wird eine Trefferliste mit Webseiten angezeigt, auf denen das Bild zu finden ist. Oft wird schon durch die ersten Links klar, ob das Foto tatsächlich zeigt, was die Bildunterschrift behauptet. Zuweilen muss man sich durch die Trefferliste hangeln, bis man aussagekräftige Quellen gefunden hat.

Umgekehrte Videosuche

Screenshot

Die umgekehrte Suche gibt es auch für Videos, die bei YouTube veröffentlicht wurden. Amnesty International hat den YouTube DataViewer entwickelt und ins Netz gestellt. Hier gibt man die YouTube-Adresse eines Videos ein, und das Tool liefert das Upload-Datum sowie einige Vorschaubilder des Videoclips, die bereits mit der umgekehrten Bildersuche bei Google verlinkt sind. Die Google-Trefferlisten präsentieren dann Links zu Webseiten, die das Video enthalten und Aufschluss geben können, ob es authentisch ist.

(Quelle: Alfred Krüger)

22.02.2016, Quelle: dpa, epd
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