01.07.2016

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Flüchtlingskrise Grenzdrama in Griechenland: Fragen und Antworten

BildStecken fest: Flüchtlinge
Flüchtlinge an der Grenze von Griechenland nach Mazedonien am 01. März 2016

(Quelle: dpa)

VideoLage an der Grenze eskaliert
Michael Bewerunge an der griechisch-mazedonischen Grenze.

Mittlerweile sind über 8000 Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze und es werden mehr, so Michael Bewerunge.

(29.02.2016)

VideoTränengas gegen Flüchtlinge
Syrische Flüchtlinge an der Grenze zu Mazedonien in Idomeni am 29. Februar 2016

An der Grenze zu Griechenland stürmen hunderte Flüchtlinge eine Bahntrasse. Tausende Menschen sitzen dort seit Tagen fest. Die Polizei setzt Tränengas ein, so Michael Bewerunge.

(29.02.2016)

VideoProteste in Idomeni
Flüchtlinge an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien am 27.02.2016

Sie stehen vor dem Grenzübergang Idomeni in Griechenland und kommen nicht weiter. Über 5.000 Flüchtlinge wollen über die Grenze nach Mazedonien.

(27.02.2016)

So hat man sich das Management in der Flüchtlingskrise in Brüssel nicht vorgestellt - sagt Brüssel: Die EU-Kommission macht sich Sorgen wegen der Lage an der griechisch-mazedonischen Grenze. Finanzhilfen sind geplant. Wie schlimm ist die Situation? Fragen und Antworten. 

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Brüssel sei "sehr besorgt" über die Bilder von der Grenze, sagte Kommissionssprecher Margaritis Schinas. "Das ist nicht unsere Vorstellung, wie die Krise gemanagt werden sollte." Die Bilder machten deutlich, dass es "nur eine gemeinsame, europäische Lösung geben kann". Kommissionschef Jean-Claude Juncker habe mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras telefoniert und ihm "unerschütterliche Unterstützung" zugesichert.

Brüssel plant Finanzhilfen

Am Montag hatte die mazedonische Polizei Tränengas gegen Flüchtlinge eingesetzt, die versucht hatten, von der griechischen Seite aus die Grenzanlagen zu durchbrechen. Seit der weitgehenden Grenzschließung durch Mazedonien stauen sich Zehntausende Migranten in Griechenland.

Griechenland arbeitet derweil auf Hochtouren am Bau von Flüchtlingslagern. Die Kosten gehen in dreistellige Millionenhöhe - viel Geld angesichts der klammen Finanzlage des Landes. Am Mittwoch will die EU-Kommission Pläne zu Finanzhilfen für EU-Staaten vorlegen, die durch die Flüchtlingskrise in eine Notlage geraten sind. Wird das den Griechen helfen? Fragen und Antworten:

Griechenland - ein Flüchtlingslager?

Kann Griechenland mit dem Zustrom fertig werden?

Archiv - Flüchtlinge von der türkischen Küste auf der griechischen Insel Lesbos am 18.12.2015

Ohne Hilfe der EU und des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) nicht. Das Land befindet sich im sechsten Jahr einer schweren Finanzkrise. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist verarmt. Griechenland kann schon diese eigenen Bürger gerade noch ernähren. Lässt man die Griechen jetzt allein, führt das zu einer humanitären Katastrophe im Süden Europas.

Wie viele Flüchtlinge sitzen fest?

Flüchtlinge an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien am 27.02.2016

Bislang sind nach Regierungsangaben in Griechenland mehr als 30.000 Flüchtlinge gestrandet. Tendenz steigend. Athen hat bereits verschiedene Szenarien ausgearbeitet. Sollten - im günstigsten Fall - höchstens 100.000 Migranten im Land festsitzen, könnte es demnach den Griechen mit Hilfe der EU gelingen, die Lage unter Kontrolle zu behalten. Sollten allerdings - das wäre der worst case - 200.000 oder noch mehr Migranten nicht mehr aus Griechenland in Richtung Mitteleuropa weiterkommen, könnte die Lage außer Kontrolle geraten.

Wie viel Hilfe braucht Griechenland?

Typical: Mazedonische Polizeibeamte prüfen Dokumente von Flüchtlingen bevor sie die Grenze überqueren am 09.12.2015

Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sollen Staaten wie Griechenland in den nächsten drei Jahren bis zu 700 Millionen Euro bekommen. Das schlug der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides vor. Die ersten 300 Millionen sollen so schnell wie möglich schon im laufenden Jahr fließen. Dazu will die EU-Kommission den EU-Staaten und dem Europaparlament einen Nachtragshaushalt vorschlagen. Je 200 Millionen Euro sind für 2017 und 2018 vorgesehen. Griechenland hatte nach Medienberichten ein EU-Hilfspaket von 470 Millionen Euro beantragt.

In Mittel- und Nordgriechenland werden mehrere kleinere Aufnahmelager gebaut. 50.000 Menschen sollen dort untergebracht werden. Weitere 50.000 sollen in einfachen Hotels wohnen. Gut 8.200 Polizisten, Ärzte, Sanitäter und zivile Beamte sollen für Ordnung, die medizinische Versorgung und die Verpflegung der Migranten sorgen.

Wie sind die Reaktionen in Griechenland?

Flüchtlinge in Griechenland - Aufnahme vom 20.07.2015

Es ist erstaunlich: Trotz der schweren Finanzkrise gibt es unter der Bevölkerung eine Welle der Solidarität mit diesen Menschen. Auch Rentner und ärmere Menschen gehen zu den "Plätzen des Elends", wie die Sammelorte im Zentrum Athens von den Medien genannt werden. Sie helfen Migranten mit Essen und Kleidung. Die Griechen haben seit Jahrtausenden enge Kontakte mit allen Völkern des Nahes Ostens und des Mittelmeerraumes gehabt und empfinden in ihrer Mehrheit Syrer und Iraker trotz des anderen Glaubens nicht als Fremde. Überfälle auf Migranten hat es bislang kaum gegeben. Es gab zwei Brandstiftungen in Hallen, in denen Migranten untergebracht werden sollten. Hinter den Anschlägen werden rechtsextremistisch gesinnte Griechen vermutet.

Gibt es Alternativ-Routen?

Karte

Menschenschmuggler versprechen verzweifelten Menschen gegen Geld alternative Wege, um nach Mitteleuropa zu kommen. Wenn man den Aussagen der Migranten glaubt, dann handelt es sich um eine neue Route durch Albanien über Montenegro und Kroatien. Alternativ dazu wird von den Schleusern eine schnelle Überfahrt von Otranto aus Albanien nach Italien angeboten. Andere Schleuser versprechen eine Fahrt bis Westgriechenland und danach - versteckt in einem Lastwagen - die Weiterfahrt auf einer Fähre, die aus einem der westgriechischen Häfen nach Italien fahren. Bislang jedoch wird vor allem über diese alternative Route gesprochen. Ein großer Flüchtlingsandrang wurde in Albanien noch nicht registriert.

Hat das Grenzdrama Auswirkungen auf Deutschland?

Flüchtlinge an deutsch-österreichischer Grenze - 3. November 2015

Sollten demnächst über neue Routen wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ändert sich wenig. Falls ihnen der Weg aber dauerhaft versperrt sein sollte, könnte dies eine innenpolitische Entlastung für die Große Koalition bedeuten. Bundeskanzlerin Angela Merkel  warnt vor nationalen Alleingängen wie in Österreich. Sie sagt: "Das ist nicht mein Europa." Die Regierung in Wien findet das inkonsequent. Sie weist Kritik an ihren Obergrenzen für Asylbewerber zurück. Bundeskanzler Werner Faymann sagt: "Bis Österreich kann man leider nur in die Luft schauen und ab Österreich will man uns einen Ratschlag erteilen - auf diese Art Ratschlag können wir verzichten."

Die Flüchtlingshelfer fragen sich: Entstehen in Griechenland jetzt riesige Lager? Oder kommt ein Signal aus Deutschland, so wie im September 2015? Damals waren Flüchtlinge mit Bussen in Budapest abgeholt worden. Die meisten von ihnen blieben in Deutschland. Bisher lehnt Merkel allerdings eine Aufnahme der in Idomeni gestrandeten Flüchtlinge ab.

01.03.2016, Quelle: dpa, epd, reuters
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