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Flüchtlinge in Griechenland Hoffen gegen die Realität

BilderserieFlüchtlinge in Idomeni
Flüchtlinge in Idomeni am 10.03.2016
VideoSituation in Idomeni unverändert
Das Zeltlager der Flüchtlinge in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien.

Die Flüchtlinge in Idomeni harren weiter an der Grenze aus. Jedoch haben einige auch schon die Rückreise nach Athen angetreten. Bundeskanzlerin Merkel kritisiert die Schließung der Balkanroute.

(10.01.2016)

VideoDe Maiziere: Zustand nicht tragbar
Thomas de Maizière in Berlin.

Bundesinnenminister de Maizière im Gespräch mit Christian Sievers über die Flüchtlingssituation in Idomeni. Die Notsituation könne sofort beendet werden. Die Politik des Durchwinkens sei vorbei.

(10.03.2016)

Die Balkanroute ist dicht. Einige der vielen tausend Flüchtlinge, die immer noch nach Griechenland strömen, erfahren davon erst bei ihrer Ankunft. Andere wissen von den Grenzschließungen - und hoffen trotzdem verzweifelt, irgendwie nach Westeuropa zu gelangen. 

Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mitteilte, trafen allein am Mittwoch 3.340 Migranten auf den griechischen Inseln in der Ostägäis ein. Der NATO-Einsatz zur Kontrolle der Schleuseraktivitäten in der Ägäis läuft in vollem Umfang seit Montag.

Dabei wird die Lage der Flüchtlinge in Griechenland immer verzweifelter. Seitdem Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien nur noch Menschen mit gültigen Pässen und Visa passieren lassen, ist die Balkanroute in Richtung Westeuropa faktisch dicht.
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Katastrophale Zustände in Idomeni

Allein an der griechischen Grenze zu Mazedonien harren mindestens 13.000 Menschen aus. Insgesamt sitzen inzwischen rund 42.000 Menschen in Griechenland fest, mehrere tausend weitere in den Ländern entlang der Balkanroute. 

Besonders dramatisch ist die Lage in Idomeni. Der anhaltende Regen hat das Aufnahmelager an der Grenze zu Mazedonien in eine Schlammwüste verwandelt. Hunderte Menschen, unter ihnen auch viele Kinder, leiden unter schweren Erkältungen, Atemwegebeschwerden und Durchfall, sagten Ärzte des kleinen Krankenhauses der Ortschaft Polykastro nahe Idomeni.

Bereits mehr als 250 Migranten hätten das Lager freiwillig verlassen, berichteten griechische Medien. Vor allem Familien seien mit Bussen in organisierte Lager im Großraum Athen gebracht worden. Vertreter der griechischen Behörden, aber auch Hilfsorganisationen ermutigen die Menschen abzureisen. Es sei sinnlos, im Schlamm zu warten, weil die Grenze zu Mazedonien vorerst nicht aufgemacht werde, hieß es.

Türkei nimmt Migranten zurück

Die Türkei nahm zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage eine größere Gruppe Migranten zurück. Die griechischen Behörden hätten mit einem Polizeibus 90 Menschen abgeschoben, die aus Pakistan, Marokko, Algerien und Tunesien gekommen seien, berichtete das Staatsfernsehen (ERT). Bereits am 1. und 2. März hatte Griechenland 267 Menschen in die Türkei zurückgeschickt, die sich geweigert hatten, im Land Asyl zu beantragen.

Idomeni - Fragen und Antworten

Die Hoffnung schwindet immer mehr

Flüchtlinge in Idomeni

42.000 Flüchtlinge stecken in Griechenland fest, 13.000 von ihnen im Übergangslager in
Idomeni, nachdem die Staaten nördlich von Griechenland die sogenannte Balkanroute in die Mitte Europas gesperrt haben. Die Menschen harren dort unter widrigsten Umständen aus. Wie lange noch? Dazu einige Fragen und Antworten.

Wie sind die Zustände in Idomeni?

Das Lager war ursprünglich für 2.000 Menschen angelegt - für sie gibt es Plätze in wetterfesten Großzelten. Schon in den letzten Wochen vor der Grenzsperre hat Mazedonien den Durchlass von Asylsuchenden stark gedrosselt. So entstand in Idomeni ein Rückstau an Menschen. Helfer verteilten an sie kleine Kuppelzelte, mit denen sie sich auf den Wiesen und Feldern rund um das eigentliche Lager niederließen.

Wie ist das Wetter?

Seit zwei Tagen regnet es beinahe unablässig. Die Wiesen und Felder haben sich in Schlammwüsten verwandelt. In den Nächten wird es noch richtig kalt. Vor allem die Kinder frieren und werden wegen Kälte und Durchnässung häufig krank. Ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sagte am Donnerstag: "Das ist kein Ort, an dem Menschen leben können."

Warum harren die Asylsuchenden trotzdem aus?

Viele hoffen immer noch darauf, dass sich das Grenztor nach Mazedonien wieder öffnet, und diesen Moment wollen sie nicht verpassen. Andere merken vielleicht schon, wohin sich die Lage entwickelt hat, wollen aber die Veränderung nicht wahrhaben.

Woher kommen die Menschen?

Die meisten kommen aus Syrien, wo seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg wütet. Es gibt aber auch viele Iraker, unter ihnen wiederum besonders Kurden aus Gebieten, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert oder angegriffen werden. Mehr als die Hälfte der Lagerbevölkerung sind Frauen und Kinder.

Wird die Grenze zu Mazedonien wieder geöffnet?

Es deutet nichts darauf hin. Beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel ist zwar in der Schlusserklärung die Formulierung über die Schließung der Balkanroute auf Drängen Deutschlands abgeschwächt worden. Doch die Balkanstaaten nördlich von Griechenland sowie Österreich, das auf eine Abschottungslinie gegenüber Flüchtlingen umgeschwenkt ist, haben vollendete Tatsachen geschaffen.

Erwägt Griechenland eine Räumung des Lagers?

Die Regierung in Athen lehnt eine Zwangsräumung unter Einsatz der Bereitschaftspolizei dezidiert ab. Vielmehr will sie die Menschen dazu überreden, auf freiwilliger Basis in Aufnahmelager zu ziehen, die über ganz Griechenland verstreut sind.

Freiwillig in Aufnahmezentren?

Theoretisch schon. Aber vorerst fehlt es an Aufnahmezentren in geeigneter Zahl und Größe. Diese würden aber derzeit aufgebaut, wird in Athen versichert. Schon jetzt kann man Busse sehen, die Menschen aus Idomeni wegbringen. Sie fahren nach Athen und werden von privaten Unternehmen betrieben. Die Menschen müssen für die mehr als 500 Kilometer lange Fahrt 25 Euro bezahlen.

Wie soll es mit den Flüchtlingen weitergehen?

Das ist noch völlig unklar. Zumal trotz aller Absprachen mit der Türkei und trotz NATO-Einsatzes immer noch täglich bis zu 3.000 Bootsflüchtlinge am Tag über die Ägäis in Griechenland eintreffen. In ganz Griechenland sitzen nach Angaben vom Donnerstag fast 42.000 Menschen fest. Griechenland, das eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise durchlebt, wird nicht in der Lage sein, auf Dauer Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen.

Quelle: dpa

Trotzdem hält der Zustrom aus der Türkei an. Die auf den Inseln eintreffenden Flüchtlinge werden mit Fähren in die Hafenstadt Piräus auf dem Festland gebracht. Dort erklärten Flüchtlinge auf Anfrage von Reportern, sie wollen weiter nach Nordgriechenland, um nach Deutschland oder Schweden weiterzureisen. Einige der Migranten wussten nicht, dass die Westbalkanroute bereits geschlossen ist. "Das hat man uns auf der Insel (Chios) nicht gesagt", sagte eine Frau aus Syrien im griechischen Fernsehen (ERT).

Andere sagten, sie wüssten "sehr wohl" von der Schließung der Grenze. Ihnen bliebe nichts anderes übrig, als die Reise gen Norden "auf gut Glück" fortzusetzen, sagte ein junger Mann aus Afghanistan dem griechischen Fernsehsender Skai.

Asselborn: Türkei-Deal "menschlich prüfen"

Politisch gibt es indes weiter Diskussionsbedarf. Mehrere EU-Regierungen sehen die von Deutschland unterstützten Pläne mit der Türkei kritisch. Er habe "Bedenken", wenn auch Syrer, die aus der umkämpften Stadt Aleppo geflohen seien, zurückgeschickt würden, sagte Luxemburgs Migrationsminister Jean Asselborn in Brüssel. Er forderte, den türkischen Vorschlag juristisch, politisch, "aber auch menschlich" zu prüfen.

Sie stelle sich "die Frage, ob wir unsere Werte letztendlich über Bord werfen", sagte Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Es sei "äußerst fragwürdig", wenn Ankara eine regierungskritische Zeitung unter Zwangsverwaltung stellen könne und nun mit einer vorgezogenen Visaliberalisierung belohnt werden solle.

10.03.2016, Quelle: dpa
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