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Folgen des Flüchtlingspakts Helfer verlassen Camps: "System unmenschlich"

BildFlüchtlinge auf Lesbos
Flüchtlinge auf Lesbos am 22.03.2016

(Quelle: ap)

VideoProtest gegen den EU-Türkei-Pakt
Zaun vor einem Flüchtlingslager in Griechenland

Das UN-Flüchtlingshilfswerk und "Ärzte ohne Grenzen" stellten heute in mehreren griechischen Flüchtlingslagern teilweise ihre Arbeit ein. Sie protestieren gegen die Umsetzung des EU-Türkei-Paktes.

(22.03.2016)

VideoLesbos: Wirkt der Flüchtlingspakt?
ZDF-Reporterin Phoebe Gaa während des Schaltgesprächs

Seit einem Tag gilt der Pakt mit der Türkei, der dafür sorgen soll, dass weniger Flüchtlinge nach Europa kommen. Phoebe Gaa berichtet, ob die Umsetzung des Abkommens auf Lesbos funktioniert.

(21.03.2016)

VideoDie Hoffnung stirbt zuletzt
Kind mit Seifenblasen vor Hotel Hara in Idomeni

Im Hotel Hara in Idomeni hoffen die Bewohner weiterhin auf eine Grenzöffnung zu Mazedonien. An diesem Ort der Verzweifelten und Gestrandeten machen auch Schlepper ihr Geschäft.

(22.03.2016)

Der Umgang mit Migranten auf den griechischen Inseln stellt die Organisation vor Ort auf den Kopf. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen stellt aus Protest ihre Arbeit in einem Registrierungslager auf Lesbos ein. Die Bundesregierung weist Kritik jedoch zurück. 

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat aus Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik sämtliche Aktivitäten im Registrierungslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos eingestellt. Die Fortführung der Arbeit würde die Helfer zu "Komplizen eines Systems machen, das wir als unfair und unmenschlich ansehen", erklärt die Landeskoordinatorin der Organisation in Griechenland, Marie Elisabeth Ingres. Deshalb sei die "extrem schwierige Entscheidung" gefallen. "Wir werden nicht zulassen, dass unsere Hilfe für eine Massenabschiebung instrumentalisiert wird. Wir weigern uns, Teil eines Systems zu sein, das keine Rücksicht auf die humanitären Bedürfnisse oder die Schutzbedürfnisse von Asylsuchenden und Migranten nimmt", erklärt Ingres.

UN-Flüchtlingshilfswerk schränkt Arbeit ein

Die Organisation war seit dem vergangenen Juli in Moria tätig. Die Hilfe umfasste nach ihren Angaben neben medizinischen Behandlungen auch psychologische Betreuung, das Verteilen von Hilfsgütern sowie Aktivitäten zur Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung. Zudem kümmerten sich Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenze darum, Flüchtlinge vom Norden der Insel mit dem Bus in die Registrierungszentren Moria und Kara Tepe im Süden zu bringen.

Zuvor hatte schon das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR scharfe Kritik am Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei geübt und mitgeteilt, seine Aktivitäten in den sogenannten Hotspots auf den griechischen Inseln einzuschränken. Die Registrierungszentren seien zu geschlossenen "Hafteinrichtungen" geworden, kritisierte das UNHCR. Die Organisation stoppte den Transport von Flüchtlingen auf Lesbos zum Hotspot in Moria.

Helfer: Migranten werden wie Kriminelle behandelt

Helfer vor Ort auf Lesbos berichten, dass neu ankommende Flüchtlinge und Migranten seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts am Sonntag wie Kriminelle behandelt würden. Wenn sie im Auffanglager ankommen, werden ihnen demnach Schnürsenkel, Gürtel und Handys abgenommen. Anschließend würden sie im "Hotspot", einem ehemaligen Gefängnis, in Baracken untergebracht, die sie nicht verlassen dürften.

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Nach den Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert geht Deutschland von einer eher kurzen Verweildauer der Flüchtlinge in den umstrittenen Aufnahmelagern aus. "Sie muss so kurz sein wie möglich, (...) aber auch so lang wie nötig, um den rechtlichen Bestimmungen gerecht zu werden", erklärt Seibert am Mittwoch in Berlin.

Idomeni: Flüchtlinge im Hungerstreik

Im griechischen Grenzlager Idomeni forderten Insassen die Öffnung der mazedonischen Sperranlagen. Dutzende Migranten blockierten die Eisenbahntrasse, rund 150 setzten sich auf eine Fernstraße und verursachten kurzzeitig ein Verkehrschaos. Einige Migranten traten in den Hungerstreik, berichteten Reporter vor Ort. Die griechischen Bahnen brachten alte Schlafwagenwaggons nach Idomeni, die rund 250 Menschen einen trockenen Schlafplatz bieten. Am Nachmittag setzte erneut starker Regen ein.

"Die Menschen hier tun sich aus lauter Verzweiflung selbst Schlechtes an", sagte UNHCR-Sprecher Babar Baloch. Aus Furcht vor Gewaltakten wütender Migranten zogen die meisten humanitären Organisationen einen Teil ihrer Mitarbeiter in der Nacht zum Mittwoch aus dem Lager ab, wie der UNHCR-Sprecher berichtete. In Idomeni harren nach Schätzungen des Krisenstabs aktuell gut 13.000 Menschen aus. Sie wollen weiter Richtung Norden, meist nach Deutschland.

23.03.2016, Quelle: dpa, afp, ap
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