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merkzettel

Charlie Hebdo, 13. November, Villejuif Frankreich im Ausnahmezustand

BildParis
Sicherheitskräfte Paris

(Quelle: dpa)

VideoIS: Droh-Video von Paris-Attentätern
Screenshot des aufgetauchten Videos - ein mutmaßlicher IS-Anhänger

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat ein Internetvideo veröffentlicht, auf dem Attentäter von Paris zu sehen sein sollen - bei der Enthauptung von Geiseln. Frankreich will das Video prüfen.

(25.01.2016)

VideoArchiv: Attentate Paris
Anti-Terror-Einsatz in Brüssel

Bei dem im Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes am Dienstag Getöteten handelt es sich offenbar um einen radikalen Islamisten. Zwei weitere Verdächtige sind noch auf der Flucht.

(16.03.2016)

Immer wieder Molenbeek. Der Brüsseler Stadtteil ist für das vom Terror erschütterte Frankreich zum Synonym geworden für die Jagd auf die Attentäter von Paris. Seit den Anschlägen vom 13. November hatte die Fahndung vor allem ein Gesicht: Salah Abdeslam. 

Mit der Festnahme des 26-Jährigen in Brüssel scheint nun der einzige Überlebende einer beispiellosen Terrorserie in den Händen der Sicherheitskräfte. Die anderen bisher bekannten Beteiligten der Anschläge sind tot. In Abdeslam sehen die französischen Behörden das noch fehlende Glied in der Terrorkette.

Ausnahmezustand hält an

Die Attacken haben Frankreich ein neues Gesicht gegeben. Seit November herrscht ein umstrittener Ausnahmezustand im Land, der bereits zweimal verlängert wurde. Eine Ausweitung auf die Zeit der Fußball-Europameisterschaft im Juni und Juli gilt als wahrscheinlich. Auch bei dem Sportfest wird es keine Begegnung ohne höchste Sicherheitsstufe geben. Die französische Polizei übt bereits für mögliche Anschläge etwa auf Fanzonen in den zehn Spielorten.

Frankreich selbst kämpft seit Jahren international gegen den Terror. Truppen des Landes stehen in Mali, kämpfen in Ländern der Sahel-Zone, greifen Stellungen des Islamischen Staats im Norden des Iraks und in Syrien an. Mit dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" am 7. Januar 2015 begann die unfassbare Serie. Zwei Tage später folgten die Morde und Geiselnahmen in einem koscheren Supermarkt von Paris.

Fast 150 Menschen in Frankreich sterben bei Terrorattacken

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Doch der Terror sollte Frankreich nicht loslassen: Ein Mord vor einem geplanten Anschlag auf eine Kirche in Villejuif, eine Enthauptung mit versuchtem Anschlag auf ein Werk für Industriegase nahe Lyon, der von Fahrgästen im Thalys-Schnellzug nach Paris nur knapp vereitelte Anschlag eines Islamisten. Schließlich zum Jahresende in Paris die Anschläge vom November auf den Konzertsaal "Bataclan", Restaurants und Kneipen der Stadt sowie vor dem Stade de France, wo die Fußballnationalmannschaften Frankreichs und Deutschlands gerade spielten. Im Laufe des Jahres starben fast 150 Menschen in Frankreich bei Terrorattacken.

Die internationale Solidarität ist groß. Nach "Charlie Hebdo" gehen nicht nur mehr als zwei Millionen Menschen überall im Land auf die Straße. Auch Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt sind dabei, angeführt von Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Terror hinterlässt seine Spuren nicht nur bei Opfern und ihren Angehörigen. In den Straßen von Paris gehören schwer bewaffnete Militärpatrouillen zum Alltagsbild.

Öffentliche Gebäude sind ohne Kontrolle genauso wenig zugänglich wie Theatervorstellungen oder Konzertabende. Noch immer werden beim Weg in den Supermarkt Taschen von privaten Sicherheitsleuten geprüft. Die Festnahmen von Brüssel werden daran kaum etwas ändern. Hollande und die Regierung lassen keine Gelegenheit aus, um zu betonen: Die Bedrohung durch den Terror in Frankreich war noch nie so groß.

Der mutmaßliche Attentäter Abdeslam

Welche Rolle spielte er in Paris?

Archiv - Von der französischen Polizei am 13.11.2015 veröffentlichtes Fahndungsfoto des mutmasslichen Attentäters Salah Abdeslam

Abdeslam soll bei den Anschlägen von Paris eine zentrale Rolle gespielt haben. Sein Bruder Brahim war einer der Selbstmordattentäter, die sich am 13. November in Paris in die Luft sprengten. Salah Abdeslam selbst organisierte zumindest zwei Mietautos und zwei Zimmer, die von den Kommandos genutzt wurden.Am Abend der Anschläge soll er die Stade-de-France-Angreifer mit einem Renault zum Fußballstadion gefahren haben. Womöglich sollte auch er sich in die Luft sprengen: Ein im Pariser Vorort Montrouge gefundener Sprengstoffgürtel gehörte möglicherweise ihm. Abdeslam wurde am Tag nach den Anschlägen von Gehilfen von Paris aus zurück nach Belgien gefahren - und schlüpfte sogar durch mehrere Polizeikontrollen, weil nach ihm noch nicht gefahndet wurde.

Wie ging es nach den Anschlägen weiter?

Seine Gehilfen setzten Abdeslam am frühen Nachmittag des 14. November im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek ab. Medienberichten zufolge soll er sich dann drei Wochen in einer Wohnung versteckt haben, in der die Ermittler am 10. Dezember seine Fingerabdrücke sicherstellten.

Doch dann verlor sich seine Spur - bis die Ermittler am Dienstag in einer Wohnung im Brüsseler Vorort Forest offenbar eher zufällig fündig wurden. Belgische und französische Polizisten wollten im Zuge der Ermittlungen zu den Pariser Anschlägen eine Wohnung durchsuchen, die sie für leer hielten, und gerieten unter Beschuss. Vier Polizisten wurden verletzt, ein Verdächtiger getötet. Zwei Menschen konnten fliehen - unter ihnen offenbar Abdeslam. Seine Fingerabdrücke wurden in der Wohnung gefunden. Am Freitag wurde Abdeslam dann bei einem Großeinsatz in Molenbeek gefasst und verletzt.

Islamistenszene in Molenbeek

In dem wegen seiner Islamistenszene berüchtigten Stadtteil war der Franzose marokkanischer Abstammung aufgewachsen. Bekannte beschreiben ihn als eher gewöhnlichen Jugendlichen, der wie sein Bruder Brahim gerne Fußball spielte, abends ausging und mit Frauen anbändelte. Von einer islamistischen Radikalisierung bemerkte lange niemand etwas.

Radikalisierung

Dann lernte er Abdelhamid Abaaoud kennen, der später einer der bekanntesten belgischen Dschihadisten werden sollte und als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. Wegen eines Raubes landeten beide 2010 hinter Gittern. Nachdem er später einige Zeit als Techniker bei den Brüsseler Verkehrsbetrieben gearbeitet hatte, übernahm Abdeslam zusammen mit seinem Bruder Brahim eine Bar in Molenbeek, das "Les Béguines". Dort soll viel Haschisch konsumiert worden sein - im November 2015 wurde die Bar nach dem Fund halbgerauchter Joints dichtgemacht. Da hatten sich die Brüder aber bereits aus dem Geschäft zurückgezogen - vermutlich bereiteten sie die Anschläge von Paris vor.
(Quelle: afp)

18.03.2016, Quelle: von Gerd Roth, dpa
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