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Flüchtlingskrise "Dschungel" von Calais wird teilweise geräumt

BildAbriss gestartet
Polizisten sichern Arbeiter beim Abbau eines Lagers in Calais am 29.2.2016ap

Polizisten sichern Arbeiter beim Abriss eines Teils des Dschungel von Calais. Tausende Flüchtlinge warten in dem Camp auf eine Überfahrt nach Großbritannien.

VideoDer Dschungel: Mehr Slum als Camp
Dschungel von Calais: Mehr Slum als Camp

Der Traum von einer besseren Zukunft, doch die Gegenwart bedeutet Schlamm, Dreck, Fäkalien. Im "Dschungel von Calais" in Nordfrankreich leben mehr als 4.000 Flüchtlinge.

(22.01.2016)

VideoFlüchtlinge stürmen Fähre
Flüchtlinge dringen in das Hafengelände von Calais ein

Im nordfranzösischen Calais haben nach einer Demonstration zahlreiche Flüchtlinge eine Fähre gestürmt um nach Großbritannien zu kommen. Der Versuch schlug fehl, die Polizei holte alle von Bord.

(24.01.2016)

Etwa 20 Arbeiter haben heute morgen begonnen, die Unterstände in dem "Dschungel" genannten Flüchtlingslager in Calais einzureißen. Die Flüchtlinge leben dort in selbstgebauten Hütten und Zelten und versuchen, eine Überfahrt nach Großbritannien zu bekommen. 

Ausgerüstet mit zwei Bulldozern haben heute die rund 20 Arbeiter mit dem Abriss des Dschungel begonnen. Geschützt  von einem Großaufgebot der Polizei rissen sie im südlichen Teil des als "Dschungel" bekannten Lagers bereits rund 20 von den Flüchtlingen errichtete Hütten ab. Die Polizei ist mit mehr als 30 Einsatzfahrzeugen vor Ort. Bisher verlief die Räumung ohne größere Zwischenfälle. Eine Aktivistin der Organisation "No Border", die sich für die Abschaffung der Grenzen einsetzt, wurde festgenommen.

Flüchtlinge wollen das Lager nicht verlassen

Bereits am Donnerstag hat das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille grünes Licht für eine Räumung des südlichen Teils des Lagers geben. Abgerissen werden sollen aber nur die Hütten. Die dort entstandenen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Gebetsräume und eine Bibliothek bleiben stehen. Die Flüchtlinge sollen größtenteils in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen gebracht werden. Die Behörden sprechen von etwa 1.000 Menschen - Hilfsorganisationen gehen jedoch von rund 4.000 aus.

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Viele Flüchtlinge kündigten bereits im Vorfeld an, den Dschungel nicht verlassen zu wollen. Wir werden in einem anderen Teil des Lagers schlafen", sagte ein sudanesischer Flüchtling am Freitag und fügte mit Blick auf sein Ziel Großbritannien hinzu: "Wir wollen uns nicht von unserem Ziel entfernen. Also werden wir Calais nicht verlassen." Auch ein anderer Flüchtling bekräftigte, in der Region bleiben zu wollen: "Ich werde meine Hütte verlassen, aber ich werde in einen anderen Teil des Dschungels gehen", sagte dieser. Zur Not gehe er  auch woanders in Calais hin, in ein Feld, ein besetztes Haus oder unter eine Brücke.

Immer wieder Zwischenfälle

Die Behörden begründen die geplante Räumung mit den Zuständen im Dschungel. Die Flüchtlinge leben dort in selbstgebauten Hütten und Zelten, es mangelt an sanitären Anlagen, die Wege verschlammen bei Regen. Immer wieder kommt es zudem zu Spannungen zwischen Flüchtlingen, der Polizei und Bewohnern der Region. Die Räumung soll ungefähr einen Monat dauern. Im gesamten Flüchtlingslager von Calais harren je nach Quelle bis zu 7.000 Flüchtlinge aus. Das Lager ist den Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Längerfristig wollen sie alle Flüchtlinge in festen Unterkünften unterbringen.

Wegen einer Reihe von gewaltsamen Angriffen auf Flüchtlinge in Calais im vergangenen Jahr wurde derweil eine Frau in Untersuchungshaft genommen. Sie soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft an Eisenstangen-Attacken von drei Männern gegen Migranten am Rande des Flüchtlingslagers beteiligt gewesen sein. Die vier Verdächtigen waren am Montag nach monatelangen Ermittlungen gefasst worden. Die zwischen 20 und 30 Jahre alten Männer wurden bereits am Dienstag formell beschuldigt. Sie haben gestanden, im Mai und Juni 2015 rund ein Dutzend Mal Flüchtlinge am Rande des "Dschungel" attackiert zu haben.

29.02.2016, Quelle: ap, kna, afp, dpa
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