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Fünf Jahre Krieg in Syrien Kinder im "Gefängnis unter freiem Himmel"

BildSyrische Kinder im Kriegsgebiet
Syrische Kinder im Kriegsgebiet am 19.09.2015

(Quelle: reuters)

VideoEU-Gipfel: Durchbruch vertagt
Griechenland: Flüchtlingslager in Idomeni

Ein Durchbruch beim EU-Gipfel ist vorerst vertagt. Der türkische Ministerpräsident Davutoglu nannte Forderungen seiner Regierung für eine Vereinbarung mit der EU zur Rücknahme von Migranten.

(08.03.2016)

VideoLeifert: Noch kein Beschluss
Stefan Leifert meldet sich aus Brüssel.

Trotz einer Marathonsitzung beim EU-Sondergipfel gibt es noch keinen endgültigen Beschluss. Eine Einschätzung von ZDF-Korrespondent Stefan Leifert aus Brüssel.

(08.03.2016)

VideoHintergrund: Türkei & Syrienkrise
Grafikvideo: Die Türkei und der Krieg vor der Tür

Der tobende Krieg in Syrien wirft auch seine Schatten auf die Türkei. Nicht nur die Wirtschaft leidet, auch die Sicherheit im Land hat sich verändert.

(07.03.2016)

Seit fünf Jahren tobt der Krieg in Syrien. In manchen Gebieten sind die Menschen fast vollständig von Hilfe abgeschnitten. 250.000 Kinder leiden Hunger, werden teilweise mit Tierfutter ernährt. In ihrem jüngsten Bericht warnt die Kinderrechtsorganisation Save the Children vor den Folgen einer "Kindheit in Trümmern". 

Tierfutter für Kleinkinder, Operationen bei Kerzenlicht und Matratzenwolle als Brennstoff: Die Situation in den belagerten Gebieten in Syrien ist nach Einschätzungen von Hilfswerken dramatisch. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht beschreibt die Kinderrechtsorganisation Save the Children das "Gefängnis unter freiem Himmel" und fordert ein sofortiges Ende der taktischen Belagerung sowie einen humanitären Korridor in die betroffenen Gebiete.

Hilfsorganisationen: Kinder verhungern in "Todeslagern"

"In weiten Teilen Syriens sterben Kinder aufgrund von akutem Mangel an Nahrungsmitteln und dringend benötigten Medikamenten, obwohl nur ein paar Kilometer entfernt die Warenhäuser mit Hilfsgütern gefüllt sind", beklagte Vorstandsmitglied Bidjan Nashat anlässlich der Vorstellung des Berichts. Die Situation in den belagerten Orte, den "Todeslagern", sei das schockierendste Zeugnis des Versagens der internationalen Gemeinschaft. "Diese Kinder bezahlen den hohen Preis für die Untätigkeit der Weltgemeinschaft", so Nashat.

Der Bericht "Kindheit in Trümmern. Leben und Sterben in den belagerten Gebieten Syriens" soll ein Überblick über die Situation der Einheimischen geben. Dafür befragte die Organisation 126 Eltern und Kinder in der Region. Darüber hinaus wurden Gespräche mit 25 lokalen Hilfsgruppen, Ärzten und Lehrern geführt.

Luftangriffe traumatisieren Kinder

Der größte Schrecken für die Familien sind demnach die Luftangriffe, oft mit Fassbomben. Nach Berichten der Eltern sind viele Kinder traumatisiert und haben sich durch die ständige Bedrohung verändert. Viele Kinder seien aggressiver oder depressiv geworden. Schulbesuche seien durch die ständigen Bombenangriffe quasi unmöglich. Nach Schätzungen der UN wurde jede vierte Schule in Syrien bereits angegriffen.

Alle Eltern und Kinder berichten laut Save the Children, dass sie die Anzahl der täglichen Mahlzeiten notgedrungen mehr als halbiert haben. Ein Drittel der Befragten habe zeitweise nicht einmal eine Mahlzeit pro Tag bezahlen können. Zahlreiche Kinder seien an Lebensmittelvergiftungen, Mangelernährung und infolge von Komplikationen bei der Geburt gestorben.

Ärzte operieren bei Kerzenlicht

Die medizinische Versorgung ist laut Kinderrechtsorganisation fast zum Erliegen gekommen, und der Vorrat an Medikamenten schwindet. Es gebe kaum mehr als einen Tisch, einen Sterilisator und ein bisschen Verbandszeug, berichtet eine syrische Mutter.

Ärzte müssten mangels Strom bei Kerzenlicht operieren und alte Wasserschläuche für Beatmungen nutzen. Auch würden alte Laken oder Stoffreste gekocht, um sie als Verbandsmaterial zu nutzen. Kinder und Erwachsene litten an Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfekten. Geburten würden zu einem Risiko für Mutter und Säugling.

UN-Resolutionen verbessern die Lage kaum

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Die Vereinten Nationen haben in den vergangenen fünf Jahren, die der Krieg in Syrien bereits andauert, zahlreiche Resolutionen verabschiedet, um Hilfswerken den Zugang zu den belagerten Gebieten zu ermöglichen. Die Lage habe sich jedoch im vergangenen Jahr verschlechtert, beklagt Save the Children.

Nach UN-Angaben wurden im vergangenen Jahr nur rund 10 Prozent der Anträge für Hilfslieferungen genehmigt. Weniger als ein Prozent der Menschen in den belagerten Gebieten erhielten Nahrung über die UN-Hilfsprogramme und nur drei Prozent konnten medizinisch versorgt werden.

Hilfsappell an die internationale Gemeinschaft

Save the Children appelliert an die internationale Gemeinschaft, alle Konfliktparteien zur Verantwortung zu ziehen und zugleich die Friedensgespräche schnell voranzutreiben. Hilfsgüter dürften in den Verhandlungen nicht als Druckmittel eingesetzt werden. Schulen und Krankenhäuser dürften nicht bombardiert werden.

Nötig seien regelmäßige Hilfslieferungen in die Region. Bisher deckten die Lieferungen nur "einen Bruchteil des Notwendigen ab" und medizinische Evakuierungen seien weiterhin nicht erlaubt. "Kein Kind sollte unter diesen Bedingungen leben müssen", betonten die Kinderrechtler.

Was der EU-Gipfel vereinbart hat

Balkanroute

Flüchtlinge stehen Schlange im Transit-Center in der Nähe des nordmazedonischen Dorfes Tabanovce am 25.02.2016

Über die Balkanroute kamen seit dem vergangenen Jahr von Griechenland aus hunderttausende Menschen, die meisten von ihnen hatten Deutschland als Ziel. "Der irreguläre Zustrom von Migranten entlang der Westbalkan-Route ist jetzt zu einem Ende gekommen", stellt die Gipfelerklärung fest, nachdem Länder entlang der Route ihre Grenzen weitgehend geschlossen haben. Auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestrichen wurde aber der Satz, dass die Route "nun geschlossen" ist. Denn er hätte aus deutscher Sicht die bisher kritisierten Alleingänge von Österreich und anderen Balkan-Staaten bei Obergrenzen und Grenzschließungen akzeptiert.

Nothilfe für Griechenland

Wegen der weitgehenden Schließung der Balkanroute sitzen derzeit zehntausende Flüchtlinge in Griechenland fest, die EU-Kommission warnt vor einer "humanitären Krise". Die EU werde "in diesem schwierigen Moment an der Seite Griechenlands stehen und ihr Äußerstes tun", erklärten die Teilnehmer des Gipfels. Nötig sei "eine schnelle und wirksame Mobilisierung aller verfügbaren EU-Mittel und Ressourcen sowie Beiträge der Mitgliedstaaten."Die Staats- und Regierungschefs unterstützten dabei den Plan der EU-Kommission für ein Nothilfe-Paket für betroffene Länder innerhalb der EU. Die EU-Kommission hatte vergangene Woche vorgeschlagen, 700 Millionen Euro bis zum Jahr 2018 zur Verfügung zu stellen. Rund 300 Millionen Euro für dieses Jahr sollen demnach vor allem Griechenland zugute kommen. Der Ministerrat soll den Nothilfe-Plan bis zum nächsten Gipfel in anderthalb Wochen beschließen.

Rückkehr zu Schengen

Die Staats- und Regierungschefs unterstützen als "Priorität" den Kommissionsplan, bis Jahresende wieder zu einem funktionierenden Schengenraum zurückzukehren. Athen soll deshalb weitere Unterstützung beim Schutz der Außengrenzen erhalten, einschließlich derer zu Mazedonien und Albanien. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex soll dafür bei den Mitgliedstaaten zusätzliche Grenzschützer anfordern. Die Polizeibehörde Europol soll Beamte entsenden, die in Registrierungszentren helfen, mögliche Dschihadisten aufzuspüren, sowie beim Kampf gegen Menschenschmuggler.

Umverteilung von Flüchtlingen

Die bereits im vergangenen Jahr beschlossene Umverteilung von 160.000 Flüchtlingen auf alle EU-Länder soll "bedeutend beschleunigt" werden, "um die schwere Last zu verringern, die derzeit auf Griechenland liegt". EU-Mitgliedstaaten sollen "dringend mehr Plätze" für die Umverteilung bereitstellen. Verteilt sind bisher erst 872 der 160.000 Menschen - 338 aus Italien und 534 aus Griechenland. (Quelle: afp)

09.03.2016, Quelle: von Anna Mertens, kna
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