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Glücksspiel Geldregen vom Rheinland: Tipper knackt 49-Millionen-Jackpot

BildEuro Jackpot
Ziehungsgerät der Lotterie "Eurojackpot"

(Quelle: dpa)

Für einen Lottospieler in Nordrhein-Westfalen haben sich die "Guten Rutsch!"-Wünsche zu Silvester bewahrheitet: Er schlittert mit dem zweithöchsten Lottogewinn in der deutschen Geschichte in das neue Jahr - sofern er sich denn mal meldet. 

Lottomillionäre sind ein gefährdetes Völkchen. Der Gratulation zu einem der höchsten jemals erzielten Lottogewinne in Deutschland folgt daher direkt eine vorsichtige Warnung. "Die Frage, wem man von seinem Gewinn erzählt, wie man mit seinem bestehenden Job umgeht und was man mit dem Geld zukünftig macht, muss wohl überlegt werden. Dafür sollte man sich Zeit nehmen", lässt sich Theo Goßner, zuständig für den Eurojackpot, in der Mitteilung von Westlotto zitieren.

Mit "dem Geld" meint Goßner fast 50 Millionen Euro. Sie wurden mit einem Tipp im Rheinland abgeräumt. Es ist der zweithöchste deutsche Lottogewinn aller Zeiten und der höchste in Nordrhein-Westfalen.

Wer ist der Lottomillionär?

Auch am Sonntagnachmittag ist noch nicht klar, für wen das neue Jahr mit dem Geldregen aus dem Eurojackpot, einer europäischen Lotterie mit 17 Teilnehmerländern, beginnt. Der Gewinner lässt die ersten Stunden nach dem Triumph vorbeiziehen, ohne sich bei Westlotto zu melden - womöglich auch, weil er noch gar nichts von seinem Glück weiß. Der Tipp war einer von sieben Reihen, die am 30. Dezember an einer Annahmestelle im Rheinland gespielt wurden.

Der noch Unbekannte setzte auf die Zahlen 11, 14, 35, 44 und 45 sowie die Eurozahlen genannten Zusatzzahlen 5 und 6. Am Freitag wurde die Kombi in Helsinki gezogen - das bedeutet genau 49.685.851,50 Euro Gewinn. Aber ob Frau, Mann, reich, arm, jung, alt oder Tippgemeinschaft - Westlotto weiß es bislang nicht. Da der Gewinner weder über das Internet noch mit einer Kundenkarte spielte, steht hinter ihm bislang ein Fragezeichen.

Unterschiedliche Gewinnertypen beim Lotto

"Es gibt unterschiedliche Gewinnertypen", sagt Westlotto-Sprecher Bodo Kemper zum dem gespannten Warten. Manch einer wolle sich erstmal richtig Gedanken machen, bevor er die Summe abhole. Andere steckten ihren Gewinnschein in einen Brief und schickten ihn mitsamt ihrer Bankverbindung an die Lotterie. "Und wieder andere stehen am Montag nach der Ziehung vor unserer Tür und fragen, ob sie hier richtig bei der Lottozentrale sind." Möglich ist auch, dass es sich um einen routinierten Lottospieler handelt, der die Ziehung der Zahlen gar nicht verfolgt, sondern seine Spielscheine jede Woche zu einem festen Termin in einer Annahmestelle prüfen lässt.

Zeit, seine Kontodaten durchzugeben, hat der Unbekannte allerdings reichlich. Meldet er sich nicht bis zum Jahresende, hat er nach Angaben von Westlotto noch drei weitere Jahre Zeit, bevor die Millionensumme neu ausgespielt werden müsste.

Wissenswertes rund um den Eurojackpot

Bis wann kann ich meinen Tippschein abgeben?

Online ist die letzte Chance für die Tippabgabe um 18.59 Uhr. Um 19 Uhr ist spätestens Schluss in den Annahmestellen. Je nach Bundesland aber gibt es Ausnahmen: In Thüringen gilt 18.59 Uhr, in Niedersachsen 18.50 Uhr, in Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Bremen 18.45 Uhr, in Mecklenburg-Vorpommern 18.30 Uhr.

Wer sind die bisherigen Rekordhalter?

Den Gewinn-Rekord hält seit September 2014 ein Finne mit 61,2 Millionen Euro. Der Rekordgewinn für einen deutschen Tipper liegt bei 58,7 Millionen Euro. Im Dezember 2014 ging diese Summe nach Hessen.

Warum gibt es eine Obergrenze?

Für die 16 teilnehmenden europäischen Lotteriegesellschaften gelten staatliche Regeln. Sie haben den Auftrag der sogenannten Kanalisierung. Dabei soll der natürliche Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen gelenkt werden und illegales Glücksspiel verhindert werden (Paragraf 1, Absatz 2, des deutschen Glücksspiel-Staatsvertrags). Der Eurojackpot soll deshalb möglichst attraktiv sein, darf aber auch kein Suchtpotenzial bieten. In Konkurrenz zu privaten Anbietern mit dreistelligen Millionen-Gewinnen darf er deshalb nicht treten.

Welche Tipps sind sinnvoll?

Mathematiker weisen darauf hin, dass Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Zahlenkombinationen nicht von den Zahlen der Vorwoche oder von der eigenen Person ("Jetzt bin ich aber mal dran") abhängig sind. Bei jeder Ziehung ist Woche für Woche die Wahrscheinlichkeit für jede Zahlen-Kombination immer gleich groß. Um aber im Erfolgsfall den Gewinn nicht mit vielen anderen Tippern teilen zu müssen, raten Lotto-Experten zu untypischen Zahlen-Variationen, etwa jenseits von Geburtsdaten.

Unterschied zum Samstags- und Mittwochslotto?

Bei der Lotterie 6 aus 49 wird nach der 13. Ziehung der Jackpot ausgeschüttet, wenn es keinen Gewinner in der Klasse 1 gibt. Der Gewinn wird an die Tipper verteilt, die sechs Richtige haben, denen aber die richtige Superzahl fehlt.

Was unterscheidet die beiden Spiele zusätzlich?

Eine Reihe beim Eurojackpot kostet 2 Euro und ist damit doppelt so teuer wie eine Tippreihe bei 6 aus 49. Die Gewinnwahrscheinlichkeiten sind unterschiedlich: Die Chance, den Eurojackpot zu knacken, liegt bei etwa 1 zu 95 Millionen. Bei 6 aus 49 liegt die Wahrscheinlichkeit, sechs Richtige zu tippen, bei 1 zu 13 Millionen. Wenn auch noch die richtige Zusatzzahl dabei sein soll, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf 1:140 Millionen. Mathematiker halten Vergleiche allerdings für unseriös. Wer beim Eurojackpot hofft, ein geringeres Risiko einzugehen, seinen Einsatz zu verlieren, liegt zwar rein mathematisch richtig. Ob man aber aus 95 Millionen oder aus 140 Millionen Möglichkeiten die Richtige auswählt, macht wenig Unterschied.

Was passiert mit den Umsätzen?

In beiden Lotterien handelt es sich um staatlich kontrollierte Spiele. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen werden zum Beispiel rund 50 Prozent des Umsatzes an die Gewinner ausgeschüttet, 40 Prozent gehen an gemeinnützige Einrichtungen, die Kultur oder den Sport. Prominentes Beispiel: Mit Erlösen aus dem Glücksspiel wird der Erhalt des Weltkulturerbes Kölner Dom unterstützt. 10 Prozent setzt die Lotto-Gesellschaft für Marketing und Vertrieb ein. Diese Zahlen können je nach Bundesland variieren. Das gilt auch für die anderen 15 Länder, die neben Deutschland am Eurojackpot teilnehmen.

Gewinn kann auch eine Gefahr sein

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Fest steht, dass eine solch gewaltige Summe ein Leben ganz schön verändern kann - daher auch die leise Warnung der Verantwortlichen. "Es fängt beispielsweise bei der Frage an, ob ich meinen Kindern davon erzählen möchte. Oder ob ich eventuell befürchte, dass sie aufgrund des Gewinns antriebslos werden", sagt Westlotto-Sprecher Kemper. Die Lotterie biete dazu auch eine Beratung an. Zu groß ist die Gefahr, dass in der Euphorie des Augenblicks ein eigentlich ganz passabler Job aufgegeben wird oder etwas zu viel Geld in Lokalrunden in der Kneipe fließt.

Wer bei einem Lottogewinn sein ganzes Leben ändere, laufe Gefahr, mit falschen Entscheidungen unglücklicher zu werden als zuvor, sagte der Glücksspielexperte Tilman Becker von der Universität Hohenheim vergangenes Jahr der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Millionengewinn mache das Glück zwar einen Sprung - das Hochgefühl pendele sich aber nach einem halben Jahr wieder auf Normalmaß ein.

USA: Gewinn erst nach sechs Jahren abgeholt

Welch strenge Vorsicht sich mancher Gewinner selbst verordnet, zeigt das Beispiel zweier Brüder aus dem US-Bundesstaat New York. Sie gewannen 2006 fünf Millionen Dollar. Sie holten ihren Gewinn aber erst nach sechs Jahren ab und nur wenige Tage, bevor der Lottoschein ungültig geworden wäre. Medienberichten zufolge bestand die Sorge, der Gewinn könnte negativen Einfluss auf das Leben haben.

"6 aus 49" - der Lotterie-Klassiker

Millionen in Deutschland spielen Lotto

Lottoschein

Sechs kleine Kreuzchen helfen dem Glück auf die Sprünge, so lautet die Verheißung der Lotterie. Im Jahr 2013 haben über 18,4 Millionen Menschen deutschlandweit Lotto gespielt. Der Klassiker unter den Lotterien ist das Spiel "6 aus 49". Fragen und Antworten zu wichtigen Grundregeln.

Wie tippt man beim klassischen Lotto?

Ziel des Spiels ist es, aus den Zahlen 1 bis 49 die sechs Ziffern angekreuzt zu haben, die als Gewinnzahlen gezogen werden. Tippen kann man online und in Lotto-Annahmestellen. Dazu kreuzt man die Zahlen auf dem Tippschein an. Bis mittwochs 18 Uhr und samstags 19 Uhr können die Lottoscheine in den Annahmestellen abgegeben werden. Wichtig: Die Spielquittung muss man behalten. Denn nur mit diesem Nachweis werden etwaige Gewinne ausgeschüttet.

Was ist eine Superzahl?

Die Superzahl ist eine Ziffer zwischen 1 und 9, die zusätzlich zu den sechs Zahlen getippt wird. Sie befindet sich vorgedruckt auf dem Lottoschein, kann aber frei gewählt werden, indem ein Vordruck mit der Wunschziffer des Kunden herausgesucht wird.

Nach welchen Regeln wählt man die Zahlen?

Mathematiker raten, nicht auf Geburtsdaten zu tippen. Weil viele Spieler nach diesem Muster ankreuzen, ist das Risiko hoch, sich einen Gewinn mit mehreren anderen Tippern teilen zu müssen. An der Gewinnchance ändert es aber logischerweise nichts.

Wie hoch ist der Gewinn?

Über die Höhe des Gewinns entscheidet die Anzahl richtig getippter Zahlen. Bei zwei Richtigen plus korrekter Superzahl gewinnt der Spieler fünf Euro. Das ist die unterste Gewinnklasse. Den Jackpot knackt, wer sechs Richtige inklusive Superzahl getippt hat. In dieser Gewinnklasse geht's ab einer Million Euro aufwärts los.

Ist Lottospielen teuer?

Ein einfaches "6 aus 49"-Spiel, also sechs Kreuzchen innerhalb eines Feldes auf dem Lottoschein, kostet laut Lottogesellschaft einen Euro plus Bearbeitungsgebühr pro Spielschein. Maximal können Lottospieler auf jedem ihrer Tippscheine zwölf Felder ausfüllen.

Wie hoch ist die Chance zu gewinnen?

Die Chance, den Jackpot zu knacken, liegt bei etwa 1 zu 140 Millionen. In der untersten Gewinnklasse ist die Chance mit einer Wahrscheinlichkeit wesentlich höher.

Wird man über Gewinne informiert?

Wer anonym in einer Lotto-Annahmestelle getippt hat, muss selbst kontrollieren, ob man gewonnen hat. Gewinnsummen bis 1.000 Euro werden in den Annahmestellen ausgezahlt. Bei höheren Gewinnen muss man sich in der jeweiligen Lotto-Zentrale seines Bundeslandes melden. Nach Vorlage der Spielquittung wird der Gewinn überwiesen. 13 Wochen hat der Lottospieler Zeit, um seinen Gewinn einzufordern.

Was macht die Lotterie mit den Einnahmen?

Die Hälfte der Einnahmen werden über Gewinne an die Lottospieler ausgeschüttet. Die Lotterien sind staatlich. 40 Prozent der Einnahmen gehen deshalb an das jeweilige Bundesland. Lotto unterstützt damit wohltätige Zwecke und fördert beispielsweise Sport, Kunst, Natur, Stiftungen und Wohlfahrtsverbände. Am Ende bleiben der Lotterie etwa 1,4 Prozent der Einnahmen.

Wie hoch ist die Gefahr, süchtig zu werden?

Auch Lotto kann süchtig machen, allerdings ist die Chance einer Suchterkrankung geringer als beispielsweise bei Glücksspielautomaten - sagt zumindest eine Sprecherin von Westlotto in Münster. Das liege daran, dass Lottogewinne nicht sofort ausgeschüttet werden.

(Quelle: dpa)

03.01.2016, Quelle: von Jonas-Erik Schmidt, dpa
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