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Abschließender Bericht zu Absturz Germanwings: Experten zweifeln an Schweigepflicht

VideoExperten legen Abschlussbericht vor
Trümmerteile des Germanwings Airbus A320

Am 24. März 2015 brachte ein Germanwings Co-Pilot einen Airbus in den Alpen zum Absturz. 150 Menschen starben. Fast ein Jahr später will die Untersuchungsbehörde ihren Abschlussbericht vorstellen.

(12.03.2016)

Es war die größte Tragödie der deutschen Luftfahrt - vor einem Jahr stürzte eine Germanwings-Maschine ab. An diesem Sonntag wollen französische Experten ihren Abschlussbericht vorlegen. Darin stellen sie - nach Medienberichten - vor allem die medizinische Schweigepflicht infrage. 

Französische Flugunfall-Experten haben nach dem Germanwings-Absturz vor knapp einem Jahr Vorschläge zur medizinischen Kontrolle von Piloten erarbeitet. Sie wurden am Samstag in Bonn Angehörigen der Todesopfer vorgestellt. Der "Bild"-Zeitung zufolge wird zum Beispiel empfohlen, die ärztliche Schweigepflicht auf den Prüfstand zu stellen, damit Erkrankungen von Menschen in verantwortungsvollen Positionen frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

Co-Pilot psychisch krank

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Co-Pilot, der am 24. März 2015 eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen absichtlich zum Absturz gebracht hatte und 149 Menschen mit in den Tod riss, psychisch krank gewesen. In seinem Fall seien mehrere Ärzte über eine erneut aufgetretene depressive Episode informiert gewesen. Sie hätten wegen ihrer Schweigepflicht aber weder die Lufthansa noch das Luftfahrtbundesamt informiert.

Am Sonntag wollen die Experten der Untersuchungsbehörde BEA (Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’aviation civile) in Paris ihren Abschlussbericht der Öffentlichkeit vorstellen. Am Samstag wurden bereits Angehörige in Bonn informiert.

Warum durfte er fliegen?

Nach Informationen der Deutschen Presseagentur nahm die Frage, warum der Co-Pilot überhaupt fliegen durfte, einen breiten Raum bei dieser Veranstaltung ein. Die BEA habe in diesem Zusammenhang zum Beispiel darüber informiert, dass die Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen des Co-Piloten, die bei Germanwings eingingen, nicht an den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa weitergeleitet worden seien. So habe es auch keine Möglichkeit für den medizinischen Dienst gegeben, nachzufragen, warum er krank war.

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Angehörige nannten Aussagen der Flugunfall-Experten beruhigend, nach denen kurz vor dem Aufprall der Maschine der Autopilot so eingestellt gewesen sei, dass die Passagiere das als normalen Sinkflug empfinden mussten. Auch sei ein auf dem Stimmrekorder zu hörendes heftiges Klopfen an die Cockpittür nicht von der Bordaxt gekommen.

Außerdem habe der ausgesperrte Flugkapitän nicht in Richtung des Co-Piloten geschrien. Für die Angehörigen der Verstorbenen ist es von großem Interesse, wie die letzten Minuten vor dem Aufprall abliefen.

Alternativen für Türmechanismus

Im Bericht werden den Informationen zufolge auch Alternativen für den Türmechanismus der Cockpittür diskutiert. Der Co-Pilot hatte sie verriegelt, als der Pilot das Cockpit kurz verließ. Sie hätte nur von ihm wieder geöffnet werden können.

Ein Mandant des Mönchengladbacher Anwalts Christof Wellens berichtete diesem, dass die Angehörigen "wenig Neues erfahren" hätten. Es sei ein sachlicher Bericht über die Untersuchungsergebnisse abgegeben worden. Wellens, der nach eigenen Angaben 34 Familien von Opfern vertritt, hatte am Freitag kritisiert, dass keine Anwälte zu der Informationsveranstaltung zugelassen wurden. 16 der 34 Familien hätten den Wunsch gehabt, dass er sie bei der Veranstaltung vertrete.

Die BEA ist dabei nicht für die juristische Aufarbeitung oder mögliche Schuldfragen zuständig, sondern für die sogenannte Sicherheitsuntersuchung.

Der Verlauf des Germanwings-Fluges

Grafikvideo

12.03.2016, Quelle: dpa
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