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Film über Ausnahme-Pianisten "Hello, I am David!"

VideoKinostart von "Hello I Am David!"
Klavierwunder David Helfgott

Einst galt David Helfgott als Wunderkind am Klavier, dann bremste ihn eine psychische Störung. Doch Helfgott ist nach wie vor ein begnadeter Klavierspieler und jetzt auch auf der Leinwand zu sehen.

(20.01.2016)

Musik, das ist sein Leben - Musik hätte beinahe seine Existenz zerstört. In Cosima Langes Doku über den australischen Pianisten David Helfgott erfährt der Zuschauer, wie es dem Ausnahmekönner heute geht. 

"Hello, I am David!" Das ist in dieser Dokumentation, die am 21. Januar in die Kinos kommt, mehr als nur ein Filmtitel, mehr auch als eine schlichte Begrüßungsformel. Der wohl am meisten wiederholte Satz des Films klingt aus dem Mund des Ausnahmepianisten David Helfgott stets wie eine Bejahung des Lebens, eine positive Bekräftigung der eigenen Existenz. Freudvoll, die Welt umarmend, grundehrlich, den Moment der Begegnung als etwas Besonderes feiernd.

Klaviergenie mit dunklen Seiten

20 Jahre ist es her, dass Geoffrey Rush in dem Spielfilm "Shine" für seine Interpretation des exzentrisch wirkenden Pianisten einen "Oscar" als bester Hauptdarsteller gewann. Der internationale Erfolg dieses Films gab dem echten David Helfgott, der sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zurück auf die Weltbühne befand, Selbstwertgefühl und Berühmtheit zurück.

"Shine" hatte entfaltet, wie das einstige australische Wunderkind nach Nervenzusammenbrüchen und jahrelanger Behandlung in psychiatrischen Kliniken beides verloren hatte und in der Versenkung verschwunden war, bis er Mitte der 1980er-Jahre als Barpianist in Perth seine jetzige Frau Gillian kennenlernte. An ihrer Seite verwandelte er sich langsam wieder in einen gefeierten Konzertpianisten. Die deutsche Regisseurin Cosima Lange porträtiert nun in "Hello, I am David!" den mittlerweile 68-jährigen Mann, der nicht nur durch seine bewegte Vergangenheit, sondern auch durch seine eindringliche Präsenz im Hier und Heute fasziniert.

Einfach nur dabei

Die Filmemacherin wählt die persönliche Ebene der Freundschaft, um sich dem von einer schizo-affektiven Störung gekennzeichneten rastlosen Mann zu nähern. Sie beobachtet und analysiert nicht von außen, strukturiert nicht oder ordnet gar ein. Sie und ihr Filmteam sind Teil des Geschehens. Die Regisseurin teilt den häufig sehr anstrengenden Alltag mit dem hibbelig-quasselnden Pianisten und dessen Frau Gillian: die Reisen, die Proben, die Frühstücke im Hotelzimmer, Besuche bei Freunden und so weiter.

Oft beobachtet Cosima Lange die Eheleute einfach nur bei ihren tagtäglichen Routinen. Oft ist sie es auch selbst, die Helfgotts Hände hält, sich von ihm umarmen lässt, mit ihm schwimmen geht. Es sind Momente der Nähe, die es ermöglichen, den intelligenten, witzigen Mann hinter seinen sonderlichen Gewohnheiten sichtbar zu machen, und darüber hinaus vor der Kamera offenzulegen, welch Einfühlungsvermögen, Geduld und persönliches Engagement Dokumentarfilmer aufwenden, um einen Menschen filmisch zu erfassen.

Humanistische Botschaft

Positiv, intuitiv und so assoziativ wie David Helfgott selbst hat Lange ihre Aufnahmen zusammenmontiert. Dabei entsteht ein filigranes Netz aus Beobachtungen, Schauplätzen und Situationen, intimen Einblicken und öffentlichem Auftritt, Gesprächen mit dem Protagonisten und seinen Weggefährten.

Im Vordergrund stehen Helfgotts Persönlichkeit und sein außergewöhnliches musikalisches Können. Obwohl Gillian Helfgott im Lauf des Films von den zentralen Stationen und (Um-)Brüchen im Leben ihres Mannes erzählt, wird die Diskussion um deren genauen Wahrheitsgehalt, die um "Shine" herum aufflammte, nicht wieder aufgewärmt. Was sich wann und wie genau zugetragen hat, ist für die humanistische Botschaft des Films nicht wichtig. Er plädiert dafür, sich anders verhaltende Menschen als Gewinn für die Gesellschaft zu sehen. Es geht darum, David Helfgott zu würdigen und sich von seiner Persönlichkeit und seiner Musik bezaubern zu lassen. Das ist Cosima Lange auf einnehmende Weise gelungen.

20.01.2016, Quelle: von Marguerite Seidel, kna
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