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"Helikopter-Geld" Geld für nichts - Hauptsache Inflation ankurbeln

BildHelikoptergeld
Fliegende Banknoten

"Das ist ein sehr interessantes Konzept, das jetzt von Wirtschaftswissenschaftlern diskutiert wird", sagt Mario Draghi.

(Quelle: colourbox.de)

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(15.03.2016)

Seit EZB-Präsident Mario Draghi "Helikopter-Geld" vor einigen Tagen als "interessantes Konzept" bezeichnet hat, beflügelt dieser Begriff die Finanzbranche. Geld einfach so, für jeden Bürger, ohne Gegenleistung, bar auf die Hand. Hauptsache, der Bürger gibt es gleich wieder aus. 

Erhalten die Bürger in der Eurozone künftig direkt Geld von der Europäischen Zentralbank? Was für viele Ökonomen an Ketzerei grenzt, ist für EZB-Präsident Mario Draghi eine spannende Idee. Auf der jüngsten EZB-Pressekonferenz wurde Draghi gefragt, was er von "Helikopter-Geld" halte. Der Zentralbankchef antwortete für seine Verhältnisse erstaunlich offen: "Das ist ein sehr interessantes Konzept, das jetzt von Wirtschaftswissenschaftlern diskutiert wird", sagte Draghi.

Seit dieser Äußerung ist das "Helikopter-Geld" in der Finanzwelt in aller Munde. Erdacht hat sich das Konzept der ultraliberale Vordenker und Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman 1969, um eine Deflation zu bekämpfen.

In die Hand des Bürgers und am besten gleich auf die Ladentheke

Sinnbildlich würden dabei Geldscheine aus einem Hubschrauber abgeworfen, so dass das Geld direkt bei den Bürgern ankommt. Der Umweg über die Banken würde so umgangen und die Bürger könnten das Geld direkt ausgeben und so die Inflation ankurbeln. Bislang wurde das Konzept zumindest in modernen Zeiten noch nie im großen Stil eingesetzt.

Über das "Helikopter-Geld" werde derzeit unter Ökonomen "intensiv nachgedacht", sagt Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es komme allerdings nur dann infrage, wenn kein anderes Instrument der Geldpolitik mehr greife.

Bislang blieben die EZB-Bemühungen ohne Erfolg

Seit rund zwei Jahren versucht die EZB mit wachsender Anstrengung die Preissteigerung in der Eurozone zu erhöhen - bislang allerdings mit wenig Erfolg. Zuletzt betrug die Inflation in der Eurozone minus 0,2 Prozent.

Die Notenbank ist damit weit von ihrem Zielwert, einer Inflation von mittelfristig knapp unter zwei Prozent, entfernt. Nach ihrer jüngsten Ratssitzung verkündete die EZB zum Entsetzen vieler Banken, den Leitzins in der Eurozone auf null Prozent zu senken und das Anleihekaufprogramm auf 80 Milliarden Euro pro Monat auszuweiten.

175 Euro - jeden Monat

Ein Großteil des Geldes, das über die Banken eigentlich in die privaten Haushalte fließen sollte, ist dort bislang nicht angekommen sondern steckt gleichsam im Finanzsektor fest. Wenn die Summen, die die Zentralbank derzeit durch ihre Anleihekäufe in die Branche pumpt, direkt an die Bürger der Eurozone verteilt würden, erhielte jeder pro Monat bis zu 175 Euro, hat die Gruppe "QE for people" errechnet. Das Kollektiv aus Ökonomen macht sich für das "Helikopter-Geld" stark.

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Für den Fall, dass die EZB den Bürgern tatsächlich Geld direkt zukommen lassen würde, würde sicherlich keine Scheine über Städten und Dörfern abgeworfen. Es existieren unterschiedliche Vorstellungen für die Verteilung: Beispielsweise könnte das Geld über Gutscheine in Geschäften an die Bürger weitergegeben werden.

EZB darf keine Finanzpolitik betreiben

Allerdings gäbe es für das Konzept hohe rechtliche Hürden. Denn die EZB würde damit wohl Finanzpolitik betreiben, was ihr verboten ist. Geht es nach Jonathan Loynes, Ökonom bei Capital Economics, bedeuten rechtliche Hürden allerdings wenig: Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass auch scheinbar undenkbare geldpolitische Maßnahmen Realität werden könnten.

20.03.2016, Quelle: von Benoit Toussaint, afp
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