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Helfer in Bad Aibling "Man ist sich nie sicher, ob man das aushält"

VideoAuch die Helfer brauchen Hilfe
Helfer in Bad Aibling

Das Zugunglück von Bad Aibling ist auch für die Retter eine schlimme Erfahrung. Ein Feuerwehrmann berichtet bei heute+ über seine einschneidenden Erlebnisse am Ort des Unglücks.

(11.02.2016)

VideoDritte Blackbox gefunden
ZDF-Reporterin Patricia Schäfer im Gespräch mit Carsten Rüger.

Die Suche nach der Unglücksursache in Bad Aibling geht weiter. Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler durch die Auswertung der dritten Blackbox. Diese könne Wochen dauern, so ZDF-Reporterin Schäfer.

(12.02.2016)

VideoKränze und Kräne in Bad Aibling
Blick auf den Unfallort bei Bad Aibling

Der Tag danach in Bayern: Immer wieder legen Menschen Kränze nieder, gedenken der Opfer. Die Bergungsarbeiten: kompliziert. Und die Unfallursache: weiter unklar. Das Update zum Zugunglück.

(10.02.2016)

Bilder von Verletzten und Toten - wie halten Helfer das aus? Wolfram Höfler, Kommandant der Feuerwehr Bad Aibling, ist seit 45 Jahren im Geschäft. Er weiß, dass dramatische Einsätze Rettungskräfte traumatisieren können. Auch die Helfer brauchen Hilfe. 

Sie sind am Ende ihrer Kräfte. Stundenlang haben sie in der Kälte Verletzte befreit, deren Schreie und Stöhnen gehört, manchmal erst nach endlos scheinender Zeit helfen können. Die Tragödie von Bad Aibling hat die Rettungskräfte an ihre Grenzen gebracht. Nach einem solchen Einsatz brauchen auch die Helfer Hilfe. Die schrecklichen Bilder melden sich meist erst später. "Die Beobachtungsphase ist sehr wichtig", sagt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Aibling, Wolfram Höfler. "Man ist sich nie sicher, ob man das aushält."

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht

Schon am ersten Tag, vor der Fahrt nach Hause, hatten alle Rettungskräfte - so erschöpft sie auch waren - ein kurzes Gespräch mit Krisenhelfern. "Jeder, der im Einsatz war, jedes Fahrzeug musste an der Wache vorbeifahren." Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Parallel läuft das normale Geschäft: Hier ein Brand, dort ein Sturm, umgerissene Bäume. Unter anderem muss die Feuerwehr das Einsatzzelt an der Unglücksstelle sichern.

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Höfler kennt den Job seit 45 Jahren. Als am Morgen des Faschingsdienstags der Alarm kam, glaubte der erfahrene Feuerwehrmann zunächst an einen Irrtum. Vielleicht ein Mensch vom Zug erfasst, ein anderer Unfall - aber ein Zug gegen einen anderen? "Es ist unvorstellbar", sagt Höfler, der sich als Verlagsmanager auch mit technischen Themen befasst hat. Zwei Züge, die ungebremst ineinanderrasen: Das kann heutzutage eigentlich nicht passieren. "Das ist es, was mich am meisten beschäftigt."

"Ich brauche die Distanz"

Während des Einsatzes sind persönliche Regungen weggeblendet. "Man konzentriert sich auf die Aufgabe, nicht auf die Emotion", sagt der 62-Jährige. Priorisieren, abarbeiten. Jene Leichtverletzten, die laufen können, bekommen grüne Bändchen, wer nicht laufen kann, kriegt ein rotes. "Ich brauche die Distanz, das ist Teil des professionellen Vorgehens."

Ob jeder Mensch diese Arbeit machen kann? "Das habe ich mich auch schon gefragt", sagt Höfler. Und er räumt ein: Es geht nur, wenn er nicht persönlich betroffen ist. "Wenn Sie meine Frau fragen, wie ich mich zu Hause anstelle, wenn sich jemand in den Finger schneidet, meinen Sie, das sind zwei verschiedene Menschen."

"Es war ein bisschen Abenteuerlust"

Vor fünf Jahren hat Höfler den Job als Feuerwehrkommandant übernommen. "Bad Aibling 1" ist seitdem sein persönlicher Funkname. Die Verlagsarbeit überließ er vorübergehend seiner Frau. "Ich habe mich selbst freigestellt für die Arbeit." Denn das Ehrenamt ist ein 50-Stunden-Job. "Eigentlich ist das eine Pflichtaufgabe der Kommune."

Höfler hat schon als Jugendlicher bei der Feuerwehr angeheuert. "Es war ein bisschen Abenteuerlust. Und die Herausforderung: zu sehen, ob man mit unvorhergesehenen Situationen klarkommt." Und die gibt es praktisch immer.

700 Helfer am Unglückstag

Beide Söhne, der eine inzwischen mit abgeschlossenem Mathematikstudium, der andere Informatiker, sind ebenfalls seit ihrer Jugend bei der Feuerwehr. Einer fährt den Vater jetzt zu Einsätzen, damit der sich schon auf der Fahrt vorbereiten kann. Früher, als die Söhne noch keinen Führerschein hatten, war es bei Alarm auch mal umgekehrt.

Derzeit geht es den insgesamt 700 Helfern vom Unglückstag gut. "Ich sehe im Moment nicht das Problem, dass sich posttraumatische Belastungsstörungen einstellen", sagt Höfler. Die Kollegen achten gegenseitig aufeinander. Einen schickten sie heim. "Wir haben gesehen, dass er sich merkwürdig verhält.

"Bei der Zugkatastrophe von Warngau vor gut 40 Jahren mit 41 Toten war Höfler bereits dabei. Zugeben, dass es einen mitnimmt? Das gab es zu jener Zeit nicht. "Da galt man damals als Weichei." An Fürsorge für die Retter dachte niemand. "Nach Warngau gab es ein Klopfen auf die Schulter. 'Könnt's heimgehen.' Das war alles."

13.02.2016, Quelle: Sabine Dobel, dpa
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