25.07.2016
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merkzettel

EU und Flüchtlingskrise "Engstirnig, kurzsichtig, egozentrisch"

Video"Verbotszone würde helfen"
Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, fordert die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Die Situation in Syrien ist "unübersichtlich", sagt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, im Interview mit Berlin PolitiX. Eine Flugverbotszone würde helfen, um Flüchtlinge zu versorgen.

(17.02.2016)

VideoSyrien: Aleppo in Trümmern
Menschen und Trümmer

Trotz geplanter Hilfskonvois der Vereinten Nationen in das Krisengebiet verschlechtert sich die Lage in Syrien. Es mangelt an Nahrung und Medikamenten. Was wirklich helfen würde: Waffenruhe.

(17.02.2016)

Video"Große Massaker in Mossul"
Uli Gack

"Hunderte Menschen sind umgebracht worden von dem IS", so ZDF-Reporter Uli Gack. Der sogenannte IS sei nervös und fürchte sich vor Angriffen von Türkei und Irak. Sie wollen Mossul zurückerobern.

(17.02.2016)

VideoGeschäft mit der Flucht nach Europa
Christian Sievers

Sie kennen das Risiko und nehmen es in Kauf für den Traum von Europa. Die illegalen Schlepper in der Türkei machen noch immer gute Geschäfte. Christian Sievers macht sich auf Spurensuche.

(16.02.2016)

von Kristina Hofmann und Cornelia Schiemenz

Fällt Aleppo, kommen vermutlich noch mehr Flüchtlinge nach Europa. Hilfsorganisationen fordern eine bessere Versorgung der Flüchtlinge vor Ort. Europa beschäftige sich nur noch mit "Symbolpolitik". Auch eine Flugverbotszone wäre hilfreich, sagte Bärbel Dieckmann von der Welthungerhilfe dem ZDF. 

"Eine Flugverbotszone würde helfen, um die Flüchtlinge zu versorgen", sagte Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, im Interview mit "Berlin PolitiX". Derzeit würden viele Flüchtlinge in Lagern etwa 40 Kilometer von Aleppo entfernt versorgt. Es bestehe aber die Gefahr, dass auch dort die Menschen vor Luftangriffen und dem Bürgerkrieg nicht sicher seien. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte diese Woche eine Flugverbotszone gefordert.

Sendungs-Tipp

Das Interview mit der Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, sehen Sie auch in der Sendung "Berlin PolitiX" heute, 23.55 Uhr auf ZDFinfo und vorab in der Mediathek.

In Syrien, so Dieckmann, sei derzeit "nicht mehr überschaubar, wer was tut". Eine Rückkehr der Flüchtlinge sei nahezu "unmöglich". Die Welthungerhilfe appelliert gemeinsam mit weiteren sechs Organisationen, die Flüchtlinge besser zu versorgen. Man dürfe dies nicht allein "instabilen Ländern", wie Jordanien, Libanon und auch der Türkei überlassen, so Dieckmann. Bringt Syriens Präsident Baschar al-Assad die Stadt mit russischer Militärhilfe unter Kontrolle, könnten sich weitere 250.000 Menschen auf dem Weg machen, so Dieckmann.

Brot für die Welt: Europa hebelt Völkerrecht aus

Die Welthungerhilfe ist Teil des Bündnisses Entwicklung hilft. Es warf der internationalen Gemeinschaft vor Journalisten in Berlin vor, selbst Teil der Flüchtlingskrise zu sein: Dass sich derzeit viele Menschen auf den Weg nach Europa machten, habe auch mit ihrer schlechten Versorgung in den Flüchtlingslagern im Nahen Osten zu tun. Wenn der UNHCR aus Geldmangel seine Lebensmittelrationen halbieren müsse oder Jordanien die Flüchtlinge medizinisch nicht versorgen könne, "dann hat das viel zu tun mit der Engstirnigkeit, Kurzsichtigkeit und Egozentrismus der europäischen Politik", sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt. Viele wollten lieber in der Region bleiben.

Alle Maßnahmen, die derzeit in Europa diskutiert würden, wie Obergrenzen, Streichen von Entwicklungshilfe für nordafrikanische Länder oder Grenzzäune, hätten nichts mit der Bekämpfung von Fluchtursachen zu tun. Sondern nur damit, Menschen abzuhalten zu
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kommen. Füllmann-Weitzel sprach daher von "Symbolpolitik" in Wahlkampfzeiten.

Dass sich Europa derzeit nicht auf eine Kontingent-Lösung zur Aufnahme der Bürgerkriegsflüchtlinge einigen könne, nannte Füllmann-Weitzel einen "kurzsichtigen Skandal". Jedes Land in Europa reagiere erst, wenn es betroffen sei. Jahrelang habe Europa weggeschaut und reagiere jetzt mit "willkürlicher" Abschottung und das Aushebeln der Genfer Flüchtlingskonvention. Das werde nicht folgenlos bleiben. Wer "aus Eigennutz" das humanitäre Völkerrecht aushebele, "zerstört die letzte Schutzbastion für alle Menschen weltweit, die unter die Räder kriegerischen Chaos geraten". Und wer jetzt den Flüchtlingen die Hilfe verweigere, dürfe sich nicht wundern, "wenn noch mehr Opfer von Gewalt an unsere Tür klopfen", sagte die Präsidentin von Brot für die Welt

Wenig Hoffnung vor Gipfel in Brüssel

Morgen und am Freitag kommen die Staats- und Regierungschefs zusammen, um gemeinsam mit der Türkei eine Lösung in der Flüchtlingsfrage zu finden. "Die Hoffnung ist nicht wirklich groß", sagte Dieckmann von der Welthungerhilfe, dass auch andere Länder Flüchtlinge aufnehmen. Vor allem osteuropäische Staaten hatten das in dieser Woche abgelehnt und mit dem Schließen der Grenzen nach Mazedonien gedroht.

Dieckmann warnte davor, dabei die Türkei zu überfordern. Schon jetzt lebten dort 2,5 Millionen Syrer. "Auch die Türkei wird nicht unbegrenzt aufnehmen können", sagte sie.

17.02.2016
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