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Haftende zur Halbzeit Hoeneß-Entlassung: Promi ja, aber kein Bonus

BildUwe Hoeneß vor Gericht
Uwe Hoeneß als Angeklagter vor Gericht

(Quelle: dpa)

VorschauUli Hoeneß - Der Patriarch
Filmszene Thomas Thieme als Uli Hoeneß

Vorschau auf das 90-minütige ZDF-Dokudrama rund um das Leben von Uli Hoeneß. Gespräche mit Weggefährten, Freunden, Rivalen und Biografen bringen das Schicksal von Uli Hoeneß näher.

(27.08.2015)

VideoThomas Thieme spielt Uli Hoeneß
Schauspieler Thomas Thieme

"Hoeneß ist durch seine extrovertierte Art gar nicht so schwer zu spielen", sagt Schauspieler Thomas Thieme. "Den Hoeneß vor Gericht kannten wir aber nicht, den haben ich und mein Regisseur erfunden."

(20.08.2015)

DokudramaUli Hoeneß - Der Patriarch
Filmszene

Das 90-minütige ZDF-Dokudrama blickt auf das Leben von Uli Hoeneß, zeichnet das Bild einer erstaunlichen Karriere vom Aufstieg bis zum tiefen Fall.

(27.08.2015)

von Joachim Pohl, ZDF-Rechtsexperte

Ende Februar soll Ulli Hoeneß aus der Haft entlassen werden. Diese vorzeitige Haftenlassung zur Halbzeit seiner Strafe ist kein Promibonus, so ZDF-Rechtsexperte Joachim Pohl. Rein rechtlich sei an der Entscheidung nichts auszusetzen. 

Natürlich soll ein zur Haft Verurteilter büßen und das hinter Gittern. Aber was das Gesetz im Sinne der Gesellschaft auch gerne möchte, sind Täter, die das Unrecht ihrer Tat einsehen, ihre Strafe einsichtig verbüßen und nach der Entlassung geläuterte Bürger sind, die nach Möglichkeit nie mehr straffällig werden. Hierfür sieht das Gesetz eine Art Belohnung vor: Die vorzeitige Haftentlassung.

Gericht gibt Antrag statt

Uli Hoeneß hat das Ende seiner Haftstrafe in Sicht: Am 29. Februar und damit nach genau der Hälfte seiner Gefängnisstrafe kommt der frühere Präsident des FC Bayern München auf Bewährung frei, wie der Präsident des Landgerichts Augsburg, Herbert Veh, mitteilte.

In der Regel findet sie nach zwei Dritteln statt. In besonderen Fällen sieht aber das Gesetz sogar eine Halbzeitentlassung vor. Dafür ist ein ganzer Punktekatalog abzuprüfen, wie Persönlichkeit, Umstände der Tat, Rückfallgefahr, Verhalten im Knast, Lebensverhältnisse. Aber auch, hat jemand die Haft akzeptiert, sich eingefügt, den materiellen Schaden wiedergutgemacht.

Es ist kein Promibonus

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Klar, dass hieran gemessen Uli Hoeneß sozusagen der Musterknabe per Exzellenz ist, der diese Kriterien erfüllt und zwar alle. Und so kann eigentlich am Ende – wie bei einer mathematischen Gleichung - nur das Ergebnis stehen: Alles erfüllt. Entlassung.

Rein rechtlich also ist am vorzeitigen Freikommen nichts auszusetzen. Was bleibt, ist der "Hoeneß-Effekt", der den Fall von Anfang an begleitet hat. Die einen die meinten, lasst ihn doch bitte davonkommen ohne Knast und die anderen die sagten, hängt ihn höher. So wird es auch jetzt sein. Daran ist nichts zu ändern. Nur: Einen Promibonus, den gibt es hier nicht. Hoeneß ist einfach ein Straftäter, der gebüßt und dann alle Kriterien für die Halbzeitentlassung erfüllt hat. Würde er in seiner Bewährungszeit rückfällig, dann wird man ihn auch wieder packen. Jetzt aber muss er zur zweiten Halbzeit im Knast nicht mehr antreten, kann stattdessen die Spiele seiner Bayern wieder auf dem angestammten Platz miterleben, in voller Länge.

Der Fall Hoeneß 
  • 2001 bis 2006: Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz.

  • Januar 2013: Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

  • 20. März 2013: Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Kaution.

  • 20. April 2013: Der "Focus" macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

  • 6. Mai 2013: Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

  • 30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

  • 13. November 2013: Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern gefeiert.

  • 23. Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen.

  • 10. März 2014: Begleitet von einem riesigen Medieninteresse beginnt in München der Prozess. Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Eine Steuerfahnderin kommt allerdings auf eine noch höhere Summe.

  • 13. März 2014: Das Landgericht München spricht Hoeneß wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig. Er wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Einen Tag später akzeptiert Hoeneß seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern beim FC Bayern München zurück.

  • 2. Juni 2014: Hoeneß tritt seine Haft in Landsberg am Lech an. Dreieinhalb Monate später erhält er erstmals Ausgang und an Weihnachten Urlaub.

  • 1. Januar 2015: Hoeneß wird Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

    (Quelle: dpa)

18.01.2016
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