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Weltkulturfestival in Indien "Woodstock ist nichts dagegen"

VideoFestival in Indien
Das Weltkulturfestival in Neu-Delhi wurde eröffnet

Das Weltkulturfestival, eine dreitägige Geburtstagsparty der spirituellen Organisation Art of Living, hat am Freitag in Neu-Delhi begonnen. Es ist das größte Musik- und Tanzfestival der Welt.

(12.03.2016)

VideoFahrverbot wegen Smog
Autos auf den Straßen Neu-Delhis.

Keine Stadt leidet so sehr unter Luftverschmutzung wie Neu-Delhi. Um den Smog zu reduzieren hat die indische Regierung zum Jahresbeginn den Autoverkehr in der Hauptstadt massiv eingeschränkt.

(28.08.2015)

VideoDurch Asien mit Peter Kunz
Screenshot

Asien ist im Umbruch. Von Pakistan bis nach Indonesien treffen ZDF-Korrespondent Peter Kunz und sein Team auf Gesellschaften, die zwischen traditionellen Werten und rasanter Modernisierung stehen.

(02.04.2015)

Wo sonst der indische Fluss Yamuna vor sich hin gurgelt, ertönen nun Mantras und vedische Hymnen. Hunderttausende Menschen sind zum angeblich größten Kulturfestival der Welt nach Neu Delhi gekommen. 

Ein Singsang steigt plötzlich aus der Mitte der Hunderttausenden am Ufer des indischen Flusses Yamuna herauf. "Om Namah Shivaya", erklingt es, erst aus ein paar wenigen Kehlen, dann stimmen immer mehr Menschen mit ein. Das Mantra umschlingt die Besucher des Weltkulturfestivals, und macht Inder und Pakistaner, Japaner und Russen, Deutsche und Kolumbianer auf dem vier Quadratkilometer großen Gelände zu Brüdern und Schwestern.

155 Länder vertreten

"Lasst und Frieden und Harmonie schaffen", sagt der indische Guru Sri Sri Ravi Shankar zu ihnen. Zusammen mit Menschen aus 155 Ländern feiert seine Organisation Art of Living an diesem Wochenende ihren 35. Geburtstag, mit Musik, Tänzen, gemeinsamer Meditation und interreligiösen Zusammentreffen. "Vasudhaiva Kutumbakam", sagt Shankar, ein Satz in der historischen Priestersprache Sanskrit, der "Die Welt ist eine Familie" bedeutet.

Die Deutsche Mira Fels war schon vor fünf Jahren dabei, als Ravi Shankar im Berliner Olympiastadion den Geburtstag seiner Organisation zelebrierte. Damals kamen rund 25.000 Menschen. "Das hier ist ein bisschen sehr viel größer", sagt die 35-Jährige staunend. 3,5 Millionen Menschen erwartete die Organisation - es soll das größte Kulturfestival der Welt sein.

Vorträge und Gesprächsrunden zum Thema Frieden

Fels will sich bei einer gleichzeitigen Konferenz auch Vorträge von Spitzenkräften aus Politik und Wirtschaft anhören, die sich für den Frieden einsetzen. "Die Menschen bekriegen sich überall auf der Welt, weil sie keinen inneren Frieden in sich tragen", sagt Fels. Ravi Shankar will den Menschen mit Meditations- und Atemtechniken helfen, Stress abzubauen, und dadurch den Weltfrieden herstellen.

Doch die hinduistische Göttin Yamuna des gleichnamigen Flusses, auf dessen Sandbänken in der Hauptstadt Neu Delhi das Festivalgelände errichtet wurde, konnte anscheinend nicht beschwichtigt werden. Zum Start öffneten sich alle Schleusen der Himmelstore; Regen und Graupel prasselten auf die Besucher nieder, bis diese sich unter Stühlen und Plakaten versteckten.

Umweltschützer gar nicht begeistert

Einige Umweltschützer verwunderte das womöglich nicht. Sie hatten im Vorfeld beklagt, die Flora und Fauna der Flussaue sei beim Planieren zerstört worden. "Der Platz ist direkt neben dem Okhla Vogelschutzgebiet", beschwert sich etwa der Naturfotograf Anand Arya. Er reichte eine Petition ein, um das Festival zu stoppen.

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Das zuständige Umwelttribunal erklärte, durch die Errichtung von Straßen, Rampen, Bühnen und Brücken in der Schutzzone sei die Vegetation zerstört worden. Aufgehalten haben die Richter das Festival deshalb zwar nicht mehr, sie verhängten aber Strafen gegen die Stiftung Art of Living sowie mehrere Behörden, weil sie nicht angemessen gehandelt hatten. Weitere Auflage: Nach dem Ende des Festivals muss das Gelände zum Biodiversitätspark werden.

Ob das geschehen wird, ist aber zumindest fraglich. Denn der Fluss ist ohnehin seit Jahren quasi tot, da die Abwässer aus Neu Delhi fast ungeklärt eingeleitet werden. Außerdem sagt Ravi Shankar, seine Arbeiter hätten nicht einen einzigen Baum gefällt, sondern höchstens vier Bäume gestutzt. "Wir werden die Umwelt nie beschädigen", behauptet er.

Schlammig wie in Woodstock

Günter Conrad, ein Unternehmensberater aus Frankfurt, versteht diese ganze Aufregung um den Veranstaltungsort nicht. Bei einem ähnlichen Festival vor zehn Jahren im südindischen Bangalore sei alles sauberer verlassen worden als zuvor. Dann schaut er wieder über die bunte Menschenmenge, die durch den Schlamm stapft. Und sagt entzückt: "Woodstock ist nichts dagegen."

12.03.2016, Quelle: Doreen Fiedler, dpa
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