24.07.2016
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Arabisches Dorf in Israel Ein Hostel im "kriminellen Kaff"

BildJuhas Guesthouse
Hostel in Jesr al Zarqa

Freiwillige aus der ganzen Welt bleiben oft monatelang, um ihr Arabisch aufzubessern und geben dafür Englischkurse. "Wir sind ein soziales Projekt, keine Geldmaschine", sagen die Betreiber.

(Quelle: ZDF/Staber)

VideoNeue Heimat Israel
Kind mit Fahne

Der Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt in Paris Anfang 2015 war für viele französische Juden ein Grund auszuwandern, nach Israel. Das Land wirbt um Einwanderer und empfängt sie mit offen Armen.

(09.01.2015)

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Haben Sie Waffen dabei? Diese Frage ist für Israelis inzwischen normal. Für ihren eigenen Schutz, akzeptieren sie viele Eingriffe in ihr Leben. Doch Soziologen warnen vor einer Abstumpfung.

(27.11.2015)

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Die radikalislamische Hamas baut in Vorbereitung eines möglichen Konflikts mit Israel ihr unterirdisches Tunnelsystem wieder auf. Israelis in Grenznähe berichten von Bohrarbeiten unter ihren Häusern.

(09.02.2016)

von Miriam Staber, Jisr Az-Zarqa

Noch ist es die ärmste Gemeinde Israels, doch sie verändert sich: Das arabische Fischerdorf Jisr Az-Zarqa war lange für Kriminalität und hohe Schulabbrecherquoten bekannt. Bis eine jüdische Anwältin und ein arabischer Cafébetreiber eine seltsame Idee hatten. 

"Ein Hostel in Jisr Az-Zarqa? Touristen wollen doch luxuriöse Hotels und Pools und nicht simple Zimmer mitten in einem vermüllten arabischen Dorf." Die Bewohner waren skeptisch, als Neta Hanien und Ahmad Juha 2013 für ihre Idee warben: "Die dachten, wir sind verrückt geworden." Die beiden, sie Anwältin und Mutter von vier Kindern, er Cafébetreiber und siebenfacher Familienvater, ließen nicht locker.

Eigentlich ideal für ein Hostel

Seit Hanien nach ihrem Wehrdienst als Rucksacktouristin durch die Welt gereist ist, hat sie den heimlichen Traum, ein Hostel zu eröffnen: "Die Lage direkt am Meer und am längsten israelischen Wanderweg und die Atmosphäre von Jisr sind eigentlich ideal für ein Hostel" sagt sie. "Aber außer mir konnte sich zunächst niemand vorstellen, dass Touristen hierher kommen würden."

Ahmad Juha vor seinem Hostel

Ahmad Juha vor seinem Hostel in Jisr
Quelle: ZDF/Staber

Denn Jisr Az-Zarqa gilt als das ärmste Dorf Israels: Mehr als die Hälfte der Bewohner lebt unterhalb der Armutsgrenze, ein Drittel ist arbeitslos und weniger Schüler als irgendwo anders in Israel schaffen ihren Abschluss. Die Dramatik wird noch deutlicher, wenn man das Fischerdorf mit seinen direkten Nachbarn vergleicht: Es liegt zwar idyllisch an der Mittelmeerküste, aber eingeklemmt zwischen einem reichen Kibbuz im Norden und dem Touristenmagnet Caesarea im Süden. Im luxuriösen Caesarea, früher eine wichtige Kreuzfahrerfestung, wird Golf gespielt und sogar Israels Premierminister Benjamin Netanjahu weilt hier gelegentlich in seiner Ferienresidenz.

Erdwall soll Diebstahl vorbeugen

Die Reichsten der Reichen leben - durch einen Erdwall getrennt - neben den Ärmsten der Armen. Dieser Wall wurde vor einigen Jahren aufgeschüttet, um Diebstahl in Caesarea - durch die Bewohner von Jisr - einzudämmen.

Jisr Az-Zarqa ist isoliert, aber nicht nur vom jüdischen Israel, sondern auch von den arabischen Gemeinden; weil die Bewohner von Beduinen abstammen und weil sie vor dem Krieg 1948 mit den Zionisten kooperierten. So wurden sie nicht vertrieben und sind heute das einzige verbliebene arabische Dorf an Israels Mittelmeerküste. "Die anderen arabischen Gemeinden haben uns das aber nicht vergeben", sagt Ahmad Juha, "so haben wir über Jahrzehnte quasi nur innerhalb unseres heute 15.000-Seelen-Dorfes geheiratet." Das führte zu immer größeren Problemen und immer mehr Hoffnungslosigkeit.

Touristen kommen direkt nach Jisr

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"Und in dieser Situation haben wir 2014 das Hostel eröffnet. Die Leute wollten von den Touristen erst gar kein Geld nehmen, so sehr haben sie sich gefreut, dass jemand in unser Dorf kommt." Und es hat geklappt: Touristen, die ein alternatives Israel suchen, kommen nach Jisr, trinken Kaffee mit den Locals und essen bei Familien aus dem Dorf. "Der allererste Gast des Hostels kam vom Flughafen bei Tel Aviv direkt zu uns – er ist nicht nach Jerusalem, Caesarea und Co. gefahren, sondern nach Jisr Az-Zarqa", sagt Juha.

Freiwillige aus der ganzen Welt bleiben oft monatelang, um ihr Arabisch aufzubessern und geben dafür Englischkurse. "Wir sind ein soziales Projekt, keine Geldmaschine", sagt Ahmad Juha. "Wir verkaufen nur Alkohol im Hostel, den kriegt man sonst nirgends hier, alles andere sollen sich die Gäste in Jisr kaufen." So kurbelt das Hostel die lokale, vorher nicht existente, Wirtschaft an.

Vor allem aber zeigt sich der Aufschwung in den Köpfen: Nicht nur internationale Touristen, auch immer mehr jüdische Israelis wagen sich in das bis dato stigmatisierte Jisr Az-Zarqa – das bedeutet täglichen arabisch-israelischen Austausch. Juha freut sich über den Erfolg: "Die Menschen in Jisr werden selbstbewusster und optimistischer. Es gab einfach überhaupt keine Hoffnung auf Veränderung – jetzt schon."

Hebron

Stadt mit blutiger Geschichte

Zentrum von Hebron

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts lebten Muslime sowie Juden in Hebron. Bei einem Massaker 1929 tötete ein Mob aus Arabern insgesamt 67 Juden. Danach brachten die Briten als damalige Mandatsmacht die jüdischen Bürger aus der Stadt. Nach der Eroberung der Stadt durch israelische Truppen im Jahr 1967 kehrten religiöse Juden in die Altstadt zurück. Seit 1998 ist Hebron zweigeteilt: einen Teil kontrolliert die Palästinensische Autonomiebehörde, einen Israel.

Allerdings leben in dem von Israel kontrollierten Teil 800 jüdische Siedler umringt von rund 50.000 Palästinensern. Wegen der Präsenz von Siedlern und Soldaten mussten Palästinenser im Stadtzentrum Geschäfte und Wohnungen aufgeben. "Wir haben dort zwei radikale Gemeinschaften fast ohne jegliche Distanz", sagt der Historiker und Politikwissenschaftler Menachem Klein von der Bar-Ilan Universität in Tel Aviv. "Der Konflikt ist einfach völlig natürlich." Sowohl die Palästinenser seien religiös und nationalistisch - als auch die jüdischen Siedler.

Bei einem zweiten Massaker im Jahr 1994 erschoss der Israeli Baruch Goldstein in den Patriarchengräbern, einer heiligen Stätte für Juden und Muslime, 29 Palästinenser. Danach verschärfte die israelische Armee die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Siedler.

(Quelle: dpa)

28.02.2016
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