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Ausstellungseröffnung in Brühl Die rätselhaft-magische Welt des M. C. Escher

BilderserieM.C. Eschers Werk
Maurits Cornelis Escher, hier 1965 in seinem Arbeitszimmer im niederländischen Baarn

von Maria Ugoljew

"Ich sehe was, was du nicht siehst" - wer jenes Spiel mit Werken von M. C. Escher spielt, wird es wohl nie beenden. Der Grafiker gilt als Meister der Täuschung. In Brühl wird ihm nun eine Einzelausstellung gewidmet, die die Frage aufwirft: Warum sehen wir eigentlich das, was wir sehen? 

Legen Sie einmal Maurits Cornelis Eschers Zeichnung "Wasserfall" (siehe Bilderserie) aus dem Jahr 1961 vor sich. Auf den ersten Blick erscheint das Bild logisch, wenn auch wenig realistisch: Der Betrachter sieht ein architektonisches Gebilde aus Treppen, Häusern und zwei Türmen. Links im Bild: ein Blumenbeet mit überdimensionalen Pflanzen. Hinzu kommen zwei Personen - eine Frau, die gerade die Wäsche aufhängt, und ein Mann, der von einer Terrasse aus auf die beiden Türme blickt. Diese sind durch einen Kanal miteinander verbunden, in dem Wasser fließt. Über mehrere Ebenen schlängelt sich das Nass den Kanal hinauf, bis es in einer der Turmspitzen angelangt ist, in ein Becken hinunterfällt, dabei ein Wasserrad in Bewegung versetzt, um wieder von vorne die Ebenen hochzufließen.

Täuschend echte Konstruktion

Doch je länger der Betrachter die Turm-Kanal-Konstruktion anschaut, desto unwahrscheinlicher erscheint sie. Vielmehr will ein eindeutiger räumlicher Eindruck einfach nicht entstehen. Das hat auch seinen Grund. Denn die Konstruktion ist eine optische Täuschung. Oder wie der Mathematiker Bruno Ernst sagt: eine "unmögliche Figur". Der Niederländer hat sich intensiv mit den Zeichnungen Eschers auseinandergesetzt. In dem Wasserfall-Konstrukt hat er drei miteinander verbundene "Tribars" - auch Penrose-Dreiecke genannt - entdeckt. Rechtwinklige Gebilde aus drei Balken, die nur auf dem Papier, nicht aber im Raum existieren können. "Wer versucht, sie als Plastik oder Modell aus Pappe nachzubilden, wird sich getäuscht sehen. Das ist unmöglich", sagt Ernst.

Maurits Cornelis Escher

Der niederländische Grafiker lebte von 1889 bis 1972. Er machte von Mathematikern entwickelte geometrische Figuren wie die unendlich fortlaufende Penrose-Treppe oder das Möbius-Band zur Grundlage seiner Bilder. Seine Motive sind vielfach von italienischen Landschaften inspiriert, die er bereist hatte. Auch die Ornamentik der Alhambra im spanischen Granada prägte Eschers Werk.

Doch der Betrachter wird sich immer wieder dabei ertappen können, wie er versucht, sich Eschers unmögliche Figur dreidimensional vorzustellen. Dabei wird er sich bewusst, "dass etwas in seinem Gehirn vor sich geht", sagt Mathematiker Ernst. Der Vorgang, "den wir Sehen nennen".

Die Wirklichkeit entsteht im Kopf

Zum Sehen benötigt der Mensch nicht nur seine Augen, sondern auch sein Gehirn. Während die Augen dazu da sind, die Lichtreize mit Hilfe von Rezeptoren wahrzunehmen und sie als Nervenimpulse weiterzuleiten, ist das Gehirn dazu da, diese zu interpretieren. Jonah Lehrer formuliert das in seinem Buch "Prousts Madeleine. Hirnforschung für Kreative" so: "Die Wirklichkeit wartet nicht irgendwo außerhalb von uns darauf, wahrgenommen zu werden; die Wirklichkeit entsteht in unserem Kopf."

Um genauer zu sein, auf der Hirnrinde (Lateinisch: Cortex) – "einem zwei Millimeter dünnen Mantel, dicht bepackt mit Nervenzellen, über 60.000 in einem Kubikmillimeter, jede spricht mit etwa 20.000 anderen und bekommt von ebenso vielen ihre Information", sagt Hirnforscher Wolf Singer. Der Cortex lässt sich in etwa 100 Areale unterteilen, die alle unterschiedliche Funktionen haben. "Der weitaus größte Teil beschäftigt sich mit der Verarbeitung der Informationen des Sehsystems", sagt der Fachmann.

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Auf der Sehrinde werden demnach Objekte identifiziert, ihr Ort im Raum sowie ihre Bewegung dekodiert und die Form erfasst. Das Ergebnis: Das Gehirn interpretiert das zweidimensionale Abbild auf der Netzhaut des Auges und lässt daraus den dreidimensionalen Raum entstehen, den der Mensch als Wirklichkeit annimmt. Das faszinierende dabei sei, meint Singer, dass wir nicht merken, "dass wir konstruieren, sondern wir denken, wir bilden ab. Aber das ist eine der vielen Illusionen, denen wir erliegen".

Dreidimensionale Welten

Beim Betrachten von gemalten oder fotografierten Bildern geht das Gehirn mit der Verarbeitung der Information der Augen genauso vor. Deshalb nimmt der Mensch auf einer Leinwand keine einzelnen Striche und Farbfelder wahr, sondern fügt diese zu sinnvollen, dreidimensionalen Objekten und Formen zusammen. Auch dann, wenn das Dargestellte eigentlich etwas Unmögliches zeigt, wie bei M. C. Eschers "Wasserfall".
Die Ausstellung in Brühl

Vom 21. Februar bis 22. Mai zeigt das Max-Ernst-Museum in Brühl (Nordrhein-Westfalen) in Zusammenarbeit mit dem Gemeentemuseum Den Haag in einer Einzelausstellung über 100 grafische Arbeiten von Maurits Cornelis Escher (1898 bis 1972). Der Künstler zählt zu den bedeutendsten niederländischen Grafikern des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung präsentiert Bilder aus allen Schaffensperioden, darunter Lithografien, Holzschnitte und Zeichnungen. Weitere Infos  unter www.maxernstmuseum.lvr.de.

21.02.2016
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