27.08.2016

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Internationaler Frauentag Ein Säureopfer wird zum Fashion-Model und Vorbild

BildLaxmi Saa
Laxmi Saa

Sie lässt sich nicht unterkriegen: Mit Selbstbewußtsein kämpft Laxmi für ihre Träume und avanciert so zum Vorbild für andere Säureopfer.

(Quelle: dpa)

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Jourmana Seif aus Syrien, Menschenrechtlerin und Aktivistin des "syrian women networks", sagt, warum es ohne volle Gleichberechtigung für syrische Frauen keine Demokratie geben kann.

(08.08.2015)

Laxmi ist Opfer eines Säureangriffs. Jahrelang ging sie nicht aus dem Haus, dann kämpfte sie sich ins Leben zurück. Heute ist sie Gesicht einer Modekampagne, Talkshow-Gastgeberin und Inspiration für viele andere. 


Die Haut an den Füßen von Laxmi Saa ist nicht entstellt. Ihre bemalten Fußnägel stecken in goldenen Sandalen, die sie elegant auf die Platten im Bahnhof im indischen Lucknow setzt. Auch die vernarbte Haut an Händen, Dekolleté, Hals und Gesicht zeigt die 26-Jährige. Selbstbewusst hält sie den Kopf hoch, fährt sich mit den Händen durch die langen schwarzen Haare. Damit hat der Mann, der Laxmi mit Säure überschüttete, sein Ziel verfehlt: Laxmi schämt sich nicht und versteckt sich nicht für den Rest ihres Lebens.

Im Gegenteil: Laxmi hält ihr Gesicht oft in Kameras. Sie schießt gerne Selfies und streckt dabei die Zunge keck heraus. Sogar für professionelle Fotoshootings stand sie vor der Kamera - denn derzeit ist Laxmi das Vorzeige-Model einer indischen Modemarke. Zuvor leitete sie die wöchentliche TV-Show "Udaan" (Abheben). Und sie gewann juristische Schlachten vor Indiens höchstem Gericht gegen den unkontrollierten Verkauf von Säure in Tante-Emma-Läden.

Laxmi motiviert andere Säureopfer

Nach Lucknow, der Landeshauptstadt von Indiens größtem Bundesstaat Uttar Pradesh, ist Laxmi für ihr nächstes Projekt gekommen: ein Café. Eröffnung ist am Dienstag, am Weltfrauentag. Dort sollen fünf Säureopfer nicht nur den Job erhalten, den sie sonst in der indischen Gesellschaft kaum finden würden. Die Frauen müssten zunächst einmal lernen, sich wieder in der Gesellschaft zurechtzufinden, sagt Parth Sarthi, Projektdirektor von Laxmis Organisation Chhanv in Lucknow.

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Laxmi motiviert die anderen Frauen. Sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn sie sich aus Furcht vor den Blicken der Nachbarn jahrelang zu Hause einsperren. Auch sie verbarg ihr Gesicht vier Jahre lang hinter einem Schleier. Laxmi war erst 15 Jahre alt, als ein verschmähter Liebhaber sie mit Säure attackierte. Auf offener Straße in Neu Delhi goss er die ätzende Flüssigkeit über sie. "Es war, als würde mein ganzer Körper brennen. Ich fühlte, wie ich schmolz und auf den Boden tropfte", erinnert sich Laxmi.

Operationen verschlingen Ersparnisse

Ihr Vater schaffte danach alle Spiegel aus dem Haus. Die unzähligen Operationen fraßen die Ersparnisse der Familie auf. Ihre Nase wurde rekonstruiert; Haut von den Oberschenkeln bedecken nun unsymmetrisch und in verschiedenen Farbtönen ihr Gesicht. Irgendwann hatte Laxmi genug. "Ich liebe mein Gesicht, wie es ist", erklärte sie. Es sollten keine weiteren Operationen mehr folgen. Laxmi mag sich auch ohne Wimpern und Augenbrauen.

Wenn sie nun aus dem Haus geht, trägt die 26-Jährige selbst geschneiderte Kleider, oft in grellen Farben. Dazu blitzende Ohrringe und Lippenstift. "Klar, ich liebe Make-up! Wie jede junge Frau", sagt sie. Wenn sie auf dem Bahnhof in Lucknow herumscherzt, ist ihre Ausstrahlung so bestechend, dass die Männer es nicht wagen, ihr komische Blicke oder blöde Kommentare entgegenzuwerfen.

Vorbild für Säureopfer

"Laxmis Selbstbewusstsein ist umwerfend, das sieht man bei den meisten anderen Säureopfern nicht", sagt Vasini Sharma, die in der Personalabteilung von Chhanv arbeitet. Deswegen sei sie ein Vorbild für viele der mehr als 300 Menschen, die jedes Jahr in Indien mit Säure übergossen werden. Sie sei die "Fahnenträgerin der Bewegung für ein Ende der Säureattacken in Indien", heißt es auch in der Laudatio zum Preis "International Women of Courage Award", den Laxmi 2014 erhielt.

Im vergangenen Jahr wurde Laxmi Mutter. Ihre Tochter Pihu begleitet sie überall hin, auch zum Fotoshooting für das Label Viva N Diva, dessen Gesicht Laxmi nun ist. In dem Video dazu sieht man, wie sie geschminkt und frisiert wird, wie das Scheinwerferlicht angeht und sie im Zentrum steht. "Die Modeleute haben mich wie jedes andere Model behandelt. Nicht wie ein Opfer", sagt Laxmi.

Die Initiative sei ins Leben gerufen worden, um die oberflächlichen Ideale von Schönheit zu verändern, erklärt Aayushi Rastogi vom Label. Laxmi habe dazu genau gepasst, weil sie daran glaube, dass sie alles in sich selbst trage, was sie für ihren Erfolg brauche. Äußerlichkeiten, sagt auch Laxmi, spielten für sie kaum eine Rolle. "Meine Arbeit ist es, die mich definiert, nicht mein Gesicht."

Berufsleben: Frauen- und Männerdomänen

Frauen in der Mehrheit?

Mann und Frau begegnen sich auf einer Treppe

Unter den knapp 81,5 Millionen Bewohnern der Bundesrepublik Mitte 2015 waren Frauen mit gut 41,4 Millionen in der Mehrheit. Viele Bereiche in Staat und Beruf spiegeln diesen Anteil allerdings nicht wieder. Nachfolgend einige Beispiele.

Im Bundestag ...

Bundestag in Berlin

... beträgt der Fraunanteil 36 Prozent. In der Unionsfraktion sitzen 76 Frauen 234 Männern gegenüber, bei der SPD sind es 83 Frauen und 110 Männer, bei der Linken 35 Frauen und 29 Männer und bei den Grünen 34 Frauen und 29 Männer.

In der Bundeswehr ...

Eine Rekrutin der Bundeswehr sichert auf einem Truppenuebungsplatz eine Patrouille

... stehen Frauen seit 2001 alle militärischen Laufbahnen offen. Inzwischen leisten unter insgesamt rund 180.000 Soldaten rund 19.300 Berufs- und Zeitsoldatinnen ihren Dienst, knapp 7.600 davon im Sanitätsdienst.

Bei Führungskräften ...

Eine Frau im Geschäftsgespräch

... der obersten Leitungsebene in der Privatwirtschaft waren 2014 Frauen mit 25 Prozent vertreten. In Ostdeutschland lag ihr Anteil bei 30 Prozent, im Westen bei 23.

Den höchsten Frauenanteil ...

Arzthelferin mit Versichertenkarte

... unter den ausgeübten Berufen findet man mit 99,2 Prozent bei Arzt- und Zahnarzthelferinnen. Zugleich sind es 47,8 Prozent unter Ärzten und 62,8 Prozent unter Zahnärzten. Den zweithöchsten Frauenanteil gibt es mit 97,8 Prozent bei Apothekenhelferinnen - unter Apothekern selbst sind es 80,7 Prozent.

Bei jungen Frauen ...

Junge Frau im Park

... war 2014 Kauffrau für Büromanagement mit 10,9 Prozent der häufigste Ausbildungsberuf - gefolgt von medizinischer Fachangestellter (7,1) oder Kauffrau im Einzelhandel (6,4). Junge Männer entschieden sich dagegen für eine Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker (7,2 Prozent), Industriemechaniker (5,3) und Elektroniker (4,1).

(Quelle: dpa / Stand März 2016)

08.03.2016, Quelle: Doreen Fiedler, dpa
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