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Interview mit Dilek Yücel "Deniz will einen fairen Prozess - und sonst nichts"

Video"Deniz will einen fairen Prozess"
Deniz Yücel (Archivbild)

Seit 120 Tagen sitzt der Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt", Deniz Yücel, in der Türkei in Haft. Im Interview mit dem ZDF erzählt seine Frau Dilek, wie es Deniz im Gefängnis geht.

(13.06.2017)

VideoMehr als 100 Tage in Isolationshaft
Deniz Yücel

Dilek Yücel, Ehefrau des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel, darf montags für 1 Stunde ihren Mann besuchen, seit sie hinter Gittern geheiratet haben. Sie berichtet, Deniz Yücel habe von seiner Lebensenergie und Kraft nichts verloren.

(13.06.2017)

Mehr als 100 Tage sitzt der Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Isolationshaft. Wie es ihm im Gefängnis geht und was er von den Forderungen nach seiner Auslieferung nach Deutschland hält, erzählt seine Frau Dilek im Interview mit heute.de. 

heute.de: Dilek, Sie kommen gerade aus dem Gefängnis zurück. Wie geht es Deniz?

Dilek Mayatürk Yücel: Ich habe Deniz sehr gut vorgefunden. Das muss ich gleich am Anfang sagen. Er hat von seiner Lebensenergie, von seiner Kraft und seiner aufrechten Haltung nichts verloren. Und ich muss unbedingt sagen, dass ich ihn dafür bewundere.
Er erzählt, wie er die Zeit verbringt, wie er Sport macht, was er aus den Lebensmitteln, die er zu Verfügung hat, zubereitet und wir haben uns auch über unsere Katze unterhalten.

Ich glaube, dass wir in dieser absurden Situation, in diesem ungerechten Vorgang, das Bedürfnis haben, weiter über alltägliche Dinge sprechen zu können. Nur so können wir zeigen, dass das Leben im gleichen Rhythmus weitergeht und wir fest daran glauben. Ich mache es kurz: Deniz geht es sehr gut.

heute.de: Deniz sitzt jetzt seit über 100 Tagen in Isolationshaft. Wie sind die Bedingungen der Isolationshaft?

Yücel: Deniz ist in der neunten Zelle untergebracht - dort, wo Leute sitzen, denen Terrorismus vorgeworfen wird und Inhaftierte, denen kriminelle Straftaten vorgeworfen werden. Es sind Inhaftierte, die kriminell sein sollen und denen vorgeworfen wird, Menschen verletzt oder getötet zu haben.

Die dürfen einmal im Monat einen "offenen Besuch" haben. Deniz bekommt nur alle zwei Monate einen offenen Besuch (ohne trennende Glasscheibe; Anm. d. Red.). Wer als Verbrecher oder Mörder angeklagt ist, darf jede Woche ein Telefongespräch führen. Deniz oder die andere Journalisten dürfen nur alle zwei Wochen telefonieren.

Diese Maßnahmen haben natürlich mit dem Ausnahmezustand zu tun. Aber zu den Einschränkungen, die die Haft mit sich bringt, kommt die unterschiedliche Behandlung und ich sehe das jetzt mit meinen eigenen Augen.

heute.de: Kann es eine echte Kommunikation zwischen Ihnen geben - mit dieser Scheibe dazwischen? (Anm. d. Red.: Deniz und Dilek Yücel sehen sich einmal die Woche für eine Stunde, getrennt durch eine dicke Glasscheibe.)

Yücel: Ich habe mich eigentlich daran gewöhnt nach so vielen Besuchen bei Deniz. Ab dem Moment, in dem man im Gefängnis ist, nimmt man alles als eine Grenze wahr. Die Mauern, die Stacheldrähte, die Drehkreuze, die Kontrollen, der Augen-Scan. Die Welt wird ohnehin immer enger und kleiner, bis man bei Deniz ankommt. Das Gefängnis ist so real zu spüren, dass die Glasscheibe mir nur mehr als ein kleines Detail vorkommt.

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Das Gefängnis hat auch einen eigenen Geruch und ein spezielles Geräusch. Während ich mit Deniz am Telefon spreche, höre ich im Hintergrund, wie die schweren Türen sich schließen, ich höre dieses Echo.

Aber wenn ich Deniz sehe, ist es mir eigentlich egal, dass zwischen uns eine Glasscheibe ist. Irgendwann haben wir angefangen zu reden, als ob wir ein normales tägliches Gespräch führen würden.

heute.de: Gibt es etwas, das Deniz uns sagen würde, wenn er könnte?

Yücel: Es gibt etwas, das Deniz mehr stört als die Isolationshaft. Die Dinge, die über ihn geschrieben werden, als ob er sie gesagt hätte und die Forderungen, die gestellt werden, als ob er sie stellen würde.

Deniz möchte wirklich nur einen fairen Prozess, den man von einem demokratischen Rechtsstaat erwarten darf. All diese Forderungen, die in den Raum gestellt werden, wie zum Beispiel von einer Auslieferung (nach Deutschland, Anm. d. Red.) oder so, steht für ihn überhaupt nicht zu Debatte.

Das Gespräch führte Patricia Schäfer.

13.06.2017
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