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merkzettel

Konflikt mit Saudi-Arabien Irans Präsident für "Diplomatie und Verhandlungen"

BildHassan Ruhani
Hassan Rohani

Irans Präsident Ruhani kritisiert Saudi-Arabien für den Abbruch diplomatischer Beziehungen.

(Quelle: ap)

Video"Deutliches Signal gegenüber dem IS"
Der Nahost-Experte Dr. Guido Steinberg

Der Nahost-Experte Dr. Guido Steinberg über Hinrichtungen als innenpolitische Maßnahmen, Sorgen bezüglich des IS und Verunsicherung durch die Lockerungen der Sanktionen gegenüber Iran.

(04.01.2016)

VideoKonflikt: Folgen für uns?
Jochen Hippler, Politikwissenschaftler und Friedensforscher der Universität Duisburg-Essen.

Neue Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Iran: Welche Folgen hat der Konflikt für uns? heute+ fragt Jochen Hippler, Politikwissenschaftler und Friedensforscher der Universität Duisburg-Essen.

(04.01.2016)

VideoIran vs. Saudi-Arabien
Trauerfeier für den hingerichteten schiiten Al-Nimr.

Was zunächst ein Konflikt zwischen zwei Ländern war, droht immer mehr zum Flächenbrand für die gesamte arabische Welt zu werden. Jetzt brechen weitere sunnitische Staaten ihre Beziehungen zu Iran ab.

(04.01.2016)

Scharfe Kritik an Saudi-Arabien und ein Gesprächsangebot: Irans Präsident Ruhani geißelt die Hinrichtungen in Saudi-Arabien als "Verbrechen". Trotzdem glaubt er daran, dass diplomatische Verhandlungen den Konflikt lösen können. 

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat angesichts des sich verschärfenden Konflikts mit Saudi-Arabien für Diplomatie und regionale Einigkeit geworben. "Wir glauben, dass Diplomatie und Verhandlungen der beste Weg zur Lösung von Problemen zwischen Staaten sind", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Irna Ruhani. "Staaten einer Region können diese durch Einigkeit vor terroristischen Gefahren schützen."

"Saudi-Arabien lenkt von Verbrechen ab"

Zugleich warf er Saudi-Arabien vor, mit dem Abbruch der Beziehungen zu seinem Land von eigenen Verbrechen ablenken zu wollen. "Saudi-Arabien kann das Verbrechen der Enthauptung eines religiösen Führers nicht hinter der Zerstörung der politischen Beziehungen zu Iran verstecken", sagte Ruhani.

Im durch die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien ausgelösten Konflikt zwischen dem Königreich und Iran hat sich nun auch der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet. Das Gremium verurteilte am Montag (Ortszeit) den Angriff auf die saudische Botschaft in Teheran, die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen blieb dagegen unerwähnt. Saudi-Arabien verteidigte bei den Vereinten Nationen die Hinrichtung von insgesamt 47 Menschen.
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UN-Sondergesandter reist nach Riad

Um die Friedensgespräche für die Nahost-Region zu retten, machte sich der UN-Sondergesandte für Syrien auf den Weg nach Riad. Staffan de Mistura solle später auch nach Teheran reisen, teilte die UNO in New York mit. Der Sondergesandte sei in Sorge, dass die Krise zwischen Saudi-Arabien und Iran "eine Reihe negativer Konsequenzen für die gesamte Region" haben könnte. Er wolle außerdem die Auswirkungen auf die Syrien-Gespräche ausloten. Weltweit verstärkten sich derweil die Rufe nach einer Deeskalation. US-Außenminister John Kerry drängte seine Kollegen aus Saudi-Arabien und Iran in Telefonaten zu einer Beruhigung der Lage.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mahnte in der "Bild"-Zeitung: "Jetzt brauchen wir verantwortliche Akteure in der Region, die verantwortlich handeln, in Riad genauso wie in Teheran." Die Türkei wiederum warnte in ihrer ersten Reaktion auf die Krise, dass der Streit die gesamte Region zu destabilisieren drohe. Dabei gleiche der Mittlere Osten schon jetzt einem "Pulverfass", sagte Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus.

Massive Proteste

Das sunnitisch geführte Saudi-Arabien hatte am Samstag 47 Menschen hinrichten lassen, unter ihnen al-Nimr. Dies löste massive Proteste aus, vor allem im schiitisch geprägten Iran. Nach dem Angriff auf seine Botschaft in Teheran verkündete Saudi-Arabien am Sonntag den Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Am Montag stoppte Riad zudem den Luftverkehr nach Iran. Iran und Saudi-Arabien ringen seit Jahren um die Vormachtstellung am Golf. Die gegensätzlichen Interessen zeigen sich derzeit in den Konflikten in Syrien und im Jemen: Teheran unterstützt im Gegensatz zu Riad in Syrien Machthaber Baschar al-Assad und im Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen, die wiederum von einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition bekämpft werden.

Wegen der Krise zwischen Saudi-Arabien und Iran wird befürchtet, dass die jüngsten Friedensbemühungen für Syrien und den Jemen zum Erliegen kommen. Dazu sagte der saudische UN-Botschafter Abdallah al-Muallimi in New York: "Von unserer Seite aus soll es keine Auswirkungen geben. Wir werden weiter sehr hart arbeiten, um die Friedensbemühungen für Syrien und den Jemen zu unterstützen." Saudi-Arabien werde wie geplant an der nächsten Runde der Friedensgespräche teilnehmen, versicherte al-Muallimi.

Konfliktgeladen: Saudi-Arabien und Iran

Dauerhaft gespanntes Verhältnis

Infokarte: Saudi-Arabien

Die Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien sind schon seit der Islamischen Revolution 1979 gespannt, auch wenn es gelegentlich Tauwetter im Verhältnis der beiden regionalen Rivalen gab. Nun hat Saudi-Arabien wegen Angriffen auf seine diplomatische Vertretung im Iran die diplomatischen Beziehungen gekappt. Dies markiert einen Tiefpunkt im Verhältnis beider Staaten.

Beziehungen vor der Revolution

Unter dem früheren iranischen Staatsoberhaupt Schah Mohammed Reza Pahlavi hatte der Iran ein schwieriges Verhältnis zu Saudi-Arabien. Doch verbesserten sich die Beziehungen gegen Ende seiner Herrschaft. Unter anderem gehörten beide Länder zu den Gründungsmitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).

Beziehungen nach der Revolution

Saddam Hussein

Nach dem Sturz des Schahs und der Besetzung der US-Botschaft in Teheran wurde Saudi-Arabien schnell zum wichtigsten Verbündeten Amerikas in der Region. Im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak in den 1980er Jahren unterstützte Saudi-Arabien den Irak - trotz Bedenken des Königreichs wegen des irakischen Diktators Saddam Hussein. In dem Krieg kamen eine Million Menschen ums Leben.

Hadsch-Unruhen 1987

Muslime zum Höhepunkt des "Hadsch" in Mekka

Bei der jährlichen muslimischen Pilgerfahrt zu heiligen Stätten des Islam in Saudi-Arabien kam es 1987 zu Blutvergießen, als Iraner eine politische Demonstration veranstalteten. Iranische Pilger lieferten sich später Kämpfe mit saudischen Bereitschaftspolizisten. Mindestens 402 Menschen kamen ums Leben. Nach iranischer Darstellung sollen sogar 600 seiner Pilger getötet worden sein. Die Polizei habe mit Maschinengewehren auf die Menschenmenge geschossen. In Teheran griffen Demonstranten die Botschaften Saudi-Arabiens, Kuwaits, Frankreichs und des Iraks an.

Abbruch der Beziehungen 1988

1988 kappte Saudi-Arabien die Beziehungen mit dem Iran - unter Verweis auf die Unruhen beim Hadsch im Vorjahr und iranische Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf. Die Iraner reagierten mit einem Boykott der muslimischen Pilgerfahrt in den Jahren 1988 und 1989. 1991 stellten die beiden Länder die diplomatischen Beziehungen wieder her.

Spannungsabbau

Der Kronprinz von Saudi-Arabien Abdullah bin Abdul Aziz al-Saud und der Iranaische Präsident Mohammad Khatami am 8.12.1997

Nach dem Amtsantritt des gemäßigten iranischen Präsidenten Mohammed Chatami 1997 verbesserten sich die bilateralen Beziehungen. Nach historischen Besuchen des saudischen Kronprinzen Abdullah in Teheran im Dezember 1997 und Chatamis in Saudi-Arabien im Mai 1999 wurde das Verhältnis noch besser.

Atomstreit

Mahmud Ahmadinedschad

In Saudi-Arabien setzten neue Bedenken ein, als gegen Teheran wegen seines umstrittenen Atomprogramms internationale Sanktionen verhängt wurden. Sorgen bereitete auch die zunehmend scharfe Rhetorik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Neues Misstrauen in Saudi-Arabien schürte das iranische Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland vom Sommer 2015. In den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen unterstützen Saudi-Arabien und der Iran gegnerische Seiten.

Hadsch-Katastrophe 2015

Zugedeckte tote Pilger liegen auf Tragen neben einem Rettungsfahrzeug

Am 24. September kam es bei der Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien zu einer Massenpanik. Nach Angaben des Königreichs wurden 769 Pilger getötet. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AP zufolge lag die Opferzahl jedoch bei über 2.400. Laut dem Iran kamen mindestens 464 iranische Pilger ums Leben. Das Land machte saudische "Inkompetenz" für die Todesfälle verantwortlich.

Hinrichtung eines iranischen Scheichs 2016

Anhänger von Scheich Nimr al-Nimr hält sein Porträt hoch (Archivbild)

Am 2. Januar richtete Saudi-Arabien den schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr und 46 weitere Personen hin. Al-Nimr war eine zentrale Figur bei Protesten der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien, die vom Arabischen Frühling inspiriert waren. Seine Hinrichtung löste im Nahen Osten Demonstrationen und Angriffe auf diplomatische Einrichtungen Saudi-Arabiens im Iran aus. Das Königreich kündigte daraufhin an, die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran abzubrechen.

Quelle: ap

05.01.2016, Quelle: dpa, afp, rts
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