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Zu Gast im Vatikan "Wahre Freude" - Rohani beim Papst

BildRuhani und Papst Franziskus
Hassan Rohani und Papst Franziskus am 26.01.2016 in Rom

Papst Franziskus (r.) hat den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani (l.) zu einer Privataudienz empfangen.

(Quelle: reuters)

VideoSanktionen aufgehoben
Irans Präsident Hassan Ruhani

Die USA und die EU haben ihre Sanktionen gegen Iran aufgehoben. Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, dass Iran sein Atomprogramm wie vereinbart zurückgefahren hat.

(17.01.2016)

Video"Irans Wirtschaft wird durchstarten"
Michael Lüders (links) und Wolf-Christian Ulrich

Das Aufheben der Sanktionen gegen Iran "ist eine gute Nachricht für die Region", sagt Nahostexperte Michael Lüders. Die nun freigegebenen 100 Milliarden Dollar machten Iran zur Wirtschaftsmacht.

(18.01.2016)

Es ging um Frieden, Toleranz und ein Gebet: Papst Franziskus hat den iranischen Präsidenten Rohani zu einer Privataudienz empfangen. Rohani sprach im Anschluss von einer wahren Freude. Es ging aber auch um Politik. 

Papst Franziskus hat den iranischen Präsidenten Hassan Rohani zu einem stärkeren Engagement für den Frieden in der Golfregion aufgerufen: Teheran müsse "für angemessene politische Lösungen" in der Region eintreten, sagte er nach einem 40-minütigen Treffen mit Rohani im Vatikan. "Ich setze meine Hoffnung in den Frieden", fügte Franziskus hinzu. Rohani war am Montag in Rom eingetroffen, nach einem Gespräch mit Italiens Ministerpräsidenten Matteo Renzi wurde er vom Papst empfangen. Die 40-minütige Unterredung mit Franziskus sei eine wahre Freude gewesen, sagte Rohani im Anschluss. "Ich bitte Sie, für mich zu beten", trug er dem Papst auf.

Weitere Links zum Thema

Wichtige Rolle im Mittleren Osten

In einer Erklärung des Vatikans hieß es, Franziskus habe die "wichtige Rolle" Teherans im Mittlern Osten betont. Rohani solle sich für Lösungen einsetzen, welche "die Verbreitung von Terrorismus" sowie den Waffenhandel stoppten.

Der Vatikan hat schon mehrfach den gemäßigten Kurs gewürdigt, den Iran seit der Wahl Rohanis eingeschlagen hat. Der Papst begrüßte auch das Atomabkommen, dessen Umsetzung am vorvergangenen Wochenende zur Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen  Iran geführt hatte.

Rohani wird aus Italien nach Frankreich weiterreisen. In Paris sind ein Treffen mit Staatspräsident François Hollande sowie am Donnerstag die Unterzeichnung einer Bestellung von 114 Airbus-Flugzeugen geplant.

Obwohl es nicht der erste Besuch eines iranischen Staatsoberhauptes bei einem Papst war, wurde die Audienz im Vorfeld als symbolträchtig interpretiert. Der schiitische Iran sendet dem sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien damit eine Botschaft: Der Iran hat keine Differenzen mit den Christen. 1999 war bereits Rohanis Vorgänger Mohammed Chatami mit Johannes Paul II. zusammengetroffen.

Ruhani in Rom und Paris

Iran

Irans Präsident Hassan Ruhani

Die Europa-Reise Ruhanis ist für Iran von enormer Bedeutung. Es geht dem Land mehr als nur um neue Geschäfte nach dem Atomabkommen und der Aufhebung der Sanktionen. Der Gottesstaat sucht nach einer neuen internationalen Rolle und möchte sein Ansehen aufbessern. Teheran will nicht mehr als Bedrohung, sondern als neuer potenzieller Partner des Westens angesehen werden. "Diese Reise ist ein Neubeginn, in vielen Belangen", sagt Ruhani. Die neue Zusammenarbeit sei eine Win-Win-Strategie für alle Beteiligten. Besonders mit Blick auf die Terrorgefahr in der Region, von der auch Europa mit der Flüchtlingskrise betroffen sei.

Italien

Rom knüpft politisch und wirtschaftlich hohe Erwartungen an den zweitägigen Besuch Ruhanis. Das zeigt ein italienisch-iranisches Wirtschaftsforum am Dienstag, an dem mehrere Hundert Unternehmer beider Länder teilnehmen. Bereits im vergangenen Jahr war eine Delegation italienischer Politiker mit unter anderem Vertretern des Industriekonzerns Finmeccanica und des Energiekonzerns Eni nach Teheran gereist. "Ich bin überzeugt, dass wir bald positive Nachrichten im Hinblick auf eine Rückkehr Enis in den Iran hören werden", sagte Irans Botschafter Jahanbakhsh Mozaffari. Das Unternehmen und Italien seien in einer "privilegierten Position".

Vatikan

Am Dienstag empfängt Papst Franziskus Ruhani zu einer Privat-Audienz. Der Argentinier hatte sich bereits mehrfach zum Atomabkommen geäußert und es als "bedeutende internationale Vereinbarungen" gelobt, gleichzeitig aber gefordert, es müsse "für alle Staaten eine wirkliche Verpflichtung darstellen". Ruhani selbst will - wie sein Amtsvorgänger Mohammed Chatami zuletzt 1999 - für den Dialog der Kulturen und Religionen werben. Der schiitische Iran sendet dem sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien damit eine Botschaft: Iran hat keine Differenzen mit den Christen. Für Franziskus ist es das erste Treffen mit Ruhani, iranische Präsidenten waren in der Vergangenheit aber schon mehrmals im Vatikan zu Gast.

Frankreich

Paris möchte nach Einschätzung aus dem Élysée, dass Iran als "verlässlicher Partner" künftig "eine konstruktive Rolle in der Region spielt". Vom Besuch Ruhanis in Paris erhofft sich die französische Regierung perspektivisch eine völlige Normalisierung der Beziehungen. Neben den politischen Gesprächen heißt das auch: Geschäfte. Es soll um Energie gehen, um Automobile und die Erneuerung der maroden iranischen Flugzeugbestände. Europas Flugzeugbauer Airbus etwa kann mit einem fetten Auftrag rechnen. "Die zwischenmenschliche Ebene ist gut", heißt es in Paris. Bei Diplomaten gilt Iran aber auch als schwieriger Verhandlungspartner: "Es ist kompliziert - jeden Tag, zu jedem Thema. Man muss extrem wachsam sein."

(Quelle: dpa)

26.01.2016, Quelle: ap, afp, dpa
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