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Terroranschläge in Belgien Europa skandiert: "Je suis Bruxelles"

VideoTerror in Brüssel
Terroranschläge in Brüssel

(22.03.2016)

VideoWehrlos gegen Terror?
Anschlagsopfer in Brüssel werden auf der Straße versorgt

Tote und Verletzte am Brüsseler Flughafen und in der Metro. Der Terror trifft das offene Europa. Sicherheitsbehörden laufen hinterher. Es mangelt an Kommunikation, Information und Datenaustausch.

(22.03.2016)

VideoHerz der EU getroffen
Stefan Leifert in Brüssel

Besonders der zweite Anschlag in Brüssel im Europaviertel hat das Herz der Stadt getroffen, sagte ZDF-Korrespondent Leifert. Noch immer gilt die höchste Terrorwarnstufe.

(22.03.2016)

VideoGrafik: Die Anschlagsorte
Flughafen Zaventem

Die Terroristen haben in Brüssel an zwei Standorten zugeschlagen: zunächst am Flughafen Zaventem und dann in einer U-Bahn in der Station Maelbeek., wie diese ZDF-Grafik verdeutlicht.

(22.03.2016)

Nach Paris attackiert die Terrormiliz IS das Herz Europas: Islamisten töten in Brüssel mindestens 34 Menschen, 230 werden verletzt. Die Angst vor weiteren Anschlägen ist groß - und wird durch neue Ermittlungen genährt. Doch die Europäer stehen auch zusammen: "Je suis Bruxelles", skandieren sie. 

Mehrere Explosionen erschütterten am Dienstagmorgen um 8:00 Uhr zunächst den Flughafen Zaventem und eine Stunde danach einen U-Bahnhof mitten im EU-Viertel; eine Bombe wurde mitten in einem Waggon gezündet. Die Polizei geht von zwei Selbstmordattentätern am Airport aus, nach einem dritten Mann wird mit Foto gefahndet. Nach belgischen Medienberichten starben mindestens zehn Menschen am Flughafen und 20 an der Metrostation Maelbeek. Dem nationalen Krisenzentrum zufolge wurden etwa 100 Menschen am Airport verletzt, weitere 130 bei der Explosion in dem U-Bahnhof. Der belgische Premier Charles Michel sprach von "blinden, gewalttätigen und feigen Anschlägen".

IS bekennt sich zu den Anschlägen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich im Internet zu den Anschlägen. "Soldaten des Kalifats" hätten den "Kreuzfahrerstaat Belgien" mit Sprengstoffgürteln und anderen Sprengsätzen angegriffen. Zugleich drohte der IS: "Wir versprechen den Kreuzfahrerstaaten, die sich gegen den Islamischen Staat verbündet haben, schwarze Tage, als Antwort auf ihre Aggression."

Der belgische Premier Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. In Brüssel gibt es eine große Islamistenszene, die Gemeinde Molenbeek gilt als Hochburg der Extremisten. Erst am Freitag war dort der Hauptverdächtige der Pariser Anschläge mit 130 Toten vom November 2015, Salah Abdeslam, festgenommen worden. Der mutmaßliche Terrorist wurde bei einem Polizei-Großeinsatz gefasst.

Terrorismusexperten wie ZDF-Vizechefredakteur Elmar Theveßen kritisierten allerdings auch die vergleichsweise lückenhafte Polizeiarbeit in Belgien, die dazu führte, dass selbst große Zellen bisher nicht ausgehoben wurden.

Theveßen: Französischsprachige Islamisten bilden Elitegruppe im IS

Auch in vielen anderen europäischen Städten geht die Terrorangst um: Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillierten an Flughäfen und an anderen Verkehrsknotenpunkten. Die Terrorwarnung in Belgien wurde auf die höchste Stufe angehoben. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein.ZDF-Terrorismusexperte Theveßen erklärte, für Deutschland gelte weiter eine hohe Terrorgefahr, auch wenn es keine konkreten Erkenntnisse gebe. Dass die IS-Attentäter vor allem in Paris und Brüssel zugeschlagen haben, erklärt er damit, dass die französischsprachigen Islamisten innerhalb der Dschihadistenmiliz IS eine Art Elitegruppe bildeten, die sich stark vernetzt habe. Vergleichsweise lasche Polizeiarbeit in Belgien habe die Vernetzung begünstigt und Brüssel zum idealen Ort der Vorbereitungen für Anschläge gemacht.

Kanzlerin sichert Solidarität zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Belgien volle Solidarität und Unterstützung bei der Suche nach den islamistischen Attentätern zu. Deutschland werde in jeder Weise mit der belgischen Regierung und den dortigen Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten, "um die Schuldigen für die heutigen Verbrechen zu finden, festzusetzen und zu bestrafen", sagte sie. Bundespräsident Joachim Gauck verurteilte die Anschläge als "schreckliches Verbrechen".

US-Präsident Barack Obama sicherte den Europäern Unterstützung zu. Er sagte während seiner historischen Kuba-Reise: "Wir werden alles tun, was notwendig ist, um unseren Freund und Verbündeten Belgien dabei zu unterstützen, diejenigen vor Gericht zu bringen, die dafür verantwortlich sind." Ähnlich äußerten sich auch Frankreichs Staatspräsident François Hollande und weitere hohe Repräsentanten der EU-Staaten. In mehreren Staaten - auch in Deutschland - wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Europaweit bekundeten die Menschen ihre Anteilnahme und Solidarität.

Dritte Bombe entschärft

Am Nachmittag wurde im Gebäude des Brüsseler Airports eine dritte Bombe gefunden und entschärft, meldete der belgische öffentlich-rechtliche Sender RTBF. Ein Krankenhausmitarbeiter aus dem nahe gelegenen Löwen sagte, auch die Sprengsätze im Flughafen seien mit Nägeln präpariert gewesen.

Der Flughafen Brüssel-Zaventem soll frühestens am Donnerstag wieder öffnen. Flüge wurden umgeleitet, etwa nach Frankfurt/Main und Düsseldorf. Für etwa 1.300 Reisende, die durch die Anschläge am Brüsseler Flughafen festsaßen, wurden Massenunterkünfte mit Feldbetten organisiert. Zudem wurden alle Metro-Stationen und sämtliche Bahnhöfe in Brüssel gesperrt, erst am Nachmittag wurde der Schienenverkehr teilweise wieder aufgenommen.

Schweigeminute am Mittwoch

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Die Bahngesellschaft SNCB rief Reisende auf, die belgische Hauptstadt bis auf weiteres nicht anzufahren. Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr zwischen Aachen und Brüssel ein, will ihre ICE ab Mittwoch aber wieder regulär einsetzen. Auch der Eurostar und die Thalys-Hochgeschwindigkeitszüge sollen dann wieder rollen.

Zudem verstärkten die Behörden den Schutz der belgischen Atommeiler Doel und Tihange: Das für den Betrieb der Anlagen nicht unbedingt notwendige Personal musste das Gelände verlassen. Auch eine Sicherheitsüberprüfung aller Mitarbeiter wurde angeordnet. Polizei und Militär seien vor Ort, hieß es vom Betreiber Engie.Für Mittwochnachmittag rief die Brüsseler Regionalregierung zu einer Schweigeminute auf. Belgiens König Philippe appellierte in einer seltenen aktuellen Ansprache an das Volk, dem Terror "mit Entschlossenheit, Ruhe und Würde" zu begegnen. "Behalten wir Vertrauen in uns selbst", sagte er. "Dieses Vertrauen ist unsere Kraft."

Terror in Brüssel

ZDF spezial

Trauer vor der Börse in Brüssel

22.03.2016, Quelle: dpa, ZDF
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