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IS in Nahost Wasser als Waffe für Terroristen

BildStaudamm von Mossul
Archiv - Der Staudamm von Mosul, 360 km nordwestlich von bagdad, am 31.10.2007

Den Staudamm von Mossul hatte die Terrormiliz IS bereits unter ihrer Kontrolle.

(Quelle: ap)

VideoGrafikvideo: Türkei & Syrienkrise
Grafikvideo: Die Türkei und der Krieg vor der Tür

Der tobende Krieg in Syrien wirft auch seine Schatten auf die Türkei. Nicht nur die Wirtschaft leidet, auch die Sicherheit im Land hat sich verändert.

(07.03.2016)

VideoIS-Geiseln zurück in Heimat
Zwei italienische Techniker, die im Juli in Libyen entführt worden waren, sind wieder in ihrer Heimat. Die beiden Männer waren am Freitag aus der Gewalt der Terrormiliz IS befreit worden.

Zwei italienische Techniker, die im Juli in Libyen entführt worden waren, sind wieder in ihrer Heimat. Die beiden Männer waren am Freitag aus der Gewalt der Terrormiliz IS befreit worden.

(06.03.2016)

VideoSyrien: UN liefert Hilfsgüter
Die UN haben mit Hilfslieferungen an die syrische Bevölkerung begonnen. In in den nächsten Tagen sollen Hilfsgüter an mehr als 150.000 Menschen verteilt werden.

Die UN haben mit Hilfslieferungen an die syrische Bevölkerung begonnen. In den nächsten Tagen sollen Hilfsgüter an mehr als 150.000 Menschen verteilt werden.

(03.03.2016)

Mossul, Ramadi, Haditha: Die Terrormiliz Islamischer Staat hat bereits mehrere Staudämme angegriffen. Laut Wissenschaftlern setzen die Terroristen Wasser verstärkt als Waffe ein. Die Folgen können tödlich sein - auch in Europa. 

Hinrichtungen vor laufender Kamera, gesprengte Welterbestätten, blutige Anschläge mitten in Europa: Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) schockiert immer wieder neu. Das gilt nicht nur für medienwirksame Gewalttaten. Weitgehend unbeachtet haben die Terroristen in Syrien und im Irak strategisch bedeutsame Wasserressourcen und weite Teile der Wasser-Infrastruktur unter ihre Kontrolle gebracht. Wissenschaftler sprechen von neuen Standards der Militärtaktik.

Drohkulisse "ähnlich der Wirkung einer Atombombe"

Das kostbare Gut wurde immer wieder als Waffe eingesetzt. So ließ der irakische Diktator Saddam Hussein in den 1990er Jahren das Marschland trockenlegen, um die Bevölkerung für einen Aufstand gegen sein Regime zu bestrafen. "Historisch betrachtet war der Einsatz von Wasser als Waffe jedoch immer die Ultima Ratio", sagt der Nahost-Experte Tobias von Lossow. Seit der Verabschiedung der Genfer Konvention sei diese Waffe sogar fast verschwunden, "oder die Akteure haben sich zumindest nicht mit ihrem Einsatz gebrüstet".

Nun erfahre die systematische Instrumentalisierung von Wasser eine Renaissance, so der Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Kampf ums Wasser sei eines von vielen Beispielen für die Enthemmung in den Konflikten in Nahost. Von Lossow zieht drastische Vergleiche: Das Ausmaß an Brutalität, mit der die IS-Terroristen vorgingen, erinnere an den Völkermord in Ruanda. Und: Wer Wasser kontrolliere, könne eine dramatische Drohkulisse aufrecht erhalten - "ähnlich der Wirkungslogik einer Atombombe"
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Kein Strom, vergiftetes Wasser

Schon Mitte vergangenen Jahres warnte etwa das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, dass alle Parteien im syrischen Bürgerkrieg Wasser und Strom strategisch einsetzten. Am stärksten systematisch gehe der IS vor, sagt von Lossow. So befinden sich mehrere Talsperren in der Hand der Terroristen, darunter die bei Falludscha, Samarra und Ramadi. Zeitweise haben sie bereits einzelne Städte von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten oder aber mit gezielten Überflutungen ganze Ernte- und Nutztierbestände vernichtet.

Greifbar wird die Bedrohung auch für Europa, wenn der Politikwissenschaftler über eine weitere Möglichkeit spricht, Wasser als Waffe einzusetzen: durch Verunreinigung oder Vergiftung. Aus mehreren Orten in Nahost gab es bereits Berichte über vergiftetes Trinkwasser, und der IS hält seine Anhänger dazu an, dem Beispiel andernorts zu folgen. Ein Anschlag auf die Wasserversorgung der kosovarischen Hauptstadt Pristina konnte im vergangenen Sommer nur knapp verhindert werden.

Verstoß gegen das Völkerrecht

Im Nahen Osten selbst befinde sich der IS allerdings in einem Zielkonflikt, erklärt von Lossow weiter. Die Organisation will ein Kalifat errichten, ist also "an einer Übernahme von Staatsfunktionen und somit an einer nachhaltigen Nutzung der Ressourcen interessiert." Tatsächlich lasse der IS inzwischen auch Leitungen instand setzen, Wasserspeicher anlegen und Brunnen bohren.

Dieses Beispiel veranschaulicht, dass der IS sich einerseits als terroristische Vereinigung versteht, aber eben auch als "Quasi-Staat". Ähnlich erklärten Terrorismus-Experten einen anderen Fall, der zu Wochenbeginn für Schlagzeilen sorgte: Der Miliz waren geheime Dokumente mit den Namen ausländischer Kämpfer abhanden gekommen. Das Bundeskriminalamt will sie laut Medienberichten zur Strafverfolgung von IS-Rückkehrern nutzen.

Der Einsatz von Wasser als Waffe verstößt gegen das Völkerrecht. Dennoch können die Vereinten Nationen nach Einschätzung von Lossows nicht viel tun: "Die Ächtung durch die Staatengemeinschaft, Appelle oder Sanktionen greifen nicht."

Vereinte Nationen machtlos

Einzig militärisches Eingreifen habe bislang Wirkung gezeigt - berge aber auch eine entscheidende Gefahr: "Das Risiko, dass der IS Wasser als Massenvernichtungswaffe einsetzt, steigt, wenn er militärisch zurückgedrängt wird." Wenn die Miliz zu scheitern drohe und sich - ihrer eigenen Ideologie zufolge - in der finalen Schlacht mit den Feinden befinde, seien ihr eine Dammsprengung oder die Öffnung aller Schleusen zuzutrauen, so von Lossow. Was dann drohe, sei "ein sprichwörtlicher Untergang der betroffenen Regionen."

Akteure im Kampf gegen den IS

USA

US Flaggen

Seit September 2014 fliegen die USA an der Spitze einer Koalition westlicher und arabischer Staaten Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak und in Syrien. Im Irak operiert Washington auf Bitte der Regierung in Bagdad, in Syrien geht sie ohne Abstimmung mit Präsident Baschar al-Assad vor. US-Präsident Barack Obama, der Ende 2011 die letzten Soldaten aus dem Irak abzog, lehnt die Entsendung von Bodentruppen ab.

Russland

Russische Flagge vor Lenin-Denkmal

Russland unterstützt seinen Verbündeten Assad seit Beginn des Konflikts mit Waffen und blockierte immer wieder dessen Verurteilung im UN-Sicherheitsrat. Ende September griff Moskau auch militärisch in den Konflikt ein: Nahe der Küstenstadt Latakia baute Russland einen Luftwaffenstützpunkt auf, von dem es seitdem Luftangriffe auf die IS-Miliz, die Al-Nusra-Front sowie andere gemäßigtere Rebellengruppen fliegt.

Frankreich

Französische Flagge

Seit September 2014 beteiligt sich Frankreich an der Anti-IS-Koalition im Irak, seit September 2015 fliegt es auch Angriffe in Syrien. Jeweils sechs Kampfflugzeuge sind in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert. Nach den Anschlägen von Paris, zu denen sich die IS-Miliz bekannte, verlegte Frankreich seinen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" mit 26 Kampfjets ins östliche Mittelmeer und verstärkte seine Angriffe in Syrien.

Iran

Flagge vom Iran

Iran ist seit langem einer der engsten Verbündeten Assads. Teheran hat zahlreiche Mitglieder der Revolutionsgarden als Militärberater und Ausbilder nach Syrien entsandt und unterstützt die Regierungstruppen mit Waffen und Geld. Offiziell hat es keine Kampftruppen im Einsatz, doch kämpfen die libanesische Hisbollah-Miliz sowie schiitische Freiwillige aus Iran, dem Irak und anderen Ländern auf der Seite Assads.

Deutschland

Deutsche Flagge im Aufwind

Nach den Anschlägen von Paris hat Deutschland auf Bitten Frankreichs militärische Unterstützung gegen die IS-Miliz zugesichert. Am 4. Dezember 2015 beschloss der Bundestag die Entsendung von Aufklärungsflugzeugen und einer Fregatte zum Schutz der "Charles de Gaulle". Der Militäreinsatz soll bis zu 1.200 Soldaten umfassen und zunächst bis Ende 2016 laufen.

Großbritannien

Britische Flaggen

Die britische Luftwaffe flog zunächst nur Luftangriffe auf die IS-Miliz im Irak. Doch wegen der Anschläge von Paris weitete das Vereinigte Königreich den Einsatz auch auf Syrien aus. Das hatte das britische Parlament am 2. Dezember 2015 beschlossen. Wenige Stunden später stiegen britische Tornados in Zypern auf und griffen ein vom IS kontrolliertes Ölfeld im Osten Syriens an.

Syrische Regierungstruppen

Syrien: KInd mit Flagge

Die einst schlagkräftige syrische Armee ist stark geschrumpft - durch Kriegstote, Überläufer und Wehrdienstverweigerer. Von den vormals 300.000 Mann bleiben Schätzungen zufolge rund 178.000. An der Seite der Armee kämpfen bis zu 200.000 Milizionäre, darunter als stärkste Kraft die Nationalen Verteidigungskräfte mit 90.000 Mann.

Irakische Armee

Flagge vom Irak

Ihre Truppenstärke wird auf 180.000 Mann geschätzt. Als die IS-Miliz im Sommer 2014 im Zuge einer Blitzoffensive weite Gebiete im Nordirak eroberte, zog sich die Armee vielfach kampflos zurück. Inzwischen haben die USA und ihre Verbündeten die irakischen Streitkräfte aufgerüstet. Unterstützt werden sie von schiitischen Milizen, die schlagkräftig aber umstritten sind.

Kurdische Milizen

Peschmerga Kämpfer unter Kurdische Flagge im Irak

Die kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens werden von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) geschützt. Im Oktober wurde eine Koalition kurdischer und arabischer Einheiten gegründet, die Syrischen Demokratischen Kräfte. Der YPG-Miliz sowie den kurdischen Peschmerga im Nordirak gelang es inzwischen, wichtige Geländegewinne gegen die Dschihadisten zu erzielen.

Quelle: AFP

09.03.2016, Quelle: von Paula Konersmann, kna
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