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Internationaler Währungsfonds IWF sieht große Risiken für Weltwirtschaft

BildLogo des IWF
Logo des internationalen Währungsfonds (IWF)

Dunkle Aussichten: Der IWF hat seine Erwartungen für das weltweite Wirtschaftwachstum erneut reduziert.

(Quelle: dpa)

VideoIWF-Chefin muss vor Gericht
Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, bei einer öffentlichen Veranstaltung.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Lagarde, muss vor Gericht. Es geht um eine Finanzaffäre während ihrer Zeit als französische Finanzministerin.

(17.12.2015)

VideoSchäuble will Steuerabkommen
Die G20-Finanzminister bei einer Pressekonferenz in Lima.

Finanzminister Schäuble hat auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank ein Abkommen gegen Steuertricks gefordert. Schlupflöcher für Konzerne sollen so gestopft werden.

(09.10.2015)

Video"Paris verändert Weltwirtschaft"
Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms

Die Weltwirtschaft orientiere sich zunehmend an Umweltverträglichkeit und CO2-Neutralität, sagt UN-Umweltprogrammchef Steiner. Die Ambitionen des Pariser Klimaabkommens würden ständig erhöht.

(19.08.2015)

Der Internationale Währungsfonds sieht erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft und senkt wieder seine Konjunkturprognose. Deutschland hingegen sei eine rühmliche Ausnahme, heißt es im aktuellen Weltwirtschaftsbericht. 

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt die Wachstumsperspektiven für die Weltwirtschaft pessimistischer ein als zuletzt. Ein Rückgang in den Entwicklungsländern, Chinas Kurskorrektur, niedrige Rohstoffpreise und der Ausstieg aus der Politik des ultrabilligen Geldes in den USA bedeuteten große Unsicherheit, heißt es im Weltwirtschaftsbericht, der jetzt in London vorgestellt wurde.

Im Jahr 2015 sei die Weltwirtschaft nur um 3,1 Prozent gewachsen. Für das laufende Jahr sieht der IWF ein Wachstum von 3,4 Prozent. 2017 könnte es um 3,6 Prozent nach oben gehen, unter anderem, weil es bis dahin in den stotternden Volkswirtschaften der großen Schwellenländer Russland und Brasilien wieder etwas besser laufen könnte. Der IWF hat damit seine Prognose vom Herbst auf breiter Front zurückgenommen und um 0,2 Punkte nach unten korrigiert - allerdings nicht für Deutschland.

Deutschland ist positive Ausnahme

Es ist bereits die dritte Reduzierung der Prognose in weniger als einem Jahr. Die Euro-Länder sind aus IWF-Sicht aber nicht mehr die Sorgenkinder. Hier wird mit Zuwächsen von jeweils 1,7 Prozent in den Jahren 2016 und 2017 gerechnet. Das gleiche Tempo wird Deutschland vorausgesagt. Hier hat der IWF seine Prognosen für dieses Jahr um 0,1 Punkte und für nächstes Jahr sogar um 0,2 Punkte aufgestockt. 

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Insgesamt werde das Wachstum in Europa derzeit eher vom Konsum getragen, die niedrige Inflation drücke allerdings auf die Preise bei den Exporteuren, was vor allem Deutschland belaste. Nach Auffassung des IWF ist in Europa die Flüchtlingskrise das größte Problem. Der Währungsfonds forderte die Regierungen deshalb auf, mehr für die Integration der Flüchtlinge zu tun.

Brasilien stürzt ab

Verantwortlich für die Eintrübung der globalen Wachstumsaussichten sind nach IWF-Lesart vor allem die Schwellen- und Ölländer. In China dürfte die Wachstumsrate nach 6,9 Prozent 2015 über 6,3 Prozent 2016 bei 6,0 Prozent im Jahr 2017 landen. Brasilien sagt der Fonds einen wirtschaftlichen Absturz um 3,5 Prozent im laufenden Jahr voraus und ist damit deutlich pessimistischer als bislang. Auch 2017 dürfte es das südamerikanische Land laut IWF nicht schaffen, den Wachstumsbereich wieder zu erreichen.

Für den weltweit größten Ölförderer Saudi-Arabien senkte der Fonds wegen des massiven Preisverfalls die Schätzung ebenfalls deutlich um jeweils einen Prozentpunkt für das laufende und das nächste Jahr nach unten: Die Wirtschaftsleistung wird nur noch zwischen gut einem und knapp zwei Prozent wachsen. Und auch für Russland ist der Fonds um einiges pessimistischer als bisher.

Der niedrige Ölpreis, der bis 2017 nach bisherigen Erkenntnissen nicht signifikant steigen werde, habe Öl exportierende Länder in ihren Wachstumsaussichten geschwächt. Die Nachfrage sei jedoch trotz der niedrigeren Kosten nicht in dem Maße gestiegen, wie das bei früheren Preissenkungen zu beobachten gewesen sei.

IWF rät: Lockere Geldpolitik verfolgen

"Wenn diese Haupt-Herausforderungen nicht erfolgreich gemeistert werden, könnte das globale Wachstum aus der Bahn geworfen werden", heißt es in dem Bericht. Der IWF rief Regierungen und Zentralbanken dazu auf, weiter eine lockere Geldpolitik zu verfolgen, vor allem um die lahmende Inflation in Gang zu bringen. Zudem müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden - unter anderem mit Investitionen und Strukturreformen.

Niedriger Ölpreis: Wem er nutzt

Gewinner

Anzeigetafel einer Tankstelle

Die Verbraucher: Für Endverbraucher wie Autofahrer oder Heizölkunden ist die Situation derzeit sehr angenehm. Der Preis für einen Liter Dieselkraftstoff beispielsweise fiel am Donnerstag an einigen Orten in Deutschland zeitweise unter einen Euro. Ein wichtiger Faktor dafür ist der geringe Rohöl-Preis. E10-Super-Benzin kostet im bundesweiten Schnitt 1,30 Euro und damit ebenfalls deutlich weniger als etwa noch 2012 mit mehr als 1,60 Euro. Auch der Preis für Heizöl ist aktuell auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren.

Die Industriestaaten: Industrieländer wie Deutschland gehören aus volkswirtschaftlicher Sicht ebenfalls zu den Profiteuren des Ölpreiseinbruchs. Sie können Öl so billig wie selten importieren. Das Überangebot des "schwarzen Goldes" kommt der Industrie zugute, sie kann wegen der geringeren Kosten für die wichtige Ressource günstiger produzieren - etwa in der Chemie, wo Öl ein zentraler Grundstoff ist.

Verlierer

Fracking - Ölgewinnung in den USA

Die Produzenten-Länder: Nach Einschätzung von Analysten ist der niedrige Preis derzeit für sämtliche Ölproduzenten und -exporteure schmerzhaft. Bei Preisen zwischen 40 und 45 US-Dollar ist die Förderung wenig profitabel. Jedoch gibt es deutliche Abstufungen. Einige Förderländer - etwa Saudi-Arabien und andere Golfstaaten - können das Preistief durch hohe Rücklagen besser und länger verkraften. Staaten wie Venezuela, deren Haushalte stark von den Öleinnahmen abhängig sind, haben hingegen große Probleme. Auch für die US-Schieferölindustrie ist der Preisverfall eine Belastung, denn die Förderung eigenen Öls und Gases mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode wird hier zusehends unrentabel.

Die Rohstoffkonzerne: Den großen Ölkonzernen macht diese Entwicklung entsprechend zu schaffen. Branchenriesen wie ExxonMobil, Chevron oder Shell verzeichneten jüngst deutliche Gewinneinbrüche. Weil sie auf dem Weltmarkt keine gewohnt hohen Preise für ihr Erdöl erzielen können, haben sie ihre Investitionen bereits drastisch gekappt.

Das Klima: Die günstige Verfügbarkeit von Öl und anderen fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas kann die Entwicklung und den Einsatz alternativer Energien weltweit hemmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte deshalb jüngst vor mangelnden Innovationen und Investitionen bei erneuerbaren Energieträgern. Die Folge wäre unter anderem ein weiterhin erhöhter CO2-Ausstoß. Bei der UN-Klimakonferenz Paris ringen die Staaten aber gerade darum, die Emissionen des Treibhausgases endlich wirksam einzudämmen, damit die Erderwärmung innerhalb des Zwei-Grad-Zieles gehalten werden kann.

19.01.2016, Quelle: dpa, Reuters, AFP
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