25.07.2016

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Messe in Berlin Jobbörse bringt Flüchtlinge und Betriebe zusammen

BildJobbörse für Flüchtlinge
Jobbörse für Flüchtlinge am 29. Februar 2016

(Quelle: dpa)

VideoTränengas gegen Flüchtlinge
In Mazedonien eskaliert die Lage am 29.2.2016

An der Grenze zu Griechenland stürmen hunderte Flüchtlinge eine Bahntrasse. Tausende Menschen sitzen dort seit Tagen fest. Die Polizei setzt Tränengas ein, so Michael Bewerunge.

(29.02.2016)

VideoProteste in Idomeni
Flüchtlinge an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien am 27.02.2016

Sie stehen vor dem Grenzübergang Idomeni in Griechenland und kommen nicht weiter. Über 5.000 Flüchtlinge wollen über die Grenze nach Mazedonien.

(27.02.2016)

VideoFlüchtlinge sitzen fest
Flüchtlinge an der  Balkanroute

Die Balkanroute ist weitgehend geschlossen. Dennoch versuchen weiterhin Tausende, zur Grenze nach Mazedonien zu gelangen. In Griechenland wird der Rückstau an Flüchtlingen immer größer.

(26.02.2016)

von Simon Plentinger

Mehr als 4.000 Flüchtlinge haben sich in Berlin auf einer Jobbörse über ihre Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt informiert. Einer von ihnen: Abdul Qadeer Khan aus Afghanistan. Er konnte - wie viele andere - gute Kontakte knüpfen. Doch bis zu einem festen Arbeitsplatz ist es ein langer Weg. 

Das Jobcenter hatte Abdul Qadeer Khan auf die Messe im Berliner Hotel Estrel aufmerksam gemacht. Gleich zu Beginn hat sich der junge Afghane am Stand eines Berliner Unternehmens niedergelassen, das Industrieschilder herstellt. Der Betrieb sucht Mitarbeiter für die Produktion. Auf Englisch beantworten zwei Unternehmensvertreter die Fragen des 28-Jährigen. "Ich wollte vor allem wissen, ob es eine Einarbeitungsphase gibt und wie die Arbeitszeiten sind", erzählt der nach dem Gespräch. Bevor Khan Ende 2014 nach Deutschland kam, hatte er unter anderem bei einer Bekleidungsfirma gearbeitet.

Ungewohnte Situation für die Unternehmen

Richtig gepasst habe der Bewerber nicht, sagt der Geschäftsführer Christian Weidling. "Er hat einen Abschluss in Wirtschaft und ist damit eigentlich überqualifiziert für die Tätigkeit bei uns." Trotzdem ist er von dem Gespräch positiv überrascht. "Er hat genau die Fragen gestellt, die auch sonst in einem Bewerbungsgespräch geklärt werden."

Rund 210 Unternehmen und Bildungsinitiativen präsentieren sich auf der Jobbörse, die das Hotel Estrel zusammen mit der Agentur für Arbeit Berlin Süd initiiert hat. Insgesamt sind etwa 1.000 Stellen und Praktikumsplätze zu vergeben. Doch mit den Regelungen, in welchen Fällen Unternehmen Flüchtlinge einstellen dürfen, müssen sich einige erst befassen. Eine Broschüre, die für die Aussteller ausliegt, soll diese Fragen klären.

Subsidiärer Schutz

Das deutsche Recht sieht drei verschiedene Kategorien für den Schutz von Flüchtlingen vor. Am seltensten wird der umfassende Schutz nach Paragraph 16 im Grundgesetz gewährt, da er durch die Drittstaatenregelung nur auf wenige zutrifft. Am häufigsten werden Asylsuchende in Deutschland nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt. Diesen Schutzstatus erhält, wer aufgrund seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe verfolgt wird.

Trifft auf einen Schutzsuchenden dies nicht zu, gibt es noch die Möglichkeit subsidiären Schutzes. Er wird in der Regel gewährt, wenn nicht wegen der Diskriminierung einer ganzen Gruppe, im konkreten Fall aber dennoch Gefahr für Leib und Leben droht. Dies kann etwa im Fall von Krieg, einer verhängten Todesstrafe oder Folter der Fall sein. (Quelle: epd)

Status noch unklar

"Ich weiß gar nicht genau, was subsidiärer Schutz bedeutet", gibt Geschäftsführer Weidling zu. Außerdem seien viele ja noch im Asylprozess und wüssten nicht genau, welchen Status sie erhalten. "Am besten wäre es, den Menschen schon während dieser Zeit ein Praktikum anbieten zu können, ohne dafür Genehmigungen bei den Behörden einholen zu müssen." Das sei ohnehin die beste Möglichkeit, um Bewerber kennenzulernen.

Solch ein Praktikum bietet ein Berliner Logistikunternehmen in der Woche vor Ostern an. Zwei junge Männer aus Guinea und dem Tschad haben dafür gerade ihre Daten auf einem bereitliegenden Bewerberbogen bei Tanja Schirmer hinterlassen. "Mit so einem Praktikum können sie ein Gefühl für die Tätigkeit bekommen", sagt Schirmer. Sonst könnten sich die Bewerber nicht viel darunter vorstellen. "Wenn ich einer zehnten Klasse in Deutschland den Beruf der Fachkraft für Möbel-, Küchen-, und Umzugsservice vorstelle, wissen die Schüler auch nicht, was man da genau macht."

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Kontakte sammeln für später

In der Messehalle stellen sich Unternehmen aus den verschiedensten Branchen vor, von der Gastronomie über Pflege, bis hin zu Sicherheitsdiensten. Mit 4.100 angemeldeten Teilnehmern ist die Veranstaltung ausgebucht, Interessenten gab es noch mehr. Ihre Qualifikationen und Wünsche sind vielfältig. Der 45-Jährige Abubaker Gebril war früher Landwirt im Tschad, am liebsten würde er jetzt eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machen. Nour O., eine 28-jährige Syrerin, will wieder in der IT-Branche arbeiten. Als sie an einem Stand erfährt, dass das Unternehmen Programmierer für seine Website sucht, wird sie hellhörig. Auch sie füllt einen der Bewerberbögen aus. "Im Moment darf ich aufgrund meines Status noch gar nicht arbeiten. Aber immerhin habe ich jetzt schon einmal jede Menge Visitenkarten gesammelt", erzählt sie.

Abdul Qadeer Khan hat nach zwei Stunden Messerundgang noch kein wirklich passendes Angebot gefunden. "Ich habe mit einigen Leuten aus der Hotelbranche gesprochen, aber die brauchen hauptsächlich Servicekräfte." Eigentlich sucht er etwas in der Verwaltung. "Zwei haben mir aber angeboten, an der Rezeption anzufangen." Das sei eine Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln, sagt er. Vielleicht könne er sich ja von dort aus hocharbeiten.

Flüchtlingsrouten auf dem Balkan

Karte

Kaum Vorankommen über die Balkanroute: Über Mazedonien und Serbien gelangten viele  Flüchtlinge zu den Außengrenzen der Europäischen Union. Nachdem Ungarn seine Grenze zu Serbien geschlossen hatte, brachte Serbien zahlreiche Flüchtlinge nach Kroatien. Kroatien beklagte sich über die enorme Belastung. Ungarn schloss auch diese Grenze. Mittlerweile hat auch Mazedonien die Grenze zu Griechenland weitgehend dicht gemacht. Weitere Länder, darunter Slowenien und Serbien, wollen diesem Beispiel nun folgen.

27.02.2016
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