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Kampf gegen IS-Terrormiliz Ankara und Riad vereinbaren Schulterschluss

BildErdogan und Salman
Erdogan und König Salman

Wenn es um eine politische Lösung des Syrien-Konflikts geht, sind sich die Türkei und Saudi-Arabien weitgehend einig: Präsident Assad soll verschwinden. Erdogan sucht jetzt weitere Anknüpfungspunkte.

(Quelle: ap)

VideoRebellenführer in Syrien getötet
Einer der einflussreichsten Rebellenführer Syriens ist bei einem Luftangriff nahe der Hauptstadt Damaskus getötet worden. Es handele sich um Sahran Allusch von der Gruppierung

Einer der einflussreichsten Rebellenführer Syriens ist bei einem Luftangriff nahe der Hauptstadt Damaskus getötet worden. Es handele sich um Sahran Allusch von der Gruppierung "Dschaisch al-Islam".

(26.12.2015)

Saudi-Arabien und die Türkei wollen unter anderem im Kampf gegen den IS enger zusammenarbeiten. Die Länder wollen einen "strategischen Kooperationsrat" bilden, sagte der saudische Außenminister al-Dschubair. Zuvor hatten sich König Salman und Präsident Erdogan getroffen. 

Der Rat solle sich unter anderem mit Sicherheitsfragen sowie verstärkter militärischer, politischer und wirtschaftlicher Kooperation befassen, so der Außenminister weiter. Der Rat wird von den Außenministerien beider Länder geleitet und soll den Beziehungen einen "qualitativen Sprung" nach vorne ermöglichen, wie al-Dschubair sagte. Saudi-Arabien und die Türkei gehören zu den schärfsten Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Saudi-Arabien hatte Mitte des Monats ein neues Militärbündnis gegründet, mit dem das islamisch-konservative Königreich nach eigenen Angaben den Terror bekämpfen will. An der "islamischen Koalition" mit Sitz in Riad beteiligen sich demnach 34 Länder. Das Bündnis will alle "terroristischen Organisationen" bekämpfen, nicht nur die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Al-Dschubair lobte, dass auch die Türkei die neue Koalition unterstütze und man in vielen politischen Fragen einer Meinung sei.

Erdogan: Man kann Assad nicht unterstützen

Die Regierung in Ankara arbeitet ebenso wie die saudische in Riad auf einen Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hin. Russland dagegen unterstützt ihn, seit Ende September auch mit Luftangriffen. Moskau betont, es nehme dabei ausschließlich Organisationen wie die Terrormiliz Islamischer Staat ins Visier.

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Die Türkei und westliche Staaten werfen Russland jedoch vor, auch von ihnen unterstützte Rebellen bombardiert zu haben und zwar auch in Gegenden, in denen der IS nicht aktiv sei. Erdogan sagte vor seinem Abflug, Assad sei für die Tötung Hunderttausender verantwortlich und Russland unterstütze ihn dennoch. "Man kann nicht irgendwohin gehen, um ein Regime zu unterstützen, das gnadenlos mit konventionellen und chemischen Waffen 400.000 unschuldige Menschen getötet hat." Nach UN-Angaben wurden in dem Bürgerkrieg mindestens 250.000 Menschen getötet und etwa zwölf Millionen vertrieben.

Verbesserte Beziehung seit Salmans Amtsantritt

Erdogan kritisierte auch Staaten, die Kurden in Syrien im Kampf gegen den IS unterstützen. Wer so handle, gieße Öl ins Feuer. Die Türkei betrachtet Kurden in Syrien als Terroristen, weil diese auch kurdische Rebellen in der Türkei unterstützen.

Der tükische Regierungschef sagte, Saudi-Arabien und die Türkei bemühten sich solidarisch um eine politische Lösung des Konflikts. Die Beziehung der Länder hat sich seit dem Amtsantritt von König Salman Anfang des Jahres verbessert. Als syrische Oppositionsgruppen vor knapp drei Wochen in Saudi-Arabien über ein Rahmenkonzept für vorgeschlagene Friedensgespräche verhandelten, waren zwei der wichtigsten kurdischen Organisationen nicht eingeladen.

Syrien-Krise: Die Akteure

Regime

Petra Gerster vor einer virtuellen Karte Syriens.

Seit Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert. Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern. Zudem fliegt die russische Luftwaffe Angriffe in Syrien.

Islamischer Staat (IS)

Nach vier Jahren Bürgerkrieg ist in Homs kein normales Leben mehr möglich. Uli Gack berichtet über das Leben in der zerbombten und umkämpften Stadt

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Al-Nusra-Front

Kämpfer einer islamistischen Rebellengruppe in Syrien

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Freie Syrische Armee

Kämpfer der freien syrischen Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden. Die Allianz wird vom Westen unterstützt.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger. Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz.

Kurdische Volksschutzeinheiten (YPG)

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo. Erklärte Gegnerin der syrischen Kurden ist die Türkei.

USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Deutschland. In den Konflikt ging Washington mit dem Ziel, Assad zu stürzen; damals gab es den IS noch nicht.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit dem IS verfeindet sind. Moskau unterstützt das syrische Regime.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Beide Länder fordern ein Abtreten Assads. (dpa)

29.12.2015, Quelle: dpa, reuters, ap
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