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Kirche und Flüchtlingskrise Kardinal Marx: "Leute, so geht es nicht!"

VideoKardinal Marx: "So geht es nicht"
Kardinal Marx im Schaltgespräch

Wo eine radikale Hasssprache gesprochen werde und Menschen in eine Ecke gedrängt würden, so Kardinal Marx, da könne man nicht von Versöhnung reden. Da muss man sagen, so geht es nicht.

(15.02.2016)

VideoKritik aus den Kirchen an AfD
Vertreter der katholischen Kirche kritiseren AfD

Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche kritisieren die rechtspopulistische Partei AfD. Je deutlicher die Kirchen sich distanzieren, desto aggressiver wird der Tonfall der AfD.

(15.02.2016)

VideoDeutsche Bischofskonferenz 2016
Schwester Ines hilft Flüchtlingen

Auf der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz soll ein Leitbild für die Flüchtlingsarbeit verabschiedet werden. Wie könnte dieses aussehen?

(15.02.2016)

VideoSpuren der Flucht in der Türkei
Christian Sievers

Immer noch kommen viele Flüchtlinge, die nach Europa wollen, über die Türkei. Immer noch verlieren viele bei dem Versuch ihr Leben. Spuren ihrer Flucht finden sich am Strand: Fotos, Schuhe, Rettungsringe.

(15.02.2016)

Kardinal Marx hat die Anhänger von Pegida und AfD im ZDF heute journal dazu aufgerufen, in der Flüchtlingskrise nicht weiter Gräben aufzureißen. Es gehöre zur christlichen Identität Deutschlands, sich um Schwache zu kümmern. Von der Bundesregierung forderte er, besser zusammenzuhalten. 

Zu Anfeindungen von Anhängern der Alternative für Deutschland (AfD), die Kirche werde zunehmend als Teil eines Systems empfunden, in dem Ängste nicht ernst genommen und unbequeme Meinungen unterdrückt würden, sagte Marx im ZDF: Dort wo gegen Menschen gesprochen werde, wo Gräben aufgerissen würden, müsse man sagen: "Leute, so geht es nicht". Man solle sich auf wirklich Wichtiges konzentrieren. "Wenn jede Woche Menschen im Mittelmeer ertrinken, jede Woche Menschen in Aleppo um ihr Leben bangen müssen, dann dürfen wir nicht wegschauen." Es gehöre auch zur christlichen Identität Deutschlands, sich um Schwache zu kümmern.

"Menschen aus der nackten Not retten" statt Mindestlohn-Debatten

Das, was er von den rechtspopulistischen Parteien höre, beunruhige ihn sehr, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Noch mehr aber, dass "uns nicht wirklich bewegt, was an den Grenzen Europas passiert. Das muss uns doch viel mehr aufregen und dazu antreiben, dass wir nach Lösungen suchen". Das sollte im Zentrum der Diskussion stehen und nicht Pegida und die AfD.

Marx kritisierte auch die Politiker: Sollte es diese Woche keine Fortschritte bei den Verhandlungen geben und es an den Grenzen Europas so weitergehen wie bisher, wäre es für ihn "ein Skandal erster Ordnung". Anstatt über eine Aussetzung des Mindestlohns für Flüchtlinge zu sprechen, gehe es "jetzt erstmal darum, Menschen aus der nackten Not zu retten".

Fluchtursachen bekämpfen und Zukunft schaffen

Die große Koalition in Berlin hatte er zuvor zum Zusammenhalt in der Flüchtlingskrise aufgerufen. Es gelte, gerade in "stürmischen Zeiten" zusammenzustehen und nicht gegeneinander zu arbeiten, sagte Marx im baden-württembergischen Kloster Schöntal zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe. Die Kirche habe die große Hoffnung, dass die Politik eine Lösung finden werde. Zugleich betonte er: "Die Kirche will Teil der Lösung sein."

Niemand dürfe zurückgeschickt werden in eine Situation der Gewalt und der Verfolgung. Es müsse darum gehen, Fluchtursachen zu bekämpfen und den Menschen dort eine Zukunft zu geben, wo ihre Kultur und ihre Sprache zu Hause sind. Aufgabe der Kirche sei es, für Besonnenheit und "nüchterne und engagierte Nächstenliebe" einzutreten.

"Wir sind Kirche" fordert mehr kirchliches Engagement

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Die Reform-Initiative "Wir sind Kirche" rief die Oberhirten auf, deutlich mehr zu tun für Flüchtlinge als bisher. Es gebe etwa Priesterseminare, Klöster und andere Räumlichkeiten, in denen Zuwanderer unterkommen könnten, sagte Sprecher Christian Weisner.

"Man kann immer noch mehr machen", erwiderte Marx. Allerdings sei in den vergangenen Monaten bereits sehr viel passiert. "Man sollte nicht in einen Anklagemodus verfallen", mahnte er. Etliche Diözesen, darunter das Bistum Rottenburg-Stuttgart als Gastgeber des Treffens, hatten angesichts sprudelnder Kirchensteuereinnahmen zuletzt einen Ausbau der Flüchtlingsarbeit angekündigt.

Die katholischen Bischöfe und Weihbischöfe kommen jährlich zweimal zu ihren Vollversammlungen zusammen. Beim Treffen im hohenlohischen Kloster Schöntal nordöstlich von Heilbronn geht es auch um die Planungen für den Weltjugendtag der katholischen Kirche im Juli im polnischen Krakau. Außerdem wollen die Geistlichen über Fragen der Priesterausbildung und der Ökumene mit Blick auf das Reformationsgedenken 2017 beraten.

15.02.2016, Quelle: ZDF, dpa
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