28.06.2016
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Konkurrenz für Chrome und Firefox Webbrowser made in Germany

BildHände am Laptop
Hände am Laptop

(Quelle: dpa)

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Ein Blick durch die Datenbrille von Morgen

Google, Amazon und Facebook wissen schon jetzt Bescheid über unser Konsumverhalten, unsere Vorlieben und Interessen. Was aber, wenn es noch weiter geht?

(17.02.2016)

von Alfred Krüger

Surfen, shoppen, Online-Banking: Browser sind das Tor zum Web. Der Browsermarkt wird von wenigen US-Konzernen beherrscht. Deutsche Browser haben es schwer, Fuß zu fassen. Sie punkten mit Sicherheit und Datenschutz und einer eigenen Suchmaschine. 

Wer mit gängigen Browsern durchs Netz navigiert, hinterlässt eine breite Datenspur. Mehr Datenschutz wäre technisch möglich. Doch die großen Browserproduzenten tun sich damit schwer. Sie finanzieren sich direkt oder indirekt über Werbeeinnahmen, die umso kräftiger sprudeln, je mehr Daten die Nutzer im Netz hinterlassen. Datenschutz und Privatsphäre bleiben dabei oftmals auf der Strecke.

Auf Datenschutz getrimmt

Anders bei Iridium, einem Surf-Programm aus Deutschland. Der Browser basiert auf Chromium, einem von Google angestoßenen Open-Source-Projekt, aus dem auch Googles Browser Chrome hervorgegangen ist. Zwei Jahre habe man an Iridium gearbeitet, sagt Niels Mache, Chef der Stuttgarter Softwarefirma Struktur AG und Initiator des Browserprojekts. Iridium wurde auf Sicherheit und Datenschutz getrimmt. Funktionen, die Nutzerdaten an Google und Co. übertragen, seien korrigiert worden, sagt Mache im Interview mit heute.de.

Herausgekommen ist ein Browser, der sich in Aussehen und Bedienung nicht von Google Chrome unterscheidet, den neugierigen Datensammler aus Kalifornien aber weit hinter sich lässt. So werden Cookies von Drittanbietern, die den Nutzer im Netz verfolgen, generell blockiert – ebenso Funktionen, mit denen der Browser "nach Hause telefoniert". Gesucht wird zudem mit der französischen Suchmaschine Qwant. Sie gilt als datenschutzfreundlich und ist bei Iridium voreingestellt.

Chancen bei europäischen Nutzern

Browserfunktionen, die den Surfer ausspionieren, seien bei vielen Nutzern verpönt, sagt Mache. "In Deutschland und Europa war der Anteil sensibilisierter Internetnutzer schon immer hoch und nimmt weiterhin zu", betont er. Mache rechnet sich für Iridium deshalb auf dem Browsermarkt durchaus Chancen aus - trotz der übermächtigen Konkurrenz durch Google, Microsoft oder Mozilla.

Suchen direkt im Browser - das ist das Konzept, mit dem das Münchener Start-up Cliqz bei seinen Nutzern punkten will. Das gleichnamige Surf-Programm wurde auf der Basis des Open-Source-Browsers Firefox entwickelt. Was Cliqz von Firefox und anderen Browsern unterscheidet, ist eine eigene Suchmaschine, die dem Surf-Programm eingepflanzt wurde.

Browser mit eigener Suchmaschine

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"Geben Nutzer Suchbegriffe oder Namensbestandteile einer Webseite in die Browserzeile ein, erscheint direkt darunter eine Auswahl von Webseitenvorschlägen", sagt Cliqz-Sprecher Thomas Konrad heute.de. Der User gelangt per Mausklick direkt zum gewünschten Inhalt. Der Umweg über die Trefferliste einer Suchmaschine entfällt. Wetterinfos oder Aktienkurse werden sogar direkt angezeigt.

"In über 80 Prozent der Fälle möchten die Nutzer einfach nur so schnell wie möglich bestimmte Informationen finden oder zu einem bestimmten Ziel kommen", sagt Konrad. Die Cliqz-Direktsuche sei für solche Anfragen gemacht. Bei umfangreicheren Netzrecherchen kann man wie gehabt eine herkömmliche Suchmaschine nutzen. Der Cliqz-User muss sich also nur dann durch lange Trefferlisten hangeln, wenn er sie wirklich braucht.

Vorschläge aus dem "Human Web"

Die Webseitenvorschläge stammen aus dem "Human Web", einer Technologie, die eigens von Cliqz entwickelt wurde. Der Clou daran: Alle Suchanfragen und Webseitenbesuche der Cliqz-Nutzer werden anonymisiert und verschlüsselt an die Server des Start-ups übermittelt und ausgewertet. Das "Human Web" macht sich also die "Weisheit der Masse" zunutze. Es arbeitet wie ein Empfehlungssystem, das dem User Webseiten präsentiert, die viele andere Nutzer für relevant halten.

Auch die Browserspezialisten aus München geben sich optimistisch, wenn es um die Marktchancen ihres Browsers geht. Der Mehrwert ihrer Suchfunktion werde sich auch dem "Normalnutzer" erschließen, meint Cliqz-Sprecher Konrad. Zudem sei man in Sachen Datenschutz aktiv. "Noch verwenden wir bei Cookies die gängigen Browser- und Webstandards", sagt Konrad. "Wir werden aber in Kürze eigene Technologien in den Browser integrieren." Sie sollen dem User die volle Kontrolle über seine Daten geben.

05.03.2016
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