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Kriminelle Flüchtlinge Katz-und-Maus-Spiel mit jugendlichen Straftätern

VideoFlüchtlinge: Jugendliche Straftäter
Ein Jugendlicher Straftäter wird von der Polizei abgeführt.

Sondereinsatz für die Bremer Polizei: Es geht um eine spezielle Gruppe jugendlicher Flüchtlinge aus Algerien und Marokko, die in Bremen Straftaten verübt - darunter Antanzen, Taschendiebstahl, Raub.

(25.01.2016 Quelle: ZDF)

VideoMehr Flüchtlinge aus Nordafrika
Flüchtlinge aus Nordafrika.

Die CDU möchte die nordafrikanischen Staaten Marokko, Algerien und Tunesien zu sicheren Herkunftsländern erklären. Diese Maßnahme würde Verfahren beschleunigen und zügigere Abschiebungen ermöglichen.

(19.01.2016)

VideoRazzia im Maghreb-Viertel
Mann wird von der Polizei abgeführt.

40 Festnahmen wegen Verdachts auf Diebstahl, Drogenhandel und in fast allen Fällen wegen illegalen Aufenthalts: Das ist das Ergebnis der Polizeirazzia im marokkanischen Viertel von Düsseldorf.

(18.01.2016)

von Katharina Weisgerber

Woche für Woche rückt die Bremer Polizei zum Sondereinsatz aus. Antanzen, Taschendiebstahl, Raub - die Zahl der Straftaten durch minderjährige Flüchtlinge aus Marokko oder Algerien ist gestiegen. Es ähnelt einem Katz-und-Maus-Spiel. 

Jeden Freitag- und Samstagabend ist die Bremer Bereitschaftspolizei unterwegs: im Sondereinsatz gegen kriminelle jugendliche Flüchtlinge. Vor eineinhalb Jahren ging es am Bahnhof los, plötzlich fielen zunehmend Jugendliche durch Straftaten auf. "Es sind sogenannte unbegleitete Minderjährige, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Meist stammen sie aus Algerien und Marokko. Die Straftatenpalette reicht dabei von Taschendiebstahl, Raub bis zu gefährlicher Körperverletzung", erklärt Kai Ditzel, Einsatzleiter bei der Bremer Polizei.

Getreten, geschlagen, gespuckt: die Kollegen sind frustriert

Diese hatte im vergangenen Jahr eine spezielle Eingreiftruppe unter Ditzels Leitung ins Leben gerufen. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche sind Polizeibeamte ausschließlich für jugendliche Flüchtlinge abgestellt. Sie greifen ein, wenn es Probleme oder Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften gibt.

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Vor allem geht es ihnen jedoch um die ganz spezielle Gruppe der kriminellen Jugendlichen, die am Bahnhof und im Bremer Szeneviertel klaut. Rund 60 Minderjährige aus Nordafrika gelten bei der Bremer Polizei als Intensivtäter. Seit dem Sommer hat sich die Zahl ihrer Straftaten verdoppelt, dutzende Fälle von Diebstahl und Raub gehen jede Woche auf ihr Konto. Dabei gehen die Diebe immer brutaler vor, auch gegen Polizisten.

"Die Gewaltbereitschaft steigt, und es gibt massive Widerstände gegen Polizeibeamte. Da wird getreten, geschlagen, gespuckt - die Kollegen sind teilweise frustriert über das, was sie erleben müssen", fasst Einsatzleiter Kai Ditzel die Erfahrungen seiner Kollegen zusammen.

Polizei hofft auf geschlossene Unterbringungen

"Proaktiv", nennt der Einsatzleiter die zahlreichen Kontrollen, die sie jedes Wochenende durchführen. Das heißt, an bestimmten Orten in der Innenstadt wird nahezu jeder kontrolliert, der in das Täterprofil passen könnte. "Es sind Problemkinder, die teilweise mit 16 Jahren mehr als 30 Straftaten begangen haben", so Ditzel, "deshalb machen wir so intensiv Kontrollen. Damit einfach klar wird, dass wir sie kontrollieren, sobald sie sich in bestimmten Räumen bewegen. Damit wir als Polizei nicht immer nur hinterher rennen."

Es ist ein Katz- und Mausspiel. Aufgegriffene Jugendliche werden zur Polizeiwache gebracht. Dort wird ihre Identität geklärt und die Beute sichergestellt  - vor allem Bargeld und Handys. Da sich die Jugendlichen zu nächtlicher Stunde nicht ohne erwachsene Begleitung auf der Straße aufhalten dürfen, wird der Bremer Kinder- und Jugendnotdienst informiert.

Der Notdienst bringt die Jugendlichen dann zurück in ihre Flüchtlingsunterkünfte. Das Problem dabei: "Die Jugendlichen können dort einfach zum Beispiel aus dem Fenster steigen und wieder loslegen. Das ist ein Kreislauf, den müssen wir durchbrechen. Manche Jugendliche müssen irgendwann in geschlossene Unterbringungen. Alles andere funktioniert nicht bei bestimmten Jugendlichen, die uns immer wieder Probleme bereiten", so Einsatzleiter Ditzel.

Antanzdiebstähle in Bremen

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bremen

Zwei Polizisten führen einen jugendlichen Flüchtling in Bremen ab.

In Bremen leben ca. 2.500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Mit Ausnahme der sogenannten Antanzdiebstähle gibt es derzeit keine Anhaltspunkte für einen überdurchschnittlichen Kriminalitätsanstieg durch Flüchtlinge.
Antanzdiebstähle sorgen seit August 2014 für Schlagzeilen in Bremen. Die Straftäter sind überwiegend Jugendliche aus Marokko und Algerien. Waren es zu Beginn rund 20 von ihnen, die im Fokus der Polizei standen, so sind es jetzt rund 60, die als Toptäter geführt werden.

Phänomen Antanzdiebstähle

Sogenannte Antanzdiebstähle sorgen seit August 2014 für Schlagzeilen in Bremen. Die Straftäter sind überwiegend Jugendliche aus Marokko und Algerien. Waren es 2014 rund 20 von ihnen, die im Fokus der Polizei standen, so sind es jetzt rund 60, die als Toptäter geführt werden. Beim Antanzen versuchen die Täter ihre Opfer durch Berührung und Umarmung abzulenken und ziehen dabei in Windeseile und oftmals unbemerkt Handys oder Portemonnaies aus den Taschen. Dabei gehen die Antänzer nie alleine sondern immer mindestens zu zweit vor.

Wann finden diese Antanzdiebstähle statt?

Antanzen findet in der Mehrheit der Fälle am Wochenende zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden statt. In Bremen sind neben dem Bahnhofsbereich die Discomeile und das Szeneviertel Steintor/Ostertor betroffen. Gefährdet sind hier vor allem Partygänger, die es den Tätern (auch aufgrund Alkoholkonsums) leicht machen.

Wie kann man sich schützen?

Die Polizei rät, Handys und Wertsachen immer eng am Körper zu tragen und nicht in Hosen- oder Manteltaschen. Außerdem bittet sie darum, wachsam zu sein und auf die Umgebung zu achten. In Bremen informiert die Polizei mit Flyern das Publikum auf der Discomeile über angebrachte Verhaltensweisen.

Kam es in Bremen an Silvester zu Übergriffen?

In Bremen liegen der Polizei keine Erkenntnisse vor, dass es in der Silvesternacht zu sexuellen Übergriffen im Zusammenhang mit den sogenannten Antanzdelikten gekommen ist. In der Silvesternacht gab es bremenweit elf "Antanz-Fälle" (Männer und Frauen als Geschädigte), aber alle ohne sexuellen Hintergrund. Eine nicht repräsentative Umfrage der Polizei ergab, dass ein großer Teil der Befragten das Gefühl hatte, dass sich die Sicherheitslage im letzten halben Jahr rund um den Hauptbahnhof verschlechtert hat.

(von Katharina Weisgerber)

Politische Antworten gesucht

Über eine geschlossene Einrichtung für Intensivtäter denkt die Politik in Bremen schon seit längerem nach. Gemeinsam mit Hamburg könnte eine solche Einrichtung in Bremen auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt entstehen. Bislang sind den Gedanken noch keine konkreten Planungen oder gar Taten gefolgt.

Strafrechtlich setzt das Jugendstrafrecht vorrangig auf den Erziehungs- und nicht auf den Bestrafungsgedanken. Aufgrund der Schwere der Tat oder der Häufigkeit der Straftaten laufen bei 62 dieser minderjährigen Flüchtlinge Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Für U-Haft oder gar Prozess reicht es aufgrund ihres Alters dennoch selten.

Bremens Polizei will den Druck hochhalten

Abschieben darf Bremen die Straftäter nicht, solange sie nicht volljährig sind. Da viele keine Ausweispapiere haben und oft ihr Alter mit 17 Jahren angeben, warten Politik, Polizei und Justiz darauf, dass diese Jugendlichen volljährig werden. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat ein konsequenteres Vorgehen bei Abschiebungen angekündigt. Bislang setzt das kleine Bundesland eher auf eine freiwillige Ausreise.

Der Bremer Polizei bleibt im Moment nicht viel mehr, als den Druck auf die kriminellen Jugendlichen hoch zu halten. Ständigen Kontrollen sollen die Szene verunsichern und im Idealfall vertreiben. "Das ist dann dieser Verdrängungseffekt, aber das ist am Ende ein Effekt, der uns hilft in Bremen", schätze Kai Ditzel die Situation realistisch ein.

26.01.2016
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